Windkraft in Tirol: Parteien streiten über Windmessungen auf der Hochalm Feldringer Böden

Feber 5, 2026 06:47
Windkraft in Tirol: Parteien streiten über Windmessungen auf der Hochalm Feldringer Böden

Die Windkraftnutzung in Tirol stößt auf scharfe Kritik. Die neuen Windmessungen auf der Hochalm Feldringer Böden werden von der FPÖ als unangebracht erachtet, während die Grünen klare Vorgaben und eine aktive Rolle des Landes bei den Windmessungen fordern. Darüber berichtet Welt Stimme.

INNSBRUCK. Der Ötztaler NR a.D. Dominik Schrott äußert sich kritisch zu den Windmessungen: „Ganz ehrlich: Jetzt reicht’s! Was hier Schritt für Schritt passiert, fühlt sich nicht mehr nach ‚prüfen‘ an, sondern nach einem schleichenden Überrollen unserer sensibelsten Naturräume. Erst bei uns in Oetzerau – am Ambergsee – und jetzt stehen die Feldringer Böden im Fokus. Wieder Windmessungen. Wieder Beschwichtigungen. Wieder das gleiche Muster. Ja, wir (alle) brauchen erneuerbare Energie.“

„Aber nicht um den Preis, dass wir die letzten hochalpinen Rückzugsräume scheibchenweise opfern. Nicht ohne klare Grenzen. Nicht ohne ehrliche Mitsprache der Bevölkerung. Diese Gebiete sind kein Experimentierfeld. Nicht für Messungen. Nicht für Investoren. Nicht für politische Ausreden. Jetzt braucht es Haltung. Für unsere Landschaft. Für unsere Heimat. Und für den Mut, auch einmal klar Nein zu sagen“, so Schrott auf seiner Facebook-Seite.

FPÖ mit Ablehnung

Die FPÖ-Landtagsabgeordnete Gudrun Kofler kritisiert die neuen Windmessungen auf der Hochalm Feldringer Böden in der Gemeinde Silz: „Windkraft hat in sensiblen alpinen Lebensräumen absolut nichts verloren.“ Sie spricht von den negativen Konsequenzen des Ausbaus von Windkraft in hochalpinen Gebieten. „Die geplanten Windräder mit Nabenhöhen von bis zu 100 Metern würden irreversible Schäden in der Biodiversität anrichten. Vögel wie der Auerhahn und Fledermäuse sind durch Kollisionsrisiken massiv bedroht, wie Studien von Experten belegen“, erklärt Kofler. Zudem würde der Bau mit umfangreichem Straßen- und Infrastrukturausbau einhergehen, was Erosion fördert und die letzten unberührten Naturräume Tirols bedroht.

Stopp der Planungen

Kofler betont, dass der Ausbau von Windkraft im Einklang mit den Zielen des Tiroler Tourismus stehen müsse: „Das kollidiert frontal mit unserer Tiroler Lebensader, dem Tourismus, der auf der intakten Bergwelt basiert. Statt wirtschaftlicher Impulse drohen langfristige Verluste für die Region.“ Sie kritisiert zudem die fehlende Transparenz und Information: „Wieder einmal wurden die Standortbürgermeister nicht rechtzeitig informiert. Das ist ein Affront gegen die lokalen Vertreter und die betroffenen Bürger. Solche Projekte dürfen nicht hinter verschlossenen Türen geplant werden – die Menschen vor Ort müssen einbezogen werden!“ Die FPÖ fordert einen sofortigen Stopp derartiger Planungen und eine klare Positionierung von der ÖVP: „Die ÖVP muss endlich Farbe bekennen! Als Regierungspartei kann sie nicht länger lavieren. Wir fordern eine deutliche Stellungnahme für den Erhalt unserer Alpen.“

Öffentliche Steuerung

Der Grüne Klubobmann Gebi Mair fordert eine geregelte Vorgehensweise bei Windkraft-Projekten: „Das Chaos an Windkraft-Projekten in Tirol muss in geordnete Bahnen gelenkt werden. Das beginnt bei der Auswahl von Orten für die Windmessung durch das Land Tirol und geht hin zu einer raumordnerischen Ausweisung von Vorrang- und Ausschlusszonen für Windkraft in Tirol.“ Die Grünen haben deshalb Windmessungen durch das Land Tirol beantragt, um öffentliche Interessen besser zu wahren und die Diskussion über geeignete Standorte zu fördern.

„Derzeit erfolgt die Auswahl von Standorten ausschließlich nach Interessen der Projektbetreiber. Tatsächlich sollten Interessen der Energiewende, des Naturschutzes und des Tourismus gleichermaßen berücksichtigt werden. Wenn das Land Tirol selbst über Winddaten verfügt, kann auch eine öffentliche Diskussion darüber stattfinden,“ ergänzt Mair.

Windkraft stellt insbesondere im Winter eine notwendige Diversifizierung der Energieversorgung in Tirol dar. In Monaten mit wenig Wasser und geringer Sonneneinstrahlung ist Wind eine kostengünstige Alternative. Der Grüne Klubobmann kritisiert die aktuelle Praxis, bei der Windmessungen von privaten Betreibern durchgeführt werden und betont die Notwendigkeit für eine transparente und demokratische Vorgehensweise bei den Energieprojekten in Tirol.

Diskussion in Osttirol

Die Grünen setzen sich zudem für den Schutz der Compedal Alm ein, um den geplanten Windpark in dieser Region zu verhindern. Martin Mayerl, VP-Energiesprecher, bezeichnet die Vorgehensweise der Grünen als wenig zielführend und kritisiert: „Was die Tiroler Grünen derzeit aufführen, ist energiepolitische Orientierungslosigkeit in Reinkultur.“ Er fordert die Grünen auf, eine klare Strategie für die Energiewende zu entwickeln, anstatt Windkraftprojekte zu blockieren. „Wer die Energiewende ernst meint, muss auch bereit sein, Projekte umzusetzen,” betont Mayerl.

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