Waldbrand in Sperrzone von Tschernobyl nach Drohnenabsturz
In der Sperrzone um das stillgelegte Atomkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine ist nach dem Absturz einer Drohne ein Waldbrand ausgebrochen. Die örtlichen Behörden erklärten, die radioaktiven Strahlungswerte lägen innerhalb der normalen Grenzen.
Das Feuer breitete sich nach Behördenangaben am Freitag auf rund 1.100 Hektar aus. Starker Wind erschwerte die Löscharbeiten. Die Drohne war am Donnerstag nahe dem 1986 havarierten Atomkraftwerk abgestürzt, an dessen Folgen das umliegende Gebiet bis heute verstrahlt ist.
Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz teilte mit, bei Waldbränden rund um Tschernobyl könnten abgelagerte radioaktive Stoffe wieder freigesetzt, mit dem Rauch aufgewirbelt und durch Luftströmungen verbreitet werden. Die dabei freigesetzte Menge sei jedoch nicht mit der Atomkatastrophe vor fast 40 Jahren vergleichbar. Bei großen Bränden könnten radioaktive Stoffe in der Luft auch außerhalb der Sperrzone nachweisbar sein.
Moskau meldete am Freitag, in den frühen Morgenstunden seien über Russland 264 ukrainische Drohnen abgeschossen worden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, russische Truppen hätten in der Nacht trotz einer von Moskau ausgerufenen Waffenruhe ukrainische Stellungen angegriffen. Russland habe bis in den Morgen mehr als 850 Drohnen eingesetzt, mehr als 140 Mal auf ukrainische Positionen geschossen und rund ein Dutzend Sturmversuche unternommen, schrieb er auf Telegram und kündigte eine spiegelbildliche Reaktion Kiews an.
In einem weiteren Beitrag bestätigte Selenskyj einen ukrainischen Drohnenangriff auf Jaroslawl in Russland. In der rund 700 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernten Stadt sei eine Ölanlage getroffen worden, die für die Kriegsfinanzierung Russlands wichtig sei. Er veröffentlichte dazu ein Video, das eine brennende Raffinerie zeigen soll.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte, Russland reagiere lediglich spiegelbildlich auf ukrainische Attacken und warf Kiew Angriffe an der Front sowie auf zivile Objekte in Russland vor. Mehrere russische Flughäfen wurden nach Angaben der Luftfahrtbehörde am Freitagmorgen wegen drohender ukrainischer Angriffe vorübergehend geschlossen. An der Front habe die Ukraine mehr als 1.300 Verstöße gegen die einseitig von Moskau ausgerufene Feuerpause begangen.
Russland hatte eine Waffenruhe vom 8. bis 10. Mai anlässlich der Gedenkfeiern zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Moskau angekündigt. Die ukrainische Regierung bezeichnet die Feuerpause als Maßnahme zum Schutz der Militärparade vor Drohnenangriffen. Kiew bot seinerseits eine unbefristete Feuerpause ab dem 6. Mai an, die Russland nach ukrainischer Darstellung bisher ignoriert. Selenskyj warnte ausländische Politiker vor einer Teilnahme an der Parade in Moskau und riet von Reisen dorthin ab.
Die diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Ukraine-Kriegs haben bislang keinen Durchbruch gebracht und sind durch den Krieg im Iran in den Hintergrund getreten. Russland fordert den Rückzug der Ukraine aus vier von Moskau beanspruchten Regionen, was Kiew als inakzeptabel zurückweist.
Einordnung
Der Waldbrand in der Sperrzone von Tschernobyl zeigt, dass der Krieg zunehmend Auswirkungen auf sensible Infrastruktur und langfristig belastete Gebiete hat. Die parallelen Vorwürfe zum Bruch der Waffenruhen und die Angriffe auf Energieanlagen in Russland verschärfen die militärische Konfrontation und erschweren Verhandlungen. Damit wachsen sowohl die Umweltrisiken als auch die politischen Hürden für eine diplomatische Lösung.


