Fachverband fordert Verbesserungen in der Personenbetreuung
Der Fachverband Personenberatung und Personenbetreuung in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) hat am Donnerstagvormittag den aktuellen Stand der Branche dargelegt. Das neue Führungsteam, angeführt von der Fachverbandsobfrau Irene Mitterbacher und Obfrau-Stellvertreter Robert Pozdena, richtete dringende Forderungen an die Politik, insbesondere zur 24-Stunden-Betreuung, die unter einem Rückgang von Betreuern leidet. Darüber berichtet Welt Stimme.
In Österreich stehen viele ältere Menschen vor der Herausforderung, dass das Leben alleine nicht mehr möglich ist. Wenn die Pflege durch Angehörige oder eine Unterbringung im Heim keine Optionen sind, wird zunehmend auf häusliche Betreuung zurückgegriffen. Diese Berufsgruppe gehört zur WKÖ und wird von dem Fachverband vertreten.
Am Donnerstagmorgen zogen die Verbandsvertreter Bilanz und formulierten ihre politischen Ansprüche. Die Leitung wurde am 16. Oktober 2025 mit Irene Mitterbacher als Obfrau und Robert Pozdena als Obfrau-Stellvertreter neu besetzt. Mitterbacher, die seit zwei Jahrzehnten in der Branche tätig ist, vertritt nun 67.476 Personen und einen Umsatzerlös von 469 Millionen Euro für das Jahr 2024.
Der Fachverband umfasst mehrere Gruppen, darunter psychosoziale Beratung, Ernährungsberatung, sportwissenschaftliche Beratung, selbstständige Personenbetreuung und Organisation der Personenbetreuung.
Herausforderungen der 24-Stunden-Betreuung
Neben der allgemeinen Beratung vertritt der Fachverband auch Organisationen im Bereich der 24-Stunden-Betreuung. Obfrau-Stellvertreter Pozdena, der selbst eine von 953 Organisationen in diesem Bereich leitet, betont die Herausforderungen des Sektors. Die Anzahl der Beschäftigten hat von 2024 bis heute um 9,7 Prozent abgenommen, hauptsächlich weil Betreuerinnen und Betreuer, oft aus dem Ausland, zunehmend in anderen europäischen Ländern wie der Schweiz oder Frankreich bessere Bedingungen finden.
Der Frauenanteil in der Branche beträgt 92 Prozent, während nur 8 Prozent Männer tätig sind. Im Durchschnitt sind die Betreuer 52 Jahre alt. Unter ihnen kommen die meisten, etwa 31.277, aus Rumänien, gefolgt von 12.531 aus der Slowakei. Österreich hat jedoch auch Vorteile zu bieten, da die geografische Nähe der Herkunftsländer für viele Betreuer eine Rolle spielt.
Politische Forderungen des Fachverbands
Pozdena und Mitterbacher fordern von der Politik Maßnahmen zur Verbesserung der häuslichen Betreuung. Die Honorare für Betreuerinnen und Betreuer sind bereits niedriger als in anderen westeuropäischen Ländern. Um den Personalmangel zu beheben, sollten Gewerbeberechtigungen auch an Personen aus Drittstaaten wie Serbien und Bosnien ausgegeben werden.
Darüber hinaus wird eine Erhöhung der Förderungen für Familien gefordert. Aktuell liegen diese bei 800 Euro pro Monat, nachdem sie zuvor 500 Euro betrugen. Die Zahlungen werden lediglich an die „erste“ Familie ausbezahlt, die betreut wird, was bedeutet, dass in der Regel nicht mehrere Personen von der gleichen Pflegekraft für einige Stunden versorgt werden können. Dies sieht der Verband als hinderlich an.
Ein weiterer Punkt betrifft die Anforderungen an Senioren mit einer monatlichen Pension über 2.500 Euro, die keinen Anspruch auf Zuschüsse haben. Diese Schwelle wurde seit 2008 nicht angepasst. Insbesondere kleinere pflegerische Maßnahmen erfordern zusätzliche Zulassungen, die mit hohen Kosten verbunden sind und oft nicht tragbar für die Betreuer sind.
Die WKÖ stellt umfassende Informationen und Ratgeber für Klienten sowie Betreuer zur Verfügung, um über die aktuelle Situation und die Möglichkeiten der Unterstützung aufzuklären.


