Zahl der Firmeninsolvenzen in der Steiermark steigt um 14 Prozent, Passiva um 415 Prozent

März 18, 2026 14:18
Zahl der Firmeninsolvenzen in der Steiermark steigt um 14 Prozent, Passiva um 415 Prozent

Der Kreditschutzverband KSV1870 hat am Mittwoch eine vorläufige Insolvenzstatistik für das erste Quartal des Jahres 2026 veröffentlicht: Demnach ist die Zahl der Firmenpleiten im Vergleich zum Vorjahr um knapp 14 Prozent gestiegen, während die Höhe der Passiva sogar um knapp 415 Prozent zugenommen hat. Grund dafür ist ein Anstieg der Großinsolvenzen in der Steiermark, wie zuletzt bei der Domaines Kilger aus Gamlitz. Darüber berichtet Welt Stimme.

STEIERMARK. Altbekannte Herausforderungen und neue Krisenherde wie die Situation im Nahen Osten sowie ein anhaltender Zollstreit zwischen Europa und den USA sorgen für anhaltende Unruhe in der Wirtschaft. Dies spiegelt sich in der Zahl der Firmeninsolvenzen in der Steiermark wider, die in den ersten drei Monaten um knapp 14 Prozent auf 198 gestiegen ist.

„Die Firmenpleiten liegen weiterhin auf einem hohen Niveau, und wir können für die Steiermark, im Gegensatz zu Gesamtösterreich, von keinem positiven Funken in puncto Fallzahlen sprechen“, erklärt René Jonke, Leiter Region Süd des KSV1870. Gleichzeitig hat sich die Anzahl der betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um knapp 94 Prozent auf rund 1.270 Personen erhöht, was einer fast Verdopplung entspricht.

Besonders alarmierend ist der Anstieg der Fälle, die mangels Masse nicht eröffnet werden. Diese machen bereits 27 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen in der Steiermark aus. Laut KSV1870 ist dies ein Alarmsignal für den heimischen Wirtschaftsstandort, da immer mehr Betriebe die Kosten von etwa 4.000 Euro für ein ordentliches Insolvenzverfahren nicht aufbringen können. „Angesichts dieser Entwicklungen ist es wohl an der Zeit, sich konkret darüber Gedanken zu machen, wie man aus gesetzlicher Sicht mit derartigen Fällen in Zukunft umgehen möchte“, so Jonke. Wichtig dabei ist, dass eine gesetzliche Anpassung nicht zulasten „gesunder“ Betriebe geht.

Handel und Bau weiterhin „Problembranchen“

Der Blick auf die Branchen zeigt wenig Veränderung im Vergleich zum Vorjahr: Der Handel (33 Fälle) und das Baugewerbe (25 Fälle, plus 4,2 Prozent) standen wie im Jahr 2025 vor besonders hohen Fallzahlen. Zudem verzeichnete der Bereich der Warenherstellung mit insgesamt 21 Fällen und einem Anstieg von 75 Prozent einen signifikanten Zuwachs. Ein kleiner Lichtblick zeigt sich jedoch im Handel (minus drei Prozent) und im Bereich Beherbergung und Gastronomie (minus elf Prozent), wo die Zahl der Insolvenzen im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen ist. „Es ist für die Steiermark allerdings kein positives Signal, dass insbesondere in Branchen mit vielen Arbeitsplätzen zuletzt deutlich mehr Insolvenzfälle zu verzeichnen waren als noch vor einem Jahr“, erklärt Jonke.

Passiva durch Großinsolvenzen explodiert

Weniger erfreulich ist die Entwicklung der Passiva: Durch einen Anstieg der Großinsolvenzen, definiert als Insolvenzen mit über zehn Millionen Euro Passiva, beträgt der Gesamtbetrag laut Berechnungen des KSV1870 aktuell 345 Millionen Euro. Einen wesentlichen Teil zu dieser Entwicklung tragen die Konkursverfahren der Firmen LL-resources GmbH und der Domaines Kilger GmbH & Co KG bei, die insgesamt vorläufige Passiva von rund 213 Millionen Euro ausweisen.

Die fünf größten Insolvenzen im ersten Quartal 2026:

  • LL-resources GmbH, Graz (Konkurs): Passiva von 131 Millionen Euro
  • Domaines Kilger GmbH & Co KG, Gamlitz (Konkurs): Passiva von 82 Millionen Euro
  • Wollsdorf International GmbH, St. Ruprecht an der Raab (Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung): Passiva von 33 Millionen Euro
  • Wollsdorf Leder Schmidt & Co. Ges.m.b.H., St. Ruprecht an der Raab (Sanierung ohne Eigenverwaltung): Passiva von 26 Millionen Euro
  • MEON Medical Solutions GmbH & Co KG, Graz (Sanierung ohne Eigenverwaltung): Passiva von 20 Millionen Euro

Und wie geht es nun weiter? Eine seriöse Prognose für das Insolvenzjahr 2026 ist angesichts der aktuellen globalen Spannungen kaum möglich. „Aus heutiger Sicht erwarten wir als KSV1870 im Jahresverlauf für die Steiermark keinen Rückgang bei den Fallzahlen der Unternehmensinsolvenzen“, so Jonke. Für das Jahr 2026 rechnet der KSV1870 mit 750 bis 800 Firmenpleiten in der Steiermark.

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