Rückgang der deutschen Exporte nach China
Die deutschen Exporte nach China sind im ersten Halbjahr um mehr als zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingebrochen und erreichen nur noch knapp 37 Milliarden Euro. Dies ergibt sich aus Berechnungen der deutschen Fördergesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI).
China ist jetzt nur noch der neuntgrößte Abnehmer deutscher Waren, hinter kleineren Ländern wie Österreich oder der Schweiz. Im Jahr 2021 belegte China noch den zweiten Platz hinter den USA. Laut Commerzbank-Ökonom Vincent Stamer deutet dieser Trend darauf hin, dass China sich unabhängiger von westlicher Technologie macht und technologisch zunehmend aufholt.
Im Gegensatz dazu stiegen die deutschen Importe aus China im ersten Halbjahr um knapp neun Prozent auf fast 92 Milliarden Euro. Dies führt zu einem Außenhandelsvolumen mit China von rund 128 Milliarden Euro, was mehr ist als mit dem zweitgrößten Handelspartner USA.
GTAI-Ostasien-Expertin Corinne Abele nennt als Ursachen für den Rückgang der Exporte die schwache Binnenkonjunktur in China und den Fokus auf inländische Wertschöpfung. Zudem produzieren immer mehr deutsche Firmen in China, was die Nachfrage nach deutschen Exporten verringert. Die anhaltende Immobilienkrise in China sorgt für Unsicherheit und zurückhaltende Investitionen in vielen Bereichen.
Die deutschen Exporte in die USA sind ebenfalls um rund sechs Prozent auf über 74 Milliarden Euro gesunken, bleiben aber dennoch stark. Die USA bleiben Deutschlands wichtigstes Abnehmerland, gefolgt von Frankreich und den Niederlanden.
Einordnung
Der Rückgang der Exporte nach China zeigt eine grundlegende Veränderung in den Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und China. Dies deutet auf eine verstärkte Fokussierung Chinas auf eigene Technologien und Märkte hin. Die Auswirkungen könnten langfristig die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte in China beeinträchtigen.


