Das belarusische Regime verschärft nach Angaben von Amnesty International die Verfolgung von Studierenden, Absolventen und Mitarbeitern der im Exil in Vilnius tätigen Europäischen Humanistischen Universität (EHU). Auch Angehörige in Belarus geraten unter Druck. Dokumentiert wurden Durchsuchungen, Verhöre, Festnahmen und Drohungen. Betroffene sollen die Universität verlassen und nach Belarus zurückkehren.
Über die Stellungnahme von Amnesty International wurde am 1. September 2026 berichtet. Die Menschenrechtsorganisation warnt davor, dass die belarusischen Behörden aus der Kampagne gegen die EHU ein öffentlich inszeniertes „ant extremistisches“ Verfahren entwickeln könnten. Die Verfolgung richtet sich damit nicht nur gegen Menschen, die in Belarus leben oder mit der Universität verbunden sind. Nach Darstellung von Amnesty werden inzwischen auch Familienangehörige von Studierenden einbezogen.
Druck auf Studierende und Angehörige
Im Mittelpunkt der Vorwürfe stehen Maßnahmen der belarusischen Sicherheitsbehörden gegen Personen, die an der EHU studieren, dort studiert haben oder für die Universität arbeiten. Die Hochschule arbeitet im Exil in Vilnius. Für Studierende aus Belarus bietet sie damit die Möglichkeit, ihre Ausbildung außerhalb des direkten Zugriffs der belarusischen Behörden fortzusetzen.
Nach den von Amnesty beschriebenen Fällen wurden Wohnungen und andere Räumlichkeiten durchsucht. Menschen wurden zu Verhören vorgeladen oder festgenommen. Hinzu kamen Drohungen, mit denen Studierende zum Abbruch ihres Studiums und zur Rückkehr nach Belarus bewegt werden sollten. Die Maßnahmen betrafen laut den Angaben nicht ausschließlich die Studierenden selbst. Auch ihre Familien in Belarus wurden unter Druck gesetzt.
Zu den Drohungen gehörte demnach die Ankündigung strafrechtlicher Konsequenzen. Betroffene Familien sollen dabei sogar wegen der Bezahlung einer Ausbildung verfolgt werden können. Der Vorwurf richtet sich damit gegen eine Handlung, die unmittelbar mit dem Studium an der EHU verbunden ist. Die belarusischen Behörden behandeln die Unterstützung eines Studiums im Ausland nach dieser Darstellung als Anlass für Einschüchterung und mögliche Bestrafung.
Amnesty warnt vor einem Verfahren
Marie Struthers, Direktorin von Amnesty International für Osteuropa und Zentralasien, warnte vor dem Risiko eines demonstrativen „ant extremistischen“ Prozesses. Die Bezeichnung knüpft an die Praxis belarusischer Behörden an, gegen Personen und Organisationen unter dem Vorwurf des Extremismus vorzugehen. Im vorliegenden Fall geht es um Studierende, Absolventen und Mitarbeiter einer Universität sowie um deren Angehörige.
Struthers zufolge hat sich die Einschüchterungskampagne inzwischen auf die Familien der Studierenden ausgeweitet. Sie verwies damit auf den Umstand, dass Angehörige in Belarus unter Druck geraten, obwohl sich die betroffenen Studierenden außerhalb des Landes aufhalten. Die Menschenrechtsorganisation sieht darin den Versuch der Behörden, den Einfluss der Sicherheitsorgane auch auf Personen auszuweiten, die Belarus bereits verlassen haben.
Die von Amnesty International beschriebene Kampagne betrifft eine Hochschule, die nach den vorliegenden Angaben im Exil in Vilnius arbeitet. Die Universität ist damit außerhalb von Belarus angesiedelt, während ein Teil ihrer Studierenden und deren Familien weiterhin mit belarusischen Behörden konfrontiert ist. Die räumliche Trennung verhindert nach Darstellung der Menschenrechtsorganisation nicht, dass Druck auf das Umfeld der Studierenden ausgeübt wird.
Studium im Ausland als Anlass für Repression
Die Fälle werden als Teil eines Vorgehens dargestellt, mit dem die belarusische Führung oppositionelle oder unabhängige Stimmungen eindämmen will. Das Studium an einer europäischen Universität wird dabei zum Anlass für politische Verfolgung. Die Behörden können die Studierenden, die sich im Ausland befinden, nicht unmittelbar kontrollieren. Stattdessen richten sich die Maßnahmen gegen ihre Familien in Belarus.
Die Drohungen sollen Studierende davon abhalten, ihre Ausbildung an der EHU fortzusetzen, und sie zur Rückkehr bewegen. Nach den Angaben von Amnesty besteht für Rückkehrer eine Gefahr, verfolgt zu werden. Eine Rückkehr nach Belarus wird in den dokumentierten Fällen nicht als freiwillige Bildungsentscheidung beschrieben, sondern als Forderung, die mit Verhören, Festnahmen und möglichen Strafverfahren durchgesetzt werden soll.
Die EHU steht in diesem Zusammenhang für den Zugang zu einer unabhängigen und modernen Ausbildung außerhalb des belarusischen Hochschulsystems. Die Verfolgung ihrer Studierenden und Mitarbeiter wird von Amnesty als politischer Druck auf Menschen bewertet, die eine solche Ausbildung anstreben oder ermöglichen. Amnesty International und die Vorwürfe gegen die EHU wurden in diesem Zusammenhang öffentlich thematisiert.
Nach der Darstellung der Menschenrechtsorganisation beschränkt sich die Kampagne des Lukaschenko-Regimes damit nicht auf das Staatsgebiet von Belarus. Der Druck erreicht auch Bürgerinnen und Bürger, die sich in der Europäischen Union aufhalten, sowie ihre Angehörigen im Herkunftsland. Im Zentrum stehen weiterhin Durchsuchungen, Verhöre, Festnahmen und Drohungen gegen das Umfeld der Universität.
Amnesty International forderte in der vorliegenden Stellungnahme Aufmerksamkeit für die betroffenen Studierenden, Absolventen, Mitarbeiter und Familien. Die dokumentierten Maßnahmen und die Warnung vor einem möglichen Verfahren beziehen sich auf die weitere Verfolgung der EHU und ihres Umfelds.


