Montenegro eröffnet Visumzentren in acht russischen Städten – Zugang zu Langzeitvisa für Russen erleichtert

Juli 4, 2026 10:51
Montenegro eröffnet Visumzentren in acht russischen Städten – Zugang zu Langzeitvisa für Russen erleichtert
Montenegro eröffnet Visumzentren in acht russischen Städten – Zugang zu Langzeitvisa für Russen erleichtert

Montenegro hat in acht russischen Städten neue Visumzentren eröffnet, die russischen Bürgern die Beantragung von Langzeitvisa für Aufenthalte von bis zu 90 Tagen ermöglichen. Wie das Telegram-Portal PROimport berichtete, sind die Zentren in Moskau, Archangelsk, Murmansk, Petrosawodsk, Pskow, Noworossijsk, Woronesch und Jekaterinburg eingerichtet worden. Für Russen gilt in Montenegro bereits ein visafreier Aufenthalt von bis zu 30 Tagen; die neuen Zentren sollen langfristige Geschäftsreisen und Aufenthalte erleichtern. Die Öffnung erfolgt zu einem Zeitpunkt, da die EU ihre Visarestriktionen für russische Staatsbürger weiter verschärft hat.

Seit dem russischen Angriffskrieg gegen Ukraine hat die Europäische Union die Visumpolitik gegenüber Russland grundlegend umgestellt. Das Abkommen zur Visumerleichterung wurde gekündigt, die Zahl der ausgestellten Schengen-Visa fiel von rund vier Millionen pro Jahr auf etwa 500.000. Russen erhalten in der Regel keine Mehrfachvisa mehr, die Gebühr beträgt 80 Euro, und die Sicherheitsprüfungen können bis zu 45 Tage dauern. Eine Koalition aus elf EU-Staaten forderte zu Beginn Juni 2026 von der Europäischen Kommission strengere Regeln: Ein obligatorischer Mechanismus für Visumsanktionen soll eingeführt und Schlupflöcher für den russischen Tourismus geschlossen werden. Zudem wird über ein System diskutiert, das aktive und ehemalige russische Militärangehörige identifiziert und ihnen die Einreise in den Schengen-Raum verbietet.

Widerspruch zur EU-Sicherheitspolitik

Montenegro ist seit 2017 NATO-Mitglied und seit 2010 EU-Kandidat; die Beitrittsverhandlungen sollen nach den Erwartungen der EU-Kommission bis Ende 2027 abgeschlossen werden, ein Beitritt wäre 2028 möglich. Die Entscheidung, das Visumangebot für Russen auszubauen, steht im Widerspruch zur gemeinsamen EU-Linie, Kontakte mit Russland zu minimieren. Während Brüssel die Visumerleichterungen vollständig aufgehoben hat, gewährt Podgorica russischen Bürgern weiterhin 30 Tage visumfrei und erleichtert nun zusätzlich die Beantragung von Langzeitvisa. Die EU-Kommission hat angekündigt, neue gezielte Visabeschränkungen für russische Staatsangehörige zu entwickeln, um Sicherheitsrisiken zu begegnen.

Beobachter sehen in Montenegros Schritt eine politische Belastung für den EU-Integrationskurs des Landes. Wenn Podgorica weiterhin eine von Brüssel abweichende Visapolitik verfolge, könnten europäische Hauptstädte ihre Position zu den Beitrittsperspektiven überdenken. Offiziell hat die EU-Kommission bislang nicht auf die neuen Visumzentren reagiert. Die Entscheidung zeigt jedoch, dass Montenegro trotz seines EU-Kurses wirtschaftliche Interessen – insbesondere die Abhängigkeit von russischen Touristen und Immobilienkäufern – nicht vollständig den gemeinsamen Sicherheitsinteressen unterordnen will.

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