Europäische Energiekonzerne haben in den ersten acht Monaten 2026 russisches Flüssigerdgas (LNG) im Wert von rund 7,28 Milliarden Euro gekauft. Das Gas stammt überwiegend aus dem arktischen Projekt Jamal LNG. Damit nähert sich der Import bereits dem Wert von mehr als 7,3 Milliarden Euro, der für das gesamte Jahr 2025 ausgewiesen wurde. Die Entwicklung steht im Widerspruch zum politischen Kurs der Europäischen Union, die ihre wirtschaftlichen Verbindungen zu Russland zurückfahren und die Finanzierung von Russlands Krieg gegen die Ukraine begrenzen will.
Die Zahlen wurden am 14. September 2026 in einem Bericht über die europäischen LNG-Importe aus dem arktischen Russland veröffentlicht. Demnach entfielen rund 90 Prozent der Lieferungen auf Häfen in Frankreich, Belgien und Spanien. Europa bleibt damit der zentrale Absatzmarkt für das Projekt Jamal LNG.
Langfristige Verträge begrenzen Wirkung des Verbots
Seit dem 25. April 2026 untersagt die EU die Einfuhr russischen LNGs über kurzfristige und Spotverträge. Die bestehenden langfristigen Vereinbarungen wurden von diesem Schritt jedoch nicht unmittelbar erfasst. Europäische Importeure nutzten diese Verträge weiter und erhöhten nach den vorliegenden Angaben ihre Abnahmen.
Zu den genannten Käufern gehören die französische TotalEnergies, der spanische Konzern Naturgy sowie Vertragspartner in Belgien. Die Unternehmen versuchten demnach, bestehende Lieferrechte vor dem Inkrafttreten einer vollständigen EU-Sperre im Jahr 2027 auszuschöpfen. Die langfristigen Vereinbarungen sollen bis Jänner 2027 weiterlaufen. Eine genaue Aufschlüsselung der einzelnen Unternehmenszahlungen liegt in dem vorliegenden Material nicht vor.
Die zeitliche Abfolge ist für die Entwicklung der Importzahlen entscheidend. Während kurzfristige und am Spotmarkt abgeschlossene Geschäfte seit April 2026 verboten sind, konnten Lieferungen aus älteren Verträgen fortgesetzt werden. Nach den Angaben im Bericht führte dies nicht zu einem unmittelbaren Ende des Handels mit russischem LNG. Vielmehr wurden bestehende Kontingente vor dem vollständigen Verbot stärker genutzt.
Europa bleibt wichtigster Markt für Jamal LNG
Der Anteil europäischer Häfen an den Exporten des Projekts Jamal LNG stieg im Jahresvergleich von 78,2 auf 88,9 Prozent. Damit nimmt Europa den weitaus größten Teil der Produktion auf. In den vorliegenden Angaben wird Europa als praktisch einziger bedeutender Absatzmarkt des arktischen Projekts bezeichnet.
Die Lieferungen werden nicht ausschließlich von russischen Unternehmen abgewickelt. Nach den Angaben transportieren die schottische Seapeak und die griechische Dynagas zusammen 72 Prozent des Gases aus dem Projekt. Europäische Unternehmen sind damit nicht nur als Abnehmer beteiligt, sondern auch an der Logistik eines wesentlichen Teils der Exporte.
Für Jamal LNG hat diese Infrastruktur eine besondere Bedeutung. Russland verfügt nach den vorliegenden Informationen nicht über eine ausreichende eigene Flotte für den Transport des gesamten arktischen LNG-Aufkommens. Die Beteiligung europäischer Reedereien ermöglicht daher die kontinuierliche Ausfuhr des Gases und stabilisiert die Lieferkette zwischen der russischen Arktis und den europäischen Importhäfen.
Deviseneinnahmen für den russischen Staat
Die Zahlungen der europäischen Abnehmer bringen dem russischen Staat und den beteiligten Unternehmen frei konvertierbare Währungen. Nach den im Material genannten Schätzungen belaufen sich die täglichen Einnahmen aus den europäischen Käufen auf 30 bis 32 Millionen Euro. Die Summe liegt damit in einer Größenordnung, die von den angeführten Experten mit den täglichen Produktionskosten für Hunderte Angriffsdrohnen oder ballistische Raketen verglichen wird.
Eine direkte Zuordnung einzelner LNG-Zahlungen zu bestimmten Waffenlieferungen oder Produktionsaufträgen wird in den vorliegenden Angaben nicht ausgewiesen. Das Material stellt jedoch fest, dass ein erheblicher Teil der Steuereinnahmen aus dem Projekt in den russischen Bundeshaushalt gelangt. Der Anteil der direkten Militärausgaben an diesem Haushalt habe 2026 den höchsten bisher genannten Wert erreicht und liege bei mehr als 60 Prozent.
Die LNG-Einnahmen verschaffen Russland nach dieser Darstellung zusätzliche Devisen. Sie mildern die Folgen des Rückgangs bei den Pipeline-Lieferungen und der Einnahmen aus dem Ölgeschäft. Außerdem werden sie mit der Finanzierung von Beschaffungen in Drittstaaten in Verbindung gebracht, darunter der Erwerb von Hochtechnologie, Mikrochips und Komponenten mit doppeltem Verwendungszweck.
Spannung zwischen Unterstützung für die Ukraine und Energieimporten
Die europäischen LNG-Käufe stehen neben der umfangreichen makrofinanziellen und militärischen Unterstützung der Ukraine. Gleichzeitig fließen aufgrund langfristiger Verträge weiterhin Zahlungen an russische Unternehmen und in den russischen Staatshaushalt. Diese beiden politischen und wirtschaftlichen Vorgänge laufen nach den vorliegenden Angaben parallel.
Die EU verfolgt seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine das Ziel, ihre Abhängigkeit von russischen Energieträgern zu verringern. Beim Pipelinegas wurde der Handel deutlich eingeschränkt. Beim LNG blieb ein Teil der Lieferungen wegen bestehender Vertragsbindungen und der Nutzung europäischer Importterminals zunächst möglich.
Frankreich, Belgien und Spanien nehmen dabei eine zentrale Stellung ein. Über ihre Häfen wird nach den genannten Zahlen der überwiegende Teil des russischen arktischen LNG nach Europa gebracht. Die Importeure sichern damit ihre vertraglichen Liefermengen, während das vollständige EU-Verbot für russisches LNG erst für einen späteren Zeitpunkt vorgesehen ist.
Die bislang gemeldeten Beträge zeigen, dass die europäischen Energieunternehmen auch 2026 in erheblichem Umfang russisches LNG beziehen. Die Lieferungen aus Jamal LNG und die damit verbundenen Zahlungen sollen nach den bestehenden Vereinbarungen bis Jänner 2027 fortgesetzt werden.


