Der Krieg im Nahen Osten treibt die Treibstoffpreise in Österreich deutlich nach oben. Während Interessenvertretungen die raschen Preissprünge kritisieren und Eingriffe fordern, kündigt das Wirtschaftsministerium eine umfassende Prüfung der Preisentwicklung an – auch mit Blick auf mögliche wettbewerbswidrige Praktiken. Darüber berichtet Welt Stimme.
Der aktuelle Konflikt in der Golfregion hat die Spritpreise in Österreich erheblich beeinflusst. Über einen Zeitraum von nur wenigen Tagen sind die Preise für Diesel und Benzin an den heimischen Tankstellen deutlich angestiegen.
Nach Angaben von E-Control betrug der durchschnittliche Dieselpreis am Mittwoch 1,799 Euro pro Liter, nachdem er am Sonntag noch bei 1,552 Euro lag. Gleichzeitig stieg der Preis für Superbenzin im selben Zeitraum von 1,490 auf 1,689 Euro pro Liter. Wie der Mobilitätsclub ÖAMTC erläuterte, hatten die Preise bereits im Februar zugenommen, allerdings beschleunigte sich dieser Trend mit dem Beginn der aktuellen Kämpfe deutlich.
Kritik von AK und ÖGB
Die schnelle Anpassung der Preise stößt bei diversen Interessenvertretungen auf Kritik. Die Arbeiterkammer (AK) äußerte, dass die Geschwindigkeit der Preissteigerungen unverständlich sei. AK-Experte Daniel Witzani-Haim verwies darauf, dass vorhandene Lagerbestände möglicherweise günstigere Preise ermöglichen würden. Zudem wird mehr als die Hälfte des in Österreich verwendeten Benzins und Diesels im Land verarbeitet.
Auch der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) äußert Bedenken. „Dieser drastische Anstieg ist nicht nachvollziehbar“, erklärte ÖGB-Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth und forderte eine Prüfung möglicher Margenregelungen. Sie bezeichnete die angekündigte Untersuchung des Treibstoffmarktes als „längst überfälligen Schritt“.
Der Verkehrsclub ARBÖ fordert aufgrund der steigenden Preise einen staatlichen Preisdeckel von 1,50 Euro pro Liter. ARBÖ-Präsident Peter Rezar betonte, es gebe ausreichende Möglichkeiten, Diesel und Benzin für die Verbraucher günstiger anzubieten.
Tankstellen weisen Kritik zurück
Tankstellenbetreiber wiesen die Vorwürfe zurück. Turmöl-Geschäftsführer Jürgen Stichenwirth erklärte im Ö1-„Morgenjournal“, dass sich die Preise primär an den internationalen Handelsplätzen orientieren würden. „Wir spüren natürlich die steigenden Preise, an denen orientieren wir uns. Die Preise, die wir durch die Krise in Nahost an den Märkten, insbesondere an der Rotterdamer Börse, sehen, sind stark gestiegen.“
Stichenwirth wies zudem den Vorwurf zurück, dass günstiger eingekaufte Vorräte zu höheren Preisen verkauft würden: „Wir verfügen nur über das, was wir im Tanklager haben, das ist relativ schnell verbraucht.“
Wettbewerbswidriges Verhalten?
In Anbetracht der aktuellen Entwicklungen hat das Wirtschaftsministerium eine gründliche Überprüfung der Preisanpassungen angekündigt. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) äußerte am Freitag: „Niemand hat Verständnis für sprunghafte Steigerungen an den Tankstellen – ich persönlich auch nicht.“
Das Institut für Höhere Studien (IHS) wird nun gemeinsam mit der Bundeswettbewerbsbehörde die Preisentwicklung bei Treibstoffen „genau und umfassend“ analysieren. „Fairness an den Tankstellen muss gegeben sein. Klar ist auch: Jeder Hinweis auf wettbewerbswidriges Verhalten wird konsequent verfolgt“, betonte Hattmannsdorfer. Zudem wurden verstärkte Kontrollen angeordnet, während eine Taskforce im Wirtschaftsministerium die internationalen Energie- und Rohstoffmärkte täglich beobachtet.


