Russland sieht Weizenexport im August auf 16-Jahres-Tief sinken

August 24, 2026 15:30
Russland sieht Weizenexport im August auf 16-Jahres-Tief sinken
Russland sieht Weizenexport im August auf 16-Jahres-Tief sinken

Russland dürfte im August 2026 so wenig Weizen exportieren wie seit 16 Jahren nicht mehr. Nach Berechnungen des Agrarmarktportals SovEcon könnten die russischen Getreideexporteure in diesem Monat rund 2,2 Millionen Tonnen ins Ausland bringen. Das wäre etwa halb so viel wie im August 2025, als 4,5 Millionen Tonnen ausgeführt wurden, und 56 Prozent weniger als der Durchschnitt für den August der vergangenen fünf Jahre.

Ein niedrigerer August-Wert wurde laut den vorliegenden Angaben zuletzt 2010 registriert. Damals hatte die russische Regierung nach einer Dürre ein Ausfuhrverbot für Getreide verhängt. Im August 2026 ist der Rückgang mit den Einschränkungen an den russischen Getreidehäfen am Schwarzen und Asowschen Meer verbunden.

Terminals am Schwarzen Meer außer Betrieb

SovEcon zufolge sind im August alle größten Getreidehäfen an beiden Meeren beeinträchtigt oder blockiert. In der vergangenen Woche wurden demnach nach Angriffen ukrainischer Drohnen drei Getreideterminals im Hafen von Noworossijsk stillgelegt. Über diese Anlagen wurden zusammen rund 25 Millionen Tonnen Getreide pro Jahr für den Export abgewickelt.

Ende Juli war nach Drohnenangriffen bereits ein Getreideterminal in Taman außer Betrieb genommen worden. Einige Wochen zuvor hatten die Behörden die Schifffahrt durch die Straße von Kertsch ausgesetzt. Für den Getreideexport blieb damit nach den Angaben lediglich der Hafen von Tuapse. Dessen Kapazität liegt bei rund 250.000 Tonnen im Monat.

Falls die Getreideterminals bis zum Monatsende nicht wieder in Betrieb gehen, könnte das Exportvolumen nach Einschätzung von SovEcon sogar unter 2,2 Millionen Tonnen sinken. Die Angaben beziehen sich auf die verfügbaren Hafen- und Logistikkapazitäten im August 2026.

Sinkende Preise und volle Lager

Die Einschränkungen treffen die russischen Agrarbetriebe während der Ernte. In den Lagern sammelt sich täglich weiteres Getreide, während die Nachfrage nach den Angaben des Agrarmarktportals zum Erliegen gekommen ist. Exporteure hätten ihre Getreidekäufe nahezu eingestellt.

Das Überangebot belastet auch den russischen Binnenmarkt. Die Preise für Getreide sind laut SovEcon seit Juni um 18 Prozent gefallen. Landwirte seien dadurch gezwungen, ihre Ernte unter den Produktionskosten zu verkaufen. Zugleich fehlen freie Lagerkapazitäten, während die Absatzmöglichkeiten eingeschränkt bleiben.

Für die Betriebe bedeutet das geringere Einnahmen und weniger verfügbares Betriebskapital. Der Präsident des russischen Getreideverbands, Arkadi Slotschewski, erwartet mögliche Folgen für die nächste Anbausaison. „Geld ist nirgends aufzutreiben, Kredite sind nicht verfügbar. Wenn die Landwirte keine ausreichende Finanzierung erhalten, wird die Aussaat des Wintergetreides ein Misserfolg“, sagte er nach den vorliegenden Angaben.

Logistikunternehmen im Süden betroffen

Neben den Agrarbetrieben geraten auch Frachtunternehmen im Süden Russlands unter Druck. Betroffen sind vor allem Unternehmen in der Region Krasnodar, im Gebiet Rostow und in der Region Stawropol. Mit der Unterbrechung der Getreideterminals fehlen ihnen Aufträge für den Transport zur Hafeninfrastruktur.

Bei einigen Unternehmen ist der Umsatz den Angaben zufolge um bis zu 90 Prozent zurückgegangen. Beschäftigte müssen deshalb in Urlaub geschickt werden. In den vorliegenden Berichten wird dabei auch von unbezahlten Freistellungen gesprochen. Die Auswirkungen konzentrieren sich auf jene Transportunternehmen, die vom Getreideverkehr zu den Häfen am Schwarzen und am Asowschen Meer abhängig sind.

Die Hafenunterbrechungen wirken damit gleichzeitig auf den Export, die Lagerung, den Binnenhandel und den Straßentransport. Eine alternative Ausfuhr über Tuapse kann den Ausfall der größeren Terminals nach den genannten Kapazitätsangaben nur begrenzt ersetzen.

Finanzierung der nächsten Aussaat

Die Entwicklung fällt in eine Phase, in der die landwirtschaftlichen Betriebe Mittel für die kommende Saison benötigen. Der Preisrückgang, der stockende Absatz und die eingeschränkten Exportmöglichkeiten verringern die Einnahmen aus der laufenden Ernte. Nach Einschätzung Slotschewskis ist deshalb insbesondere die Finanzierung der Winteraussaat gefährdet.

Die vorliegenden Angaben nennen keine Entscheidung über eine Wiederaufnahme des Hafenbetriebs. Fest steht nach den Berechnungen von SovEcon, dass der russische Weizenexport im August 2026 deutlich unter dem Vorjahreswert und dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre liegen dürfte. Die weitere Entwicklung hängt von der Funktionsfähigkeit der Getreideterminals bis zum Monatsende ab.

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