AfD nominiert Kristin Brinker für Berlins Regierungsamt

September 11, 2026 10:05
AfD nominiert Kristin Brinker für Berlins Regierungsamt
AfD nominiert Kristin Brinker für Berlins Regierungsamt

Die Berliner AfD tritt bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September 2026 mit Kristin Brinker als Spitzenkandidatin an. Die Landes- und Fraktionschefin führt die Landesliste auf Platz eins an und wurde zugleich als Kandidatin für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin nominiert. Damit stellt die Berliner AfD erstmals eine eigene Bewerberin für die Leitung des Senats und der Roten Rathaus auf.

Brinker bemüht sich im Wahlkampf um das Bild einer pragmatischen und gemäßigten Landespolitikerin. Sie bezeichnet sich selbst als Vertreterin einer „bürgerlich-liberalen“ Richtung und spricht über eine sachorientierte, transparente und ideologiefreie Politik. Im Mittelpunkt ihrer öffentlichen Auftritte stehen Wohnungsfragen, der Berliner Haushalt, Infrastruktur und innere Sicherheit.

Ihre personellen Entscheidungen und Kontakte innerhalb der Partei zeichnen jedoch ein komplexeres Bild. Der Tagesspiegel beschrieb Brinker im Juli 2026 bei einer Analyse der AfD-Kandidatenliste als eine Art Verbindung zwischen unterschiedlichen Parteiflügeln. Nach Darstellung der Zeitung konnte sie 2021 mit Unterstützung früherer Vertreter des rechtsextremen Flügels um Björn Höcke den Vorsitz des Berliner Landesverbands übernehmen. Nach ihrem Wahlerfolg erhielten mehrere dieser Politiker mit ihrer Unterstützung einflussreiche Funktionen im Abgeordnetenhaus.

Einfluss früherer Flügel-Vertreter

Brinker hat sich von den Anhängern Höckes nicht grundsätzlich distanziert. Nach ihrer Wahl an die Spitze der Berliner AfD sagte sie: „Warum sollte ich sie nicht mit an Bord nehmen?“ In der Führung des Landesverbands und der Fraktion erhielten danach Torsten Weiß, Jeannette Auricht, Rolf Wiedenhaupt, Sebastian Maack, Falk Rodig und Gunnar Lindemann wichtige Positionen.

Nach Recherchen des Tagesspiegel hatten alle sechs Politiker zuvor die innerparteiliche Gruppierung Flügel unterstützt oder sich aktiv in diesem Umfeld engagiert. Der Flügel galt innerhalb der AfD als Sammelpunkt für Vertreter eines besonders nationalistischen und rechtsradikalen Kurses. Die personelle Zusammensetzung der Berliner AfD-Führung steht damit neben Brinkers öffentlichem Anspruch, die Partei auf Landesebene pragmatisch und regierungsfähig zu präsentieren.

Im Juli 2023 nahm Brinker außerdem an einem nicht öffentlichen Treffen in der Wohnung von Peter Kurth teil. Kurth war früher Finanzsenator von Berlin für die CDU und wurde nach dem Ende seiner politischen Laufbahn zu einem Netzwerker zwischen AfD-Vertretern und dem Umfeld der deutschen Neuen Rechten.

Treffen mit Vertretern der Neuen Rechten

Zu den Gästen gehörten der AfD-Politiker Maximilian Krah, der Verleger und Ideologe der Neuen Rechten Götz Kubitschek sowie der österreichische Rechtsextremist Martin Sellner, einer der führenden Vertreter der Identitären Bewegung. Krah stellte bei dem Treffen sein Buch „Politik von rechts“ vor. Darin wird ein radikaler ideologischer Kurs der Partei begründet, der sich gegen liberaldemokratische Werte richtet und ethnonationalistische Vorstellungen in die parlamentarische Politik übertragen will.

Sellner präsentierte das Buch „Regime Change von rechts“. Im Mittelpunkt steht darin der Begriff der „Remigration“. Gemeint ist die massenhafte Rückkehr oder Abschiebung eines Teils der Menschen ausländischer Herkunft aus Deutschland, darunter auch bestimmte Gruppen eingebürgerter Staatsbürger.

