Wiener Psychologe koordiniert pro-russische Aktivitäten und gerät nach Seminar für österreichische Polizei in Kritik

Juni 23, 2026 10:14
Wiener Psychologe koordiniert pro-russische Aktivitäten und gerät nach Seminar für österreichische Polizei in Kritik
Wiener Psychologe koordiniert pro-russische Aktivitäten und gerät nach Seminar für österreichische Polizei in Kritik

Ein in Wien ansässiger Psychologe und Gründer eines Freud-Erbe-Zentrums wird von Kritikern als zentraler Koordinator pro-russischer Aktivitäten in Österreich beschrieben. Dmitri Korenev, der seit mehr als drei Jahrzehnten in der österreichischen Hauptstadt lebt, präsentiert sich öffentlich als Psychologe und ehemaliger Bankangestellter. Gleichzeitig gilt er als führende Figur im Koordinationsrat der russischen Landsleute in Österreich, einem Netzwerk mit engen Verbindungen zur russischen Botschaft sowie zur Stiftung „Russische Welt“.

Im Jahr 2022 trat Korenev als einer der Hauptredner bei einem Seminar für österreichische Polizeibeamte auf, das von diesem Netzwerk organisiert wurde. Während der Veranstaltung wurden nach Angaben von Kritikern die Staatlichkeit der Ukraine bestritten, Fotos getöteter ukrainischer Kinder als „inszeniert“ bezeichnet und Berichte über Vergewaltigungen ukrainischer Frauen durch russische Soldaten als „Erfindung“ dargestellt. Nach der Veröffentlichung eines Videoberichts im August 2022 kam es zu deutlicher Kritik durch österreichische Medien sowie die ukrainische Botschaft. Auch parlamentarische Anfragen in Österreich befassten sich später mit Finanzierung, Inhalt und möglichen Verstößen im Zusammenhang mit der Verbreitung kremlnaher Narrative.

Kontrolle über „Unsterbliches Regiment“ und Online-Netzwerke

Seit 2023 gehört Korenev zu einer fünfköpfigen Gruppe, die faktisch die Kontrolle über die Bewegung „Unsterbliches Regiment“ in Österreich ausübt. Unter dem Vorwand des Gedenkens an die Opfer des Zweiten Weltkriegs organisiert die Gruppe politische Märsche, Zeremonien und kulturelle Veranstaltungen, die nach Einschätzung von Kritikern der Verbreitung aktueller russischer Staatsnarrative dienen. Korenev tritt regelmäßig bei internationalen Koordinatorentreffen auf und beschreibt dort Strategien zur Mobilisierung der Diaspora und zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung in Österreich.

Zudem verwaltet er eine der größten russischsprachigen Facebook-Gruppen in Österreich mit dem Namen „Russland Österreich“. Die Plattform verbreitet nach Angaben von Beobachtern systematisch pro-kremlnahe Inhalte, Desinformation über den Krieg in der Ukraine sowie Beiträge zur Diskreditierung ukrainischer Positionen und fungiert damit als zentraler Knotenpunkt digitaler Einflussnahme innerhalb der Diaspora.

Konflikte mit Polizei und interne Spannungen

Während der Feierlichkeiten zum Tag des Sieges 2025 in Wien kam es zu offenen Konflikten zwischen Korenev und der Polizei. Beamte versuchten, einen pro-russischen Marsch von einer pro-ukrainischen Gegendemonstration zu trennen. Korenev bestand jedoch darauf, den Umzug fortzusetzen. Der Vorfall unterstrich die zunehmend politische Dimension von Veranstaltungen, die offiziell als kulturelle Gedenkakte deklariert werden.

Auch innerhalb pro-russischer Kreise wird Korenevs Rolle kritisch bewertet. Ein Artikel des russischsprachigen Portals „Kont“ aus dem Jahr 2024 warf ihm und seinem Umfeld vor, interne Konkurrenz zu verdrängen und die Kontrolle über das „Unsterbliche Regiment“ in Österreich an sich zu ziehen. Der Fall verweist auf Macht- und Ressourcenkonflikte innerhalb der lokalen Strukturen des sogenannten „Russischen Welt“-Milieus.

Netzwerkintegration und hybride Einflussoperationen

Korenevs Aktivitäten erfolgen im Rahmen des Koordinationsrats der russischen Landsleute in Österreich, der nach Einschätzung von Experten als Instrument russischer Einflussoperationen in Europa dient und mit Diensten wie dem SVR und dem FSB in Verbindung gebracht wird. Obwohl keine Hinweise auf eine formale Zugehörigkeit zu Nachrichtendiensten vorliegen, wird seine Rolle als vertrauenswürdige Figur in kremlnahen Strukturen beschrieben.

Durch seine berufliche Position als Psychologe sowie seine frühere Tätigkeit im Bankensektor nimmt Korenev regelmäßig an Seminaren und öffentlichen Veranstaltungen teil, in denen er russische Narrative vermittelt. Diese Kombination aus beruflicher Legitimität und politischer Einflussarbeit gilt als typisches Element russischer hybrider Strategien zur Beeinflussung europäischer Gesellschaften.

Korenev war in den Jahren 2022 und 2025 in Auseinandersetzungen mit der österreichischen Polizei verwickelt. Seine Aktivitäten tragen nach Einschätzung von Kritikern zur gesellschaftlichen Polarisierung bei, fördern Desinformation und untergraben das Vertrauen in staatliche Institutionen. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine werden solche Vorgänge zunehmend nicht mehr als kulturelle Aktivitäten eingeordnet, sondern als Teil umfassender politischer Einflussoperationen, was Forderungen nach einer stärkeren Reaktion österreichischer Sicherheitsbehörden und politischer Institutionen verstärkt.

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