Österreichischer Mittelstand bleibt in der Rezession
Eine Creditreform-Umfrage zeigt, dass der österreichische Mittelstand auch im Herbst 2025 in der Rezession steckt: schwache Umsätze und Aufträge, Stellenabbau in jedem vierten Betrieb und Investitionen auf Rekordtief. Zudem bewertet mehr als die Hälfte der Unternehmen die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung kritisch. Darüber berichtet Welt Stimme.
Die wirtschaftliche Lage des österreichischen Mittelstands bleibt auch im Herbst 2025 angespannt. Laut einer aktuellen Umfrage der Wirtschaftsauskunftei Creditreform herrscht unter kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) weiterhin Pessimismus. Die Stabilisierung nach zwei Jahren Rezession bleibt aus, während sowohl Umsätze als auch Aufträge weiter rückläufig sind. Viele Betriebe sehen sich gezwungen, Personal abzubauen und Investitionen zu reduzieren.
Das Creditreform-Klimabarometer liegt mit minus 8,2 Punkten erneut im negativen Bereich und ist seit drei Jahren unter der Nulllinie. „In allen Wirtschaftssektoren überwiegt eine skeptische Grundhaltung. Eine schnelle Konjunkturerholung ist nicht zu erwarten – der Mittelstand steckt weiterhin in der Rezession fest“, erklärt Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer des Österreichischen Verbandes Creditreform.
Von den befragten Unternehmen berichten 36,8 Prozent von rückläufigen Aufträgen, während nur 12,9 Prozent ein Plus verzeichnen konnten. Bei den Umsätzen zeigen 34,4 Prozent negative Entwicklungen und lediglich 16 Prozent positive. Trotz einer leichten Stabilisierung im Vergleich zum Vorjahr ist eine echte Trendwende laut Creditreform weiterhin nicht in Sicht.
Die Perspektiven für die kommenden Monate bleiben gedämpft. Nur 12,2 Prozent der Unternehmen rechnen mit steigenden Umsätzen, während 28 Prozent mit weiteren Rückgängen rechnen. Hohe Energiepreise und eine schwache Gesamtwirtschaft belasten die Situation weiterhin.
Stellenabbau bei einem Viertel der Unternehmen
Die anhaltende Rezession hat auch dramatische Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. In den vergangenen sechs Monaten haben 29,7 Prozent der Unternehmen Personal abgebaut, während nur 10,8 Prozent neue Mitarbeiter eingestellt haben. Besonders stark betroffen ist das Baugewerbe. Zukünftige Einstellungen sind bescheiden, mit lediglich 7,2 Prozent der Betriebe, die Neueinstellungen planen.
Zusätzlich erreichen die Investitionen einen historischen Tiefpunkt: Nur noch 29,7 Prozent der Unternehmen haben Investitionsprojekte im Blick – ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren.
Laut der Studie bleibt die Ertragslage „äußerst angespannt“. Lediglich 10,8 Prozent der Unternehmen konnten steigende Gewinne verzeichnen, während 42,3 Prozent Verluste hinnehmen mussten. Alarmierend ist die Entwicklung der Eigenkapitalbasis: 19,7 Prozent der Betriebe melden eine Eigenkapitalquote von unter zehn Prozent, der höchste Wert seit sechs Jahren. Im Dienstleistungssektor ist mehr als jedes vierte Unternehmen betroffen.
„Die lange Wirtschaftskrise fordert ihren Tribut“, warnt Weinhofer. Obwohl die Talsohle möglicherweise erreicht sei, werde es noch einige Zeit bis zu einer nachhaltigen Verbesserung dauern.
Kritik an der Wirtschaftspolitik der Bundesregierung
Aus Sicht der Unternehmen bleibt die Inflation das drängendste wirtschaftspolitische Problem. 70,2 Prozent der Befragten fordern verstärkte Maßnahmen gegen die steigenden Preise, insbesondere im Energiebereich. Der Bürokratieabbau wird von 80,4 Prozent als zentrale Aufgabe der Bundesregierung angesehen. Insgesamt bewerten 52,6 Prozent der Unternehmen die Wirtschaftspolitik der aktuellen Bundesregierung kritisch.