Das Treffen sollte nach den vorliegenden Darstellungen Kontakte zwischen dem parlamentarischen Flügel der AfD und außerparlamentarischen Strukturen wie der Identitären Bewegung sowie dem Verlag Antaios von Kubitschek fördern. Die Teilnehmer sprachen über eine ideologische Annäherung, die Unterstützung rechtsradikaler Initiativen und die Übertragung entsprechender Positionen in einen breiteren politischen Raum. Berichte deutscher Medien über die Veranstaltung lösten eine öffentliche Debatte aus.

Brinker reagierte auf die Berichte mit einer Erklärung, sie sei eher zufällig bei dem Treffen gewesen. Sie sprach von „Schock und Verwunderung über die Zusammensetzung der Gäste“ und erklärte, deshalb vorzeitig gegangen zu sein. Über Sellners politische Positionen sagte sie, dass sie diese nicht teile.

Diese Darstellung wurde später von anderen Teilnehmern des Treffens in Zweifel gezogen. Krah erklärte, er habe noch „sehr spät am Abend“ mit Brinker gesprochen. Nach seiner Schilderung habe sie den Abend genossen; ihr Verhalten habe nicht auf eine besondere Irritation hingedeutet. In internen AfD-Chats wurde zudem ein Kubitschek zugeschriebener Brief verbreitet, in dem es hieß, Brinker sei bis zum Ende anwesend gewesen und habe die Veranstaltung positiv bewertet.

Frühere Kontakte und parlamentarische Isolation

Auch bei einem früheren Kontakt hatte Brinker erklärt, von den Hintergründen nichts gewusst zu haben. Journalisten des Tagesspiegel berichteten, dass sie 2020 dem Magazin „Deutsche Geschichte“ ein Interview gegeben hatte. Das Blatt ist für geschichtsrevisionistische Beiträge bekannt. Sein Herausgeber Gert Sudholt war wegen Volksverhetzung und der Verbreitung von Literatur verurteilt worden, in der der Holocaust geleugnet wurde.

Nachdem das Interview öffentlich bekannt geworden war und eine kontroverse Reaktion ausgelöst hatte, erklärte Brinker, sie habe weder die Reputation des Magazins noch den Herausgeber gekannt. Sie sei „getäuscht“ worden.

Am 18. Januar 2024 kam es im Berliner Abgeordnetenhaus zu einem demonstrativen Boykott gegen Brinker. Anlass waren Debatten über die rechtsextreme Bedrohung durch die AfD. Als die Politikerin ans Rednerpult trat, verließen Abgeordnete von SPD, CDU, Grünen und Linken den Saal. Im Plenum blieb nur die AfD-Fraktion zurück.

Der Tagesspiegel wies darauf hin, dass der Boykott spontan und nicht langfristig geplant gewesen sei. Der Vorsitzende der Berliner CDU-Fraktion, Dirk Stettner, begründete die Isolation Brinkers damit, dass er nicht hören wolle, wie sie offensichtliche Tatsachen bestreite.

Brinker hatte die Führung des Berliner AfD-Landesverbands mit dem erklärten Ziel übernommen, die politische Isolation der Partei zu überwinden. Trotz der Kontroversen um ihre Kontakte, ihre früheren Aussagen und die personelle Zusammensetzung ihres Umfelds führt sie die Partei nun in den Wahlkampf. Die Berliner AfD verbindet mit ihrer Spitzenkandidatur erstmals auch einen eigenen Anspruch auf das Amt der Regierenden Bürgermeisterin.

Die Debatte über Brinker betrifft damit nicht nur ihre öffentliche Selbstdarstellung, sondern auch die politischen Netzwerke, in denen sie sich bewegt. Zu den von der AfD vertretenen Positionen, die in diesem Zusammenhang genannt werden, gehört auch das Konzept der „Remigration“ sowie weitere Forderungen, die Minderheiten und Menschen mit ausländischen Wurzeln betreffen könnten. Die Entscheidung über die politische Zusammensetzung des Berliner Abgeordnetenhauses fällt am 20. September 2026.

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