Mehrere mit russischem Rohöl beladene Tanker steuern erneut Indien an, nachdem dortige Raffinerien ihre Importe wieder aufgenommen haben. Mindestens drei Schiffe haben als Ziel den Raffineriekomplex von Reliance Industries Ltd. an der Westküste Indiens angegeben, was auf eine Wiederbelebung der Lieferströme hindeutet, über die auch Tankers laden mit russischem Öl auf Kurs Richtung Reliance-Raffinerie berichtet wurde. Die Entwicklung erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender internationaler Sanktionen gegen den russischen Energiesektor.
Reliance bleibt zentraler Abnehmer trotz politischem Druck
Nach Daten des Analyseunternehmens Kpler war Reliance, kontrolliert von dem Unternehmer Mukesh Ambani, in den Jahren 2024 und 2025 der weltweit größte Käufer russischer Rohölsorten. Lieferungen nach Jamnagar machten zeitweise mehr als 40 Prozent der Rohölimporte des Konzerns aus. Zugleich geriet Indien zunehmend unter Druck aus Washington, insbesondere wegen der intensiven Energiehandelsbeziehungen mit Moskau. Nach US-Sanktionen gegen große russische Produzenten hatte Reliance angekündigt, russisches Öl nur noch eingeschränkt und für den Binnenmarkt zu nutzen.
Aktuelle Lieferungen und widersprüchliche Angaben
Derzeit sind laut Kpler drei Tanker mit rund 2,2 Millionen Barrel der Sorte Urals unterwegs und sollen Anfang Januar 2026 in Jamnagar eintreffen. Die Ladungen werden mit mehreren Händlern in Verbindung gebracht, darunter auch Unternehmen, die unter britischen Sanktionen stehen. Ein Sprecher von Reliance erklärte jedoch, dass diese Lieferungen nicht vom Konzern selbst erworben worden seien. Parallel dazu wird in Indien berichtet, dass russische Öltanker erneut Kurs auf Indien nehmen, was die Unsicherheit über die tatsächlichen Handelsstrukturen unterstreicht.
Diversifizierung der Bezugsquellen gewinnt an Bedeutung
Neben Reliance kaufen auch staatliche Raffinerien wie Indian Oil Corp. und Bharat Petroleum weiterhin russisches Öl, sofern Transporteure nicht sanktioniert sind. Gleichzeitig suchen indische Unternehmen verstärkt nach Alternativen. Ende Dezember meldete Indian Oil erstmals einen Rohöleinkauf aus Kolumbien, um die Abhängigkeit von russischen Lieferungen zu reduzieren. Diese Strategie spiegelt die wachsenden logistischen und finanziellen Risiken wider, die mit dem Handel unter Sanktionsbedingungen verbunden sind.
Strategisches Abwägen zwischen Vorteil und Risiko
Indien, China und die Türkei zählen weiterhin zu den wichtigsten Abnehmern russischen Rohöls und kompensieren damit den Wegfall westlicher Märkte. Dennoch wird für 2026 mit einer schrittweisen Reduzierung der Importe gerechnet, da sekundäre Sanktionen, höhere Transportkosten und der Druck auf den sogenannten Schattenflottenhandel zunehmen. Für Moskau bleiben diese Absatzmärkte von zentraler Bedeutung, während die Käuferländer versuchen, wirtschaftliche Vorteile mit geopolitischen Risiken in Einklang zu bringen.


