Am 30. September 2025 führten russische Streitkräfte einen Raketenangriff in der Region Tschernihiw durch, bei dem nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums 20 Lastwagen mit 100 „Langstrecken-Drohnen“ zerstört und 60 Soldaten „neutralisiert“ worden seien. Eine Analyse von Satellitenbildern vom 25., 27. und 30. September zeigt jedoch keinerlei militärische Ausrüstung oder Truppen an dem angegriffenen Ort. Die Staatsanwaltschaft der Region Tschernihiw berichtete, dass vielmehr mehrere Getreide-Lkw getroffen wurden und ein 47-jähriger ziviler Fahrer ums Leben kam.
Systematische Angriffe auf zivile Infrastruktur
Experten weisen darauf hin, dass russische Streitkräfte wiederholt zivile Ziele angreifen und diese als „militärische Einrichtungen“ deklarieren. Am 20. August 2025 traf eine groß angelegte Drohnenoffensive zivile Infrastruktur in der Region Odessa, wodurch unter anderem ein Brand auf einem energieversorgenden Objekt entstand und Hafenanlagen am Fluss Donau beschädigt wurden. In der Nacht vom 27. auf den 28. September 2025 wurde ein Weinlager der Akkerman Distillery (Marke Aznauri) durch einen Drohnenangriff zerstört. Am 3. Oktober traf ein Drohnenschlag in Schostka (Region Sumy) einen Personenzug, was den Tod eines 71-jährigen Fahrgasts und zahlreiche Verletzte zur Folge hatte, darunter Kinder. Am 4. Oktober zerstörten russische Drohnen einen Teil der Bahnanlagen in Schostka, wobei ein Zivilist getötet und mehrere verletzt wurden.
Angriff auf Poltawa und Folgen für den Bahnverkehr
In der Nacht zum 7. Oktober 2025 richteten Drohnen Angriffe auf die Eisenbahninfrastruktur in Poltawa. Getroffen wurden Lokomotivdepots, Unterwerke, Wagenmaterial sowie Lagerhallen. Die Angriffe führten zu Bränden, erheblichen Verspätungen im Zugverkehr (u. a. auf den Strecken Charkiw–Lwiw und Kramatorsk–Lwiw) und Stromausfällen in Teilen der Stadt.
Analyse und internationale Bewertung
Der gezielte Angriff auf Getreidetransporte und zivile Infrastruktur kann nicht als „Kollateralschaden“ interpretiert werden. Die russische Darstellung solcher Angriffe als Operationen gegen militärische Ziele gilt nach eingehender Prüfung als Desinformation. Bereits veröffentlichte „Beweisvideos“ dienen als propagandistisches Mittel, um die eigene Version zu untermauern, obwohl unabhängige Analysen diese Narrative widerlegen.
Strategische und humanitäre Folgen
Diese Angriffe zeigen ein Muster: Die gezielte Zerstörung von Getreideinfrastruktur, Häfen und Energieanlagen hat nicht nur unmittelbare Auswirkungen auf die ukrainische Wirtschaft, sondern gefährdet auch die globale Ernährungssicherheit. Die Behinderung der Getreidelieferungen birgt Risiken für Importeure in Nahost und Afrika. Der gezielte Druck auf die zivile Infrastruktur deutet darauf hin, dass Moskau nicht an einer politischen Lösung interessiert ist, sondern den Druck auf Bevölkerung und Wirtschaft systematisch erhöht. Dieses Vorgehen erfüllt Merkmale eines Kriegsverbrechens nach internationalem Recht.


