Ulrike Gugel über Herausforderungen des Einzelhandels in Graz
Ulrike Gugel führt seit 2017 das Damenmodegeschäft City Classic in der Grazer Innenstadt. Im Gespräch äußert sie sich zu den Veränderungen im Einkaufsverhalten ihrer Kundinnen und den politischen Unsicherheiten, die die Branche belasten. Darüber berichtet Welt Stimme.
GRAZ. Die Grazer Innenstadt ist für Ulrike Gugel ein vertrauter Ort. Seit vielen Jahren betreibt sie ihr Geschäft in der Schmiedgasse. Im Interview thematisiert sie die Auswirkungen der Pandemie auf das Konsumverhalten und die Herausforderungen, mit denen lokale Geschäfte konfrontiert sind.
„Die Veränderungen im Einkaufsverhalten sind erheblich. Früher interessierte es niemanden, was die Sachen kosten. Jetzt fragen selbst die Stammkundinnen häufig nach Preisen“, erklärt Gugel. Diese Verschiebung ist auffällig, da die Corona-Pandemie die Einkaufsgewohnheiten nachhaltig beeinflusst hat. Gugel bemerkt, dass viele Käuferinnen nun gezielt nach Einzelteilen suchen, anstatt ganze Kombinationen zu erwerben. „Das lässt sich schwer beurteilen, ob es einen Trend zum Sparen oder zu bewussterem Einkaufen gibt“, fügt sie hinzu.
Sie sieht als eine der größten Herausforderungen in der Innenstadt die allgemeine Unsicherheit: „Viele Inhaber vergleichbarer Geschäfte gehen in Pension, statt fortzufahren. Ich möchte noch lange weitermachen, aber die Lage ist besorgniserregend“, sagt Gugel.
Eine weitere Problematik liegt in der Erreichbarkeit der Innenstadt. Gugel betont, dass es für viele schwierig sei, in die Stadt zu kommen, was sich negativ auf die Kundenfrequenz auswirkt. „Die schönen Altstadtgassen müssen sauber und sicher sein,um das Stadtbild attraktiv zu halten“, fordert sie.
„Die umsatzstarken Zeiten haben sich nicht verschoben, jedoch ist der September geschwächt. Während der Adventszeit kommen zwar viele Besucher in die Stadt, doch die Kaufbereitschaft ist gering“, berichtet sie weiter. Ihre Hauptumsatzmonate liegen im Oktober, November, sowie von März bis Mai mit Hochzeiten und Festen.
Die Kundinnen von Gugel sind treu, etwa 90 Prozent sind Stammkundinnen. „Sie schätzen persönliche Beratung, einen Kaffee und unsere individuelle Beratung“, sagt Gugel stolz. Trotz der allgemeingültigen Meinung, dass der Textilhandel in Innenstädten leidet, bleibt sie optimistisch: „Qualität muss vorgehen. Die Menschen suchen nach gutem Handwerk, und das bieten wir vor Ort“, erklärt sie.
Zum Thema Onlinehandel bemerkt sie: „Unsere Kundinnen wollen die Ware fühlen und probieren. Das Einkaufserlebnis in der Stadt ist unvergleichlich und bleibt für viele wichtig.“
Gugel hofft auf mehr Zusammenarbeit und klare Kommunikation seitens der Politik. „Wir benötigen Planbarkeit, vor allem im Hinblick auf Baustellen und Veranstaltungen. Einheitliche Öffnungszeiten wären ebenfalls wünschenswert“, appelliert sie.
Um ihre Geschäfte zukunftsfähig zu machen, sieht sie im Konzept des Private Shopping großes Potenzial. „Kundinnen möchten oftmals nach Dienstschluss einen Termin vereinbaren, um ungestört einkaufen zu können“, erklärt Gugel.
Modetrends für den Herbst, so teilt sie mit, setzen auf Bordeaux- und Brauntöne, die mit kräftigen Farben kombiniert werden, um mehr Leben in die Outfits zu bringen.
Zur Person: Ulrike Gugel
Seit 2017 leitet Ulrike Gugel das Damenmodegeschäft in Graz, das seit 25 Jahren besteht. Sie wechselte ohne Vorerfahrung aus dem Marketing in die Modebranche und sieht sich nach wie vor als selbst lernende Unternehmerin. Gugel hat einen Hintergrund im Tourismus und ist seit 33 Jahren verheiratet mit zwei Kindern.


