Künstliche Intelligenz revolutioniert Online-Shopping in Österreich
WIESELBURG. Künstliche Intelligenz verändert, wie Produkte gesucht, gefunden und gekauft werden, radikaler als viele denken. Chatbots wie ChatGPT übernehmen nicht nur beratende Funktionen, sondern beeinflussen aktiv Kaufentscheidungen. Darüber berichtet Welt Stimme.
Der E-Commerce-Experte Stefan Eibl, Studiengangsleiter des Master-Studiums E-Commerce an der FH Wiener Neustadt, erläutert die bevorstehenden Veränderungen im Online-Shopping. „In Zukunft wird der Kaufprozess nahtlos in generative KI-Systeme und Social-Plattformen eingebettet sein“, erklärt Eibl. Dies könnte dazu führen, dass die Systeme Nutzer proaktiv mit Produktempfehlungen versorgen, anstatt dass die Nutzer selbst angeben, was sie wünschen.
Eibl weist darauf hin, dass die Integration von Shopping-Funktionen direkt in ChatGPT bereits in den USA aktiv ist. Diese Entwicklung könnte den gesamten Such- und Kaufprozess erheblich verändern. „ChatGPT wird zum aktiven Entscheidungs-Unterstützer, der individuell auf den Nutzer abgestimmte Empfehlungen gibt“, so Eibl.
Diese Veränderungen führen zu einem grundlegenden Wandel im Kaufverhalten: Entscheidungen werden immer mehr in Dialogen mit KI-Systemen getroffen, anstatt durch den Vergleich verschiedener Webshops.
Mehr Komfort, aber auch mehr Einfluss
Obwohl diese Vereinfachungen auf den ersten Blick vorteilhaft erscheinen, warnt Eibl vor den potenziellen negativen Auswirkungen. „Je mehr Verantwortung an Systeme abgegeben wird, desto stärker beeinflussen diese die Auswahl und Präferenzen der Nutzer“, betont er. Dies erfordere ein neues Bewusstsein bei Konsumenten und Unternehmen gleichermaßen.
Chancen und Risiken für den Handel
Die Verschmelzung von Suchmaschinen, Chatbots und Webshops birgt große Chancen, bringt jedoch auch neue Risiken mit sich. KI-Agenten können die Effizienz im Kaufprozess steigern und präzisere Produktempfehlungen bereitstellen. Die größte Gefahr besteht jedoch im Kontrollverlust über Marken und Kundenbeziehungen. „Unternehmen müssen lernen, mit KI-Systemen zu kommunizieren, nicht nur mit den Nutzern“, fügt Eibl hinzu.
Bereits heute arbeiten Plattformen wie Shopify und Magento in den USA mit ChatGPT-Integrationen. Trotz der rasanten technologischen Entwicklungen zeigt sich Eibl optimistisch bezüglich der Zukunft der österreichischen Betriebe. Er betont, dass heimische Händler durchaus mithalten können, wenn sie sich fortlaufend informieren, neue Tools ausprobieren und sich weiterbilden. Es gehe nicht darum, eigene KI-Systeme zu entwickeln, sondern zu verstehen, wie diese Technologien Kaufentscheidungen beeinflussen.
E-Commerce-Studium am Puls der Zeit
Am Campus Wieselburg werden die aktuellen Trends bereits in der Lehre integriert. Eibl erklärt: „In unserem Master-Studium integrieren wir KI-Themen direkt in unsere Module – von KI im Digital Marketing bis zur Veränderung des Nutzerverhaltens.“ Lehrveranstaltungen wie „Current Issues in E-Commerce“ beziehen die neuesten Entwicklungen ein und diskutieren deren Auswirkungen auf die Praxis.
Studierende, die im digitalen Handel erfolgreich sein wollen, benötigen laut Eibl analytisches Denken, Kreativität und die Fähigkeit, KI-Ergebnisse kritisch zu hinterfragen. „Wer die Zukunft des E-Commerce gestalten will, muss mehr können als Tools bedienen – man muss verstehen, warum und wie wir digital handeln.“


