Ungarn: Zentrum der europäischen Autofertigung
Ungarn hat sich in den letzten Jahren zu einem der zentralen Standorte der europäischen Autofertigung entwickelt. Mit 541.000 produzierten Fahrzeugen und einem Umsatz von 17 Milliarden Euro ist das Land ein wichtiger Markt für die österreichische Autozulieferindustrie geworden.
Während im Westen der EU Autowerke mit Herausforderungen konfrontiert sind, wächst der Automotive-Sektor in Ungarn kontinuierlich. Mercedes und BMW expandieren ihre Anlagen in Debrecen und Kecskemét. BMW investierte zwei Milliarden Euro in die Fertigung des iX3, des zentralen Elektro-Modells des Unternehmens, in einem Werk in der Nähe der ukrainischen Grenze. Im Mercedes-Benz-Werk in Kecskemét werden die neuen Serien der A-Klasse sowie das elektrische Modell EQB produziert. In Györ fertigt Volkswagen Motoren und produziert dort jährlich rund 1,6 Millionen Antriebe. Das benachbarte Audi-Werk stellt zusätzlich etwa 180.000 Fahrzeuge pro Jahr her.
Die Bedeutung Ungarns als Standort für die Elektromobilität wächst ebenfalls. Philipp Schramel, Wirtschaftsdelegierter in Budapest, betont, dass die Mehrheit der ungarischen Autowerke bereits auf Elektrofahrzeuge ausgerichtet ist. Darüber hinaus investiert der chinesische Automobilhersteller BYD in ein Werk in Szeged und hat am Standort Komárom Elektrobusse hergestellt. Die Batterieherstellung ist für die chinesischen Firmen von strategischer Bedeutung, Anbieter wie CATL und EVE haben bereits Produktionsstätten in Ungarn.
Der Aufschwung der ungarischen Automobilindustrie ist das Resultat erheblicher staatlicher Förderungen und günstiger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen. Unter der Regierung von Viktor Orbán wurden jährlich bis zu zehn Milliarden Euro an Subventionen an internationale Automobilkonzerne ausgeschüttet. Der Körperschaftsteuersatz liegt mit neun Prozent im EU-Vergleich niedrig, während die Lohnkosten mit durchschnittlich elf Euro pro Stunde attraktiv sind. Inzwischen stammen 30 Prozent der Wertschöpfung Ungarns aus der Automobilindustrie, was die Volkswirtschaft anfällig macht, sollte dieser Sektor schwächeln.
Einordnung
Die Entwicklung Ungarns zum führenden Automobilproduzenten in Europa verändert die Marktbedingungen für die gesamte Region. Die fortlaufenden Investitionen und die starke Fertigungskapazität steigern die Abhängigkeit von dieser Branche in Ungarn, was für die österreichische Zulieferindustrie direkte Auswirkungen haben kann.


