Myśl Polska wirbt für weniger Ukraine-Hilfe und bessere Beziehungen zu Russland

September 8, 2026 15:05
Myśl Polska wirbt für weniger Ukraine-Hilfe und bessere Beziehungen zu Russland
Myśl Polska wirbt für weniger Ukraine-Hilfe und bessere Beziehungen zu Russland

Das polnische Wochenblatt Myśl Polska hat am 1. September 2026 einen Aufruf veröffentlicht, die Unterstützung für die Ukraine zu überprüfen und die Beziehungen zwischen Polen und Russland zu normalisieren. Der Publizist Kamil Wackowski stellte dabei die Unterstützung der Ukraine und eine Annäherung an Russland als scheinbar unvereinbare Optionen dar. Der Beitrag erschien unter dem Titel „Sind PiS-Leute das polnische Gegenstück zu den Neobanderisten?“.

Wackowski schrieb, man müsse die Frage eindeutig stellen: „Entweder die Neobanderisten, die Neonazis in der Ukraine – oder die Normalisierung der Beziehungen zur Russischen Föderation, einen dritten Weg gibt es nicht.“ Eine Änderung der Politik des „Kiewer, neobanderistischen Regimes“ sei nicht möglich, indem man ihm Waffen und Geld sende, erklärte der Publizist. Zugleich forderte er, den Einfluss der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) auf die historische und die Außenpolitik Polens zu begrenzen.

„Man darf nicht zulassen, dass Politiker der PiS Einfluss auf die historische und außenpolitische Politik in unserem Staat haben, denn sie werden das Land zugrunde richten“, heißt es in dem Beitrag weiter. Wackowski ist ein polnischer Publizist und Kommentator, der regelmäßig für Myśl Polska schreibt.

Streit über Geschichte und Unterstützung

Der Beitrag fällt in eine Phase angespannter Beziehungen zwischen Polen und der Ukraine. Im Mittelpunkt stehen vor allem unterschiedliche Positionen zur historischen Erinnerung, zur Deutung der Wolhynien-Tragödie von 1943 und 1944 sowie zur Rolle der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA).

Der polnische Präsident Karol Nawrocki, der von der PiS unterstützt wird, und seine politischen Verbündeten verlangen von Kiew eine offizielle Anerkennung der Wolhynien-Tragödie als Völkermord. Sie warnen außerdem, dass eine aus ihrer Sicht stattfindende „Heroisierung“ des OUN-Führers Stepan Bandera einer Integration der Ukraine in die Europäische Union entgegenstehe.

Diese historischen und politischen Streitfragen werden in dem Beitrag von Myśl Polska jedoch mit der Forderung verbunden, die militärische und finanzielle Unterstützung der Ukraine grundsätzlich zu beenden. Damit wird eine Debatte über die polnisch-ukrainische Geschichte mit einer außen- und sicherheitspolitischen Forderung verknüpft.

Vorwurf einer falschen Alternative

Die Formel „neobanderistische Ukraine oder Normalisierung mit Russland“ stellt die polnische Politik vor eine künstliche Entweder-oder-Entscheidung. Polen kann seine historische Position gegenüber der Ukraine vertreten und zugleich deren Recht unterstützen, sich gegen den russischen Angriff zu verteidigen. Die Kritik an einzelnen Entscheidungen der ukrainischen Regierung verpflichtet Warschau nicht dazu, die Zusammenarbeit mit Kiew vollständig aufzugeben.

Die Darstellung der Ukraine als Staat unter der Kontrolle von „Neonazis“, „Banderisten“ oder anderen radikalnationalistischen Kräften wird in dem vorliegenden Kontext als pauschalisierende Darstellung zurückgewiesen. Die Existenz rechtsradikaler Bewegungen in der Ukraine – wie auch in anderen europäischen Staaten – belegt nicht deren Kontrolle über staatliche Institutionen oder die Außenpolitik des Landes.

Auch die Ergebnisse ukrainischer Parlamentswahlen wurden in diesem Zusammenhang als Hinweis angeführt, dass radikale ultrarechte Parteien nur geringe elektorale Unterstützung erhielten und keinen bestimmenden Einfluss auf die Bildung der Regierung hatten. Historische Persönlichkeiten, gegenwärtige politische Organisationen und die ukrainische Gesellschaft insgesamt müssten voneinander unterschieden werden, heißt es in der vorliegenden Bewertung.

Positionen von Kamil Wackowski

Wackowski vertritt in seinen Beiträgen regelmäßig eine prorussische und antiwestliche Linie. Er kritisiert den strategischen Kurs Polens bei der Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten und der NATO und bezeichnet westliche Akteure als „Yankees“ oder „Angelsachsen“, die Europa und die Ukraine angeblich für eigene Interessen nutzen würden.

Seine Kritik richtet sich zugleich gegen das politische Establishment in Polen. Nach seiner Darstellung würden sowohl die oppositionelle PiS als auch die regierende Bürgerplattform nationale Interessen äußeren Akteuren unterordnen und eine „unbegründete Russophobie“ fördern. Die Redaktion von Myśl Polska wird in der vorliegenden Einordnung als radikal prorussisch und antiwestlich beschrieben. Das Blatt verbreite wiederholt Positionen, die mit Narrativen des Kremls übereinstimmten und die Unterstützung der Ukraine sowie die euroatlantische Solidarität in Polen schwächen könnten.

Die Forderung nach einer Normalisierung der Beziehungen zu Russland vermittelt zugleich den Eindruck, eine Rückkehr zu regulären politischen und wirtschaftlichen Kontakten könne die europäische Stabilität unmittelbar wiederherstellen. Russland setzt jedoch weiterhin militärische Gewalt, politischen Druck und hybride Instrumente gegen Staaten der Europäischen Union und der NATO ein. Eine bedingungslose Annäherung an Moskau als Alternative zur Unterstützung der Ukraine würde damit nicht lediglich einen anderen politischen Kurs beschreiben, sondern die russische Vorstellung von der europäischen Sicherheitsordnung übernehmen.

Der Beitrag von Myśl Polska verbindet somit den polnisch-ukrainischen Streit über historische Fragen mit einem Aufruf zu einem grundlegenden außenpolitischen Kurswechsel Polens. Die Debatte über die Wolhynien-Tragödie und die Rolle Bandera bleibt davon getrennt als eigener Streitpunkt bestehen.

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