Südafrika untersucht Lieferung heimischer Drohnenteile an Russland

Oktober 10, 2025 15:00
Südafrika untersucht Lieferung heimischer Drohnenteile an Russland
Südafrika untersucht Lieferung heimischer Drohnenteile an Russland

Die südafrikanischen Behörden haben Ermittlungen eingeleitet, nachdem elektronische Komponenten aus lokaler Produktion in russischen Drohnen entdeckt wurden, die bei Angriffen auf die Ukraine eingesetzt werden sollen. Im Mittelpunkt steht ein Laser-Entfernungsmesser des Unternehmens Lightware Optoelectronics Ltd. mit Sitz am Stadtrand von Pretoria. Das Gerät misst Entfernungen und kann zur Zündung von Sprengladungen verwendet werden, erklärte der ukrainische Sanktionsbeauftragte Wladyslaw Wlasiuk in einem Beitrag in sozialen Netzwerken.

Unklar, wie Russland an die Bauteile gelangte

Laut Lightware ist bislang unklar, wie das russische Militär die Technologie erhalten konnte. Das Unternehmen betonte, dass seine Produkte nicht für militärische Zwecke konzipiert seien und offenbar von „unlauteren Käufern“ missbraucht wurden. Der Laser-Entfernungsmesser wurde laut Angaben des ukrainischen Geheimdienstes in einer russischen Garpiya-A1-Drohne entdeckt – einem sogenannten Kamikaze-Modell, das beim Einschlag explodiert und auf dem iranischen Typ Shahed 136 basiert.

Möglicher Verstoß gegen südafrikanisches Exportrecht

Nach südafrikanischem Recht dürfen Unternehmen keine Waffen oder Dual-Use-Güter in Länder exportieren, die in aktive Konflikte verwickelt sind, ohne Genehmigung des National Conventional Arms Control Committee (NCACC). „Das betroffene Unternehmen ist nicht zum Handel mit Munition oder Dual-Use-Technologien registriert“, erklärte Sipho Mashaba, amtierender Direktor für konventionelle Rüstungskontrolle beim NCACC. Eine Inspektion soll nun klären, in welchem Umfang das Unternehmen tätig ist und ob Genehmigungen erforderlich gewesen wären.

Lightware erklärte, ausschließlich zivile Anwendungen zu bedienen – etwa im Bereich autonomer Fahrzeuge, Bergbau oder Naturschutz. Die Sensoren seien klein, leicht und vielseitig einsetzbar. „Wir fallen nicht unter die Zuständigkeit des NCACC“, sagte CEO Nadia Nilsen. Offenbar habe „ein skrupelloser Zwischenhändler“ die Sensoren über Dritte erworben und sie „rechtswidrig in Russland verwendet“.

Reaktionen aus Wirtschaft und Politik

Laut Nilsen verkauft Lightware seine Produkte weder nach Russland noch in die Ukraine. Beide Länder stehen seit 2022 auf der internen Embargoliste des Unternehmens. „Wir verlangen Endnutzererklärungen, um die Abnehmer zu kontrollieren“, sagte sie weiter. Eine vollständige Nachverfolgung der Verwendung sei jedoch nicht möglich.

Samantha Pokroy, Geschäftsführerin des Investors Sanari Capital Ltd., der 2020 rund 25 Millionen Rand (1,5 Millionen US-Dollar) in Lightware investiert hatte, äußerte sich bestürzt: „Wir sind zutiefst betroffen, dass eine von uns unterstützte Technologie in einem derart verwerflichen Zusammenhang eingesetzt wurde.“

Heikles Thema in den Beziehungen zu den USA und Russland

Südafrika bemüht sich seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine um eine neutrale Vermittlerrolle. Präsident Cyril Ramaphosa leitete eine afrikanische Friedensinitiative und drängt weiterhin auf diplomatische Lösungen. Gleichzeitig versucht Pretoria, die angespannten Beziehungen zu den USA zu reparieren, nachdem die Trump-Regierung das Land wegen seiner Nähe zu Moskau und Teheran scharf kritisiert hatte.

Im Februar 2023 führte Südafrika gemeinsame Marineübungen mit Russland durch, was in Washington auf heftige Kritik stieß. Wenig später warf der damalige US-Botschafter Reuben Brigety dem Land vor, Waffen an Russland geliefert zu haben – ein Vorwurf, den eine gerichtliche Untersuchung später entkräftete.

Als Präsident Trump Anfang dieses Jahres Südafrika fälschlicherweise des „Völkermords an Weißen“ beschuldigte, reagierten die USA mit Strafzöllen von 30 % auf viele südafrikanische Importe, reduzierten Hilfen und boykottierten teilweise G20-Treffen in Südafrika.

Der aktuelle Fund der Drohnenkomponente könnte die Spannungen weiter verschärfen. Der südafrikanische Militärexperte Helmoed-Roemer Heitman bezeichnete den Fall als „beschämend“ und sagte: „Das ist eine äußerst heikle und undurchsichtige Angelegenheit.“

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