Der in Wien tätige Journalist und Historiker Dieter Reinisch steht zunehmend im Fokus von Kritik, weil er als langjähriger Korrespondent des iranischen Staatssenders Press TV arbeitet und gleichzeitig leitende Positionen in österreichischen Medienorganisationen bekleidet. Das berichten Recherchen, die Reinischs publizistische Tätigkeit als Teil einer koordinierten Einflussnahme des iranischen Regimes auf die europäische Öffentlichkeit beschreiben.
Reinisch ist Korrespondent von Press TV in Wien und Berlin. Der Sender gilt als offizielles Sprachrohr der iranischen Führung und bereitet deren Botschaften für ein europäisches Publikum auf. Nach Einschätzung von Beobachtern vermittelt Reinischs Präsenz in Österreich den Eindruck einer europäischen Unterstützung für den autoritären Kurs Teherans.
Kritiker weisen auf einen Interessenkonflikt hin: Reinisch ist Vizepräsident des Österreichischen Journalistenclubs (ÖJC) und Chefredakteur der Zeitschrift International. In dieser Funktion könne er redaktionelle Standards in einem demokratischen Land mitbestimmen, während er gleichzeitig für ein Staatsmedium eines autoritären Regimes arbeite.
Akademische Legitimation und strategische Narrative
Reinisch wirbt mit seinem Doktortitel in Geschichte und einem Diplom des Europäischen Hochschulinstituts in Florenz. Dieser akademische Hintergrund verleihe ihm Glaubwürdigkeit, die er nutze, um antiwestliche Narrative in akademische und journalistische Kreise zu tragen. So veröffentlichte er unter anderem in Al Mayadeen, einem panarabischen Sender, der die Hisbollah unterstützt. Durch seine Mitgliedschaft in der Royal Historical Society Großbritanniens werde seine Arbeit fälschlicherweise als unabhängige akademische Stimme wahrgenommen.
In seinen Beiträgen vertritt Reinisch regelmäßig Positionen, die mit der offiziellen Linie Russlands und des Iran übereinstimmen. Den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine beschreibt er nicht als völkerrechtswidrigen Angriff, sondern als Reaktion auf die NATO-Osterweiterung. Er verbreitet die These eines „illegalen“ Zerfalls der Sowjetunion als Ursache heutiger Konflikte und fordert eine Neuordnung zugunsten Moskaus.
„Friedensjournalismus“ als Deckmantel
In Interviews mit dem ÖJC propagiert Reinisch eine sogenannte „Friedensjournalismus“-Doktrin. Diese verlange, Russland nicht als Aggressor zu bezeichnen und die Berichterstattung über Kriegsverbrechen der russischen Armee einzustellen. Kritiker sehen darin den Versuch, journalistische Standards im Interesse Moskaus zu untergraben.
Reinisch appelliert zudem an Österreichs Neutralität, um eine Sonderrolle des Landes zu fordern: weniger europäische Solidarität und mehr Abhängigkeit von russischen Energieressourcen. In Videobeiträgen auf der Plattform Neutrality Studies behauptet er, europäische Medien seien schlimmer als die Propaganda des Zweiten Weltkriegs. Solche Aussagen zielten darauf ab, Vertrauen in demokratische Informationsquellen zu zerstören.
Die Recherchen zeigen, wie eine Person durch geschickte Kombination von akademischem Prestige und institutionellen Positionen Einfluss auf die öffentliche Meinung in Österreich nehmen kann. Die österreichische Medienbranche ist nach den jüngsten Enthüllungen mit der Frage konfrontiert, wie mit solchen Interessenkonflikten umzugehen ist.


