Anteil der Russen mit Ersparnissen fällt auf Tiefststand seit 2022

August 30, 2025 09:00
Anteil der Russen mit Ersparnissen fällt auf Tiefststand seit 2022
Anteil der Russen mit Ersparnissen fällt auf Tiefststand seit 2022

Historischer Rückgang der Ersparnisse

Am 28. August 2025 berichtete die russische Ausgabe der Moscow Times, dass laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts FOM im Auftrag der Zentralbank der Anteil der Russen mit Ersparnissen auf den niedrigsten Stand seit Januar 2022 gesunken ist. Die Ergebnisse markieren einen der schwächsten Werte in der mehrjährigen Erhebungsgeschichte. Dies geschieht trotz offizieller Daten, die ein Einkommens- und Lohnwachstum zeigen.

Diskrepanz zwischen Einkommen und Rücklagen

Nach Angaben von Rosstat stiegen die real verfügbaren Einkommen im ersten Halbjahr 2025 um 7,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Durchschnittslöhne überschritten im Juni erstmals die Marke von 100.000 Rubel und wuchsen im Jahresvergleich nominal um 15 Prozent, real um 5,1 Prozent. Auch die Bankeinlagen der Bevölkerung legten zu: Zum 1. August beliefen sie sich auf 61,1 Billionen Rubel, ein Anstieg von 0,8 Billionen Rubel im Juli. Dennoch verfügen fast 40 Prozent der Befragten über keinerlei Rücklagen.

Veränderungen im Spar- und Konsumverhalten

Immer mehr Russen ziehen Bargeld als Form der Geldaufbewahrung vor. Im August gaben 32 Prozent der Befragten an, ihre Ersparnisse lieber bar zu halten – ein Anstieg von zwei Prozentpunkten gegenüber Juli. Dagegen bevorzugten 43 Prozent weiterhin ein Bankkonto, leicht weniger als im Vormonat. Gleichzeitig verringerte sich der Anteil derjenigen, die ihr Geld ausgaben, auf 30,5 Prozent. Parallel dazu gaben 52,2 Prozent der Befragten an, Geld zurückzulegen, anstatt größere Anschaffungen zu tätigen.

Wirtschaftlicher Druck auf Haushalte

Die zunehmende „Sparneigung“ ist weniger Ausdruck von Wohlstand, sondern Folge verschärfter Belastungen. Viele Haushalte setzen Rücklagen zur Deckung von Grundbedürfnissen wie Nahrungsmitteln ein. Seit Jahresbeginn 2025 sind die Preise für Grundnahrungsmittel deutlich gestiegen: Kartoffeln kosteten doppelt so viel wie im Vorjahr, Zwiebeln rund 40 Prozent mehr, Gurken und Tomaten etwa zehn Prozent. Zudem nehmen viele Russen Kredite nicht für Investitionen, sondern um bis zur nächsten Gehaltszahlung überleben zu können. Ein erheblicher Teil gerät dabei schon nach der ersten Rückzahlung in Zahlungsschwierigkeiten und verfällt in eine Schuldenspirale.

Belastung durch steigende Lebenshaltungskosten

Ein weiterer Faktor sind die gestiegenen Wohnnebenkosten. Seit Juli 2025 verteuerten sich die Tarife für Strom, Wasser und Heizung im Durchschnitt um 11,9 Prozent, in manchen Regionen sogar um fast 25 Prozent. Für Millionen Familien bedeutet dies eine zusätzliche Belastung, die sie zwingt, bei Lebensmitteln, Medikamenten und Kleidung zu sparen. Die Kombination aus steigenden Preisen, sinkender Kaufkraft und wachsender Verschuldung verstärkt den Druck auf die Haushalte und lässt die sozialen Spannungen anwachsen.

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