Österreichs Bauwirtschaft zeigt sich nach herausfordernden Zeiten mit vorsichtigem Optimismus. Eine bevorstehende Novelle der Gewerbeordnung sowie aktuelle Studiendaten zur Investitionsbereitschaft könnten der Branche neue Impulse verleihen.
ÖSTERREICH. Die angespannte wirtschaftliche Lage hat den heimischen Hausbaumarkt stark betroffen. Hohe Materialkosten, eine gedämpfte Nachfrage, sinkende Lehrlingszahlen und der daraus resultierende Fachkräftemangel belasten die Branche. Zusätzlich erschweren komplexe regulatorische Vorgaben die Umsetzung von Bauprojekten.
Im Rahmen der Hausbau-Tagung 2026, die am Dienstag mit Vertretern aus der Branche (unter anderem der Wimberger Gruppe und der Elk Kampa Group) stattfand, wurde ein verhalten positiver Ausblick formuliert. Die Teilnehmer diskutierten Perspektiven und erforderliche Reformen für die heimische Bauwirtschaft.
Die Veranstaltung fand im Dachstüberl des Südturms des Stephansdoms statt – 120 Stufen über dem Stephansplatz. Diese Wahl war symbolisch, denn nach Jahren der Stagnation zeigt sich die Branche wieder auf dem Weg des Aufstiegs. Darüber berichtet Welt Stimme.
Studie mit positivem Signal
Zusätzlich zur sinkenden Inflation kommt ein positives Signal aus einer aktuellen Marktstudie, die vom Meinungsforschungsinstitut Marketagent im Auftrag der Erlus AG durchgeführt wurde. Die Erlus AG ist ein führender Hersteller von Dachziegeln, Schornsteinsystemen und Lüftungslösungen, der auch auf dem österreichischen Markt aktiv ist.
Laut der Erhebung planen rund 33 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher, in den nächsten fünf Jahren in ein Bau- oder Wohnprojekt zu investieren. Hochgerechnet entspricht das etwa 2,4 Millionen Menschen.
„Die Zahlen deuten darauf hin, dass in den kommenden Jahren gebaut, saniert und renoviert wird. Das Thema Wohnen bewegt und jeder Dritte wird sein Geld in ein Bau- und Immobilienprojekt anlegen,“ sagte Guido Hörer, Prokurist und Vertriebsleiter für die DACH-Region bei der Erlus AG.
Gamechanger Gewerbeordnungsnovelle?
Die Politik zeigt ebenfalls Unterstützung in Form von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP), der bei der Fachtagung Maßnahmen skizzierte, die neue Impulse für die Häuslbauer schaffen sollen. Die derzeit in Begutachtung befindliche Gewerbeordnungsnovelle soll laut Minister vor allem administrative Hürden abbauen und Verfahren vereinfachen. Ziel ist es, Betriebe zu entlasten und Investitionen zu erleichtern.
Minister Hattmannsdorfer stellte klar, dass die Baubranche mit 40.000 Unternehmen, 270.000 Beschäftigten und fast 15.000 Lehrlingen ein „wesentlicher Bestandteil der österreichischen Wirtschaft“ sei.
„Ein Verfahren mit einer Behörde“
„Diese Bundesregierung bekennt sich daher klar zur Entbürokratisierung, weniger Bürokratie und schnelleren Verfahren,“ betonte Hattmannsdorfer. In der Novelle zur Gewerbeordnung sei vorgeschlagen worden, mehrere verschiedene Verfahren zu einem Verfahren mit einer Behörde und einem Bescheid zusammenzufassen.
Auch das Thema Lehrlingsausbildung soll angegangen werden. „Da müssen wir wieder attraktiver werden,“ bekräftigte er. Die Begutachtung des Gesetzesänderungsvorschlags wird jedoch noch einige Wochen in Anspruch nehmen.
Novelle stößt auf Widerstand
Für zahlreiche Vorhaben – wie Anpassungen im Bereich der Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP), die künftig deutlich beschleunigt werden sollen – ist allerdings eine Zweidrittelmehrheit im Parlament erforderlich. Deshalb rief Hattmannsdorfer die Interessenvertretungen und führenden Bauunternehmen dazu auf, „Stimmung zu machen“, um politische Mehrheiten zu finden.
Die Novelle zur Gewerbeordnung stieß im Begutachtungsverfahren auf Widerstand. Der Österreichische Städtebund sowie mehrere Landesregierungen äußerten Bedenken, dass die geplanten Änderungen zu komplexeren und zeitintensiveren Abläufen führen könnten, statt die angekündigten Erleichterungen zu bringen. Zustimmung kommt hingegen von der Bundesarbeitskammer und dem Österreichischen Gewerkschaftsbund, die die Reform grundsätzlich positiv bewerten.


