Bei den Wahlen in Bosnien-Herzegowina haben laut der Wahlkommission vom Montag mehrere nationalistische Kandidaten geführt. Grundlage waren Auszählungen von 96,31 Prozent der Wahllokale.
Gewählt wurden das Staatsparlament, das dreiköpfige Staatspräsidium, die Parlamente beider Entitäten, regionale Vertretungen in den zehn Kantonen der Föderation sowie das Amt des Präsidenten der bosnisch-serbischen Entität Republika Srpska. In der Wahl zum dreiköpfigen Staatspräsidium lagen laut Kommission ein linksgerichteter moderater Bosniake, ein pro-russischer serbischer Nationalist und ein kroatischer Nationalist vorne.
Die Wahlbeteiligung lag in den beiden Entitäten insgesamt bei 42 Prozent und damit niedrig. Zugleich blieb das Ergebnis vorläufig; vollständig ausgezählt war am Montag noch nicht.
In Banja Luka erklärte Milorad Dodik, sein Parteikandidat Savo Minić habe bei der Wahl zum Präsidenten der Republika Srpska die meisten Stimmen erhalten. Dodik sagte außerdem, seine Partei habe sowohl das Amt im bosnischen Staatspräsidium als auch den Vorsitz der Republika Srpska gewonnen, und sprach von einem „unerwartet guten Ergebnis“.
Nach Angaben der Wahlkommission erreichte Denis Bećirović von der Sozialdemokratischen Partei (SDP-BiH) in der bosniakisch-kroatischen Föderation 26,78 Prozent der Stimmen und lag damit vor dem Kandidaten der bosniakisch-nationalistischen Partei der Demokratischen Aktion (SDA). Darijana Filipović von der nationalistischen und pro-europäischen Kroatischen Demokratischen Union (HDZ-BiH) führte im Rennen um den kroatischen Sitz im Staatspräsidium mit 13,89 Prozent, während Željka Cvijanović von der SNSD in der Republika Srpska auf 55,41 Prozent kam.
Dodik hatte im Wahlkampf auf mehr Autonomie für die bosnisch-serbische Entität gesetzt und secessionistische Rhetorik verwendet. Der frühere Präsident der Republika Srpska war 2025 nach einem Gerichtsurteil aus dem Amt entfernt worden, weil er die Autorität des internationalen Hohen Repräsentanten missachtet hatte.
Die Abstimmung fand in einem politisch weiterhin stark von ethnisch geprägten Parteien dominierten System statt. Bosnien-Herzegowina mit rund drei Millionen Einwohnern erhielt im Dezember 2022 den EU-Kandidatenstatus und 2024 die Zustimmung zur Eröffnung von Beitrittsverhandlungen, formell begonnen hatten diese aber noch nicht.
Nach 19.00 Uhr wurde in einzelnen Wahllokalen weiter abgestimmt, weil sich die Auszählung und Abwicklung durch ein neues elektronisches Wahlsystem verzögert hatten.

