Zahl der Unternehmensinsolvenzen in der Steiermark steigt weiter
Im ersten Halbjahr 2026 haben 388 Unternehmen in der Steiermark Insolvenz angemeldet, wie aus einer Hochrechnung des KSV1870 hervorgeht. Dies entspricht einem Anstieg von 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, was knapp zwei Insolvenzen pro Tag bedeutet.
Betriebe aus dem Baugewerbe, dem Handel sowie der Gastronomie und Beherbergung waren besonders häufig betroffen und vereinten zusammen 43 Prozent aller Insolvenzfälle. Das Baugewerbe verzeichnete mit 62 Verfahren die höchste Zahl an Insolvenzen und zeigte gegenüber dem Vorjahr einen deutlichen Anstieg.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen belasten Unternehmen
Die Ursachen für die anhaltenden Insolvenzen sieht der KSV1870 in einer Kombination aus schwacher Wirtschaftslage, hohen Finanzierungskosten, steigenden Personalkosten und geopolitischen Unsicherheiten. René Jonke, Leiter der KSV1870-Region Süd, stellt fest, dass im Gegensatz zum Bundesdurchschnitt keine positiven Signale aus der Steiermark zu verzeichnen sind und die Zahl der Pleiten auf hohem Niveau bleibt.
Die vorläufigen Insolvenzverbindlichkeiten haben sich ebenfalls erhöht und belaufen sich auf rund 597 Millionen Euro, was einem Anstieg von 241 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Mehrere Großinsolvenzen, darunter die von LL-resources GmbH und Domaines Kilger, haben zu diesem Anstieg beigetragen.
Die größten Insolvenzen im ersten Halbjahr
- LL-resources GmbH, Graz – 131 Millionen Euro
- Domaines Kilger GmbH & Co KG, Gamlitz – 83,5 Millionen Euro
- Domaines Kilger GmbH vorm. Domaine Kilger GmbH, Wies – 50,3 Millionen Euro
- Wollsdorf International GmbH vorm. Wollsdorf Beteiligungs GmbH, Wollsdorf – 32,5 Millionen Euro
- WOLLSDORF LEDER SCHMIDT & Co. Ges.m.b.H., St. Ruprecht Raab – 25,7 Millionen Euro
Betrifft 1.870 Beschäftigte, keine Besserung in Sicht
Im ersten Halbjahr sind 1.870 Beschäftigte von den Insolvenzen betroffen, was einen Anstieg von mehr als 76 Prozent im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Während die Zahl der eröffneten Verfahren gestiegen ist, wurden weniger Anträge aufgrund mangelnden kostendeckenden Vermögens abgewiesen.
Der KSV1870 erwartet auch in den kommenden Monaten keine Entspannung. Es wird mit einer ähnlichen Entwicklung wie zuletzt gerechnet, wobei historisch betrachtet die Insolvenzen im dritten Quartal tendenziell zurückgehen. Eine Prognose für das Gesamtjahr deutet darauf hin, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen leicht über dem Vorjahreswert von rund 720 Fällen liegen könnte.
Einordnung
Die gestiegene Insolvenzrate und die hohen Verbindlichkeiten zeigen die anhaltenden wirtschaftlichen Herausforderungen in der Steiermark. Diese Entwicklungen beeinflussen sowohl die Arbeitsmarktsituation als auch die Stabilität zahlreicher Branchen und verdeutlichen die Notwendigkeit gezielter wirtschaftlicher Maßnahmen.


