Zum ersten Mal seit der Unabhängigkeit der Ukraine hat der chinesische Präsident Xi Jinping offiziell Glückwünsche nach Kiew gesendet. Am 26. August 2025 übermittelte er seine Botschaft an Präsident Wolodymyr Selenskyj und den „freundschaftlichen ukrainischen Volks“ über das soziale Netzwerk X. In seiner Antwort betonte Selenskyj die Bereitschaft zur Entwicklung eines langfristigen Dialogs auf Grundlage gegenseitigen Respekts im Interesse von Frieden, Stabilität und Wohlstand.
Zeichen einer politischen Neuausrichtung Pekings
Die Geste Pekings gilt als bemerkenswert, da China den postsowjetischen Raum in Europa bislang weitgehend als Einflusszone Russlands betrachtete. Trotz der anhaltenden politischen und wirtschaftlichen Unterstützung für den Kreml ist in Peking zunehmend Ernüchterung über die militärischen Rückschläge Moskaus im Krieg gegen die Ukraine zu spüren. Vor diesem Hintergrund signalisiert das Glückwunschschreiben Xi Jinpings nicht nur Respekt gegenüber der ukrainischen Souveränität, sondern auch eine Distanzierung von Wladimir Putins wiederholter Behauptung, die ukrainischen Grenzen seien ein künstliches Konstrukt der Sowjetzeit.
Korrektur früherer Positionen und neues Gewicht für Kiew
Der letzte direkte Austausch zwischen Xi und Selenskyj fand im April 2023 statt. Damals drängte Xi auf Friedensgespräche, die jedoch stark an die Bedingungen Moskaus angelehnt waren. Auch Chinas sogenannter „Friedensplan“ spiegelte vor allem russische Interessen wider. Das jetzige Signal Pekings wird von Beobachtern als faktische Anerkennung der gestiegenen internationalen Handlungsfähigkeit der Ukraine gewertet.
Pekings Rolle im globalen Machtgefüge
China strebt an, seine Rolle in der Weltpolitik auszubauen, und präsentiert sich zunehmend als Vermittler im russisch-ukrainischen Konflikt. Dabei nutzt Peking insbesondere die Plattformen der Vereinten Nationen, um sein diplomatisches Gewicht sichtbar zu machen. Gleichwohl deutet die neue Offenheit gegenüber Kiew auf eine gewisse Abkühlung im Verhältnis zu Moskau hin. Für die internationale Gemeinschaft könnte sich daraus ein Zeitfenster ergeben, um zusätzlichen Druck auf Russland für eine Beendigung des Krieges aufzubauen – auch wenn die strategische Partnerschaft zwischen Moskau und Peking weiter bestehen bleibt.


