AfD-Mitarbeiter unter Verdacht: Datenabfluss nach Russland?
Die parlamentarischen Mitarbeiter der AfD werden zunehmend als Sicherheitsrisiko für Deutschland und die gesamte Europäische Union gesehen. Im Zentrum der Kritik stehen nicht die gewählten Abgeordneten selbst, sondern ihre Assistenten und die Führung des Jugendflügels. Diese „Schattenfiguren“ haben Zugang zu vertraulichen Dokumenten des Bundestags und des Europaparlaments. Sie verfassen parlamentarische Anfragen, die laut Sicherheitsexperten nicht der Kontrolle der Regierung dienen, sondern dem systematischen Sammeln von Informationen – offenbar im Interesse Russlands. Diese Entwicklung ist auch für Österreich von Bedeutung: Als EU-Mitglied und Partner Deutschlands ist Österreich von der Stabilität und Geheimdienstdichte der Bundesrepublik abhängig. Ein möglicher Datenabfluss schwächt die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und könnte höhere Ausgaben für Abwehrmaßnahmen erzwingen.
Detailierte Anfragen als Spionageinstrument
Das Recht der Abgeordneten auf umfassende Regierungsauskunft wird bundesweit genutzt. In Thüringen allein gingen laut Recherchen innerhalb eines Jahres 47 Anfragen zur kritischen Infrastruktur ein. Die Themen: Transportwege der Bundeswehr, Drohnenabwehr, Wasser- und Energieversorgung und digitale Netze. Der thüringische Innenminister wertet diese Fragen als eine Art Aufgabenliste aus Moskau. Auf Bundesebene fordern AfD-Vertreter immer wieder genaue Zahlen zu Waffenlieferungen an die Ukraine. Gefragt wird nach Taurus-Systemen und Ausbildungsplänen. Für österreichische Sicherheitsbehörden sind solche Anfragen ein Alarmsignal: Sollten sensible Informationen zu europäischen Verteidigungsplanungen oder zu Sanktionsumgehungen tatsächlich an Moskau abfließen, wäre auch Österreichs Neutralität und Sicherheitsarchitektur betroffen.
Schlüsselfiguren im Fadenkreuz der Sicherheitsbehörden
Eine zentrale Person ist der in Russland geborene Sergei Erler. Er ist parlamentarischer Assistent des AfD-Europaabgeordneten Hans Neuhoff, der im Sicherheitsausschuss sitzt. So erhält Erler nach eigenen Angaben direkten Zugang zu vertraulichen EU-Verteidigungsdokumenten. Seine Biografie wirft Fragen auf: Er studierte am renommierten Moskauer Institut für Internationale Beziehungen und war für die OSZE in der Ostukraine tätig. Im November 2025 begleitete er eine AfD-Delegation zum BRICS-Gipfel in Sotschi. Weitere Akteure sind Benjamin Austin, ein US-Bürger, der einen prorussischen Telegram-Kanal betreibt und Verbindungen zum Ideologen Alexander Dugin pflegt, sowie Yuri Kofner, der für Russia Today gearbeitet hat. Diese Netzwerke sind ein mögliches Einfallstor für Spionage. Österreichische Nachrichtendienste sollten solche Entwicklungen genau beobachten, da sie die Zusammenarbeit in der EU-Koalition vor Herausforderungen stellen.
Warum Österreich betroffen ist
Die Aktivitäten der AfD-Mitarbeiter sind kein rein deutsches Problem. Österreich teilt mit Deutschland eine enge wirtschaftliche und sicherheitspolitische Verflechtung. Ein Informationsabfluss aus dem EU-Parlament oder dem Bundestag könnte russische Desinformationskampagnen verstärken und die Entscheidungsfindung in Brüssel und Wien erschweren. Für österreichische Steuerzahler könnten die Folgen konkret sein: Höhere Ausgaben für Cybersicherheit, verstärkte Grenzkontrollen oder zusätzliche Investitionen in die Energieunabhängigkeit. Die österreichische Bundesregierung hat deshalb ein gesteigertes Interesse daran, dass die Sicherheitsüberprüfungen für parlamentarische Assistenten in Deutschland und der EU verschärft werden.
Forderungen nach schärferen Kontrollen
Um die Lücken zu schließen, fordern deutsche Oppositionspolitiker strengere Sicherheitscheck für alle parlamentarischen Assistenten. Der Zugang zu Geheimdokumenten sollte auf Personen mit unbedenklicher Vita beschränkt werden. Auch ein Monitoring von parlamentarischen Anfragen, die als Spionageinstrument dienen könnten, wird diskutiert. Aus österreichischer Sicht ist eine Reform der Sicherheitsvorschriften auf EU-Ebene dringend erforderlich. Nur so kann verhindert werden, dass Moskau weiterhin politische Institutionen für die eigene Aufklärung nutzt. Der Fall zeigt: Die Bedrohung aus Russland kommt nicht nur in Form von Cyberangriffen oder Desinformation – sie wirkt auch durch die Hintertür der parlamentarischen Arbeit.


