Neue Studie aus Graz präsentiert transparente Kriterien zur Berechnung fairer CO₂-Budgets für EU-Regionen

Dezember 14, 2025 07:13
Neue Studie aus Graz präsentiert transparente Kriterien zur Berechnung fairer CO₂-Budgets für EU-Regionen

Ein Forschungsteam der Universität Graz hat erstmals transparente Kriterien entwickelt, um das verbleibende globale Treibhausgasbudget gerecht auf EU-Regionen aufzuteilen. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Nature Communications veröffentlicht und könnten die Klimapolitik vor Ort grundlegend verändern. Darüber berichtet Welt Stimme.

Die Frage, wie viel Treibhausgas die Obersteiermark, Wien oder Vorarlberg künftig ausstoßen dürfen, wird immer drängender. Das weltweit verbleibende CO₂-Budget ist begrenzt, um die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu beschränken, wie im Pariser Klimaabkommen festgelegt. Diese regionalen Emissionsziele gewinnen an Bedeutung, während weltweit über 200 subnationale Regionen und knapp 300 Städte eigene Klimaziele verabschiedet haben.

Der politische Fokus hat sich von nationalen Emissionszielen zu lokalen Maßnahmen verlagert, weil der Druck auf Städte und regionale Wirtschaftsräume steigt, konkrete Schritte zur Emissionsreduktion zu entwickeln.

Forschende schaffen erstmals transparente Verteilungskriterien

Unter der Leitung von Klimaökonom Karl Steininger haben Forscher der Universität Graz ein Verfahren entwickelt, mit dem Regionen ihre „fairen“ CO₂-Budgets berechnen können. Die zentrale Idee ist, dass alle Menschen im Land Anspruch auf die Vorteile aus wirtschaftlichen Aktivitäten haben sollten, ohne ungleiche Belastungen zu erzeugen.

„Wir gehen davon aus, dass jeder Einzelne den gleichen Anspruch auf Wohlfahrtsvorteile aus emissionsverursachenden Aktivitäten hat“, erklärt Erstautorin Teresa Lackner. Dies soll gewährleisten, dass keine Region ungerechtfertigt benachteiligt wird, wenn Maßnahmen zur Emissionsreduktion ergriffen werden müssen.

Zwei Ansätze für mehr Fairness beim Klimabudget

Das Forschungsteam unterscheidet zwischen zwei Formen von Emissionen. Zum einen geht es um Treibhausgase, die dort produziert werden, wo die wirtschaftliche Aktivität stattfindet. Für diese Emissionen haben sie den Mechanismus „Etopa“ („Equal Transition Opportunity Production-Based Allocation“) entwickelt, der sicherstellt, dass emissionsintensive Regionen nicht unverhältnismäßig stark belastet werden.

„Etopa berücksichtigt unterschiedliche regionale ökonomische Strukturen und Risiken im Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft. Verteilungsgerechtigkeit bedeutet auch gleiche Chancen für alle Regionen,“ erläutert Steininger. Die Forschung weist Differenzen innerhalb der Regionen nach: Wien produziert rund 79 Tonnen CO₂-Äquivalente pro eine Million Euro Wirtschaftsleistung, während Oberösterreich mit etwa 314 Tonnen einen deutlich höheren Wert aufweist.

Konsumbasierte Emissionen

Der zweite Ansatz bezieht sich auf Emissionen, die durch den Konsum der Bevölkerung verursacht werden. Diese Emissionen treten häufig global auf, wie im Fall von Produkten, deren Bestandteile in verschiedenen Ländern gefertigt werden. „Für die Aufteilung eines nationalen konsumbasierten Emissionsbudgets auf Regionen schlagen wir eine gleichmäßige Pro-Kopf-Zuteilung vor, die regionale Bedürfnisse und historische Verantwortlichkeiten berücksichtigt“, so der Klimaökonom.

Ein Beispiel für die Reduktion solcher Emissionen ist die Überarbeitung von Bauvorschriften: „Obligatorische Vorgaben zur Verwendung von klimaneutral produziertem Zement könnten signifikante Einsparungen bewirken,“ ergänzt Steininger.

Relevanz für die steirische Praxis

Die entwickelten Kriterien zur gerechten Verteilung des verbleibenden Treibhausgasbudgets wurden auch im Austausch mit österreichischen Städten diskutiert. Positive Rückmeldungen, beispielsweise aus der Linzer Stadtverwaltung, zeigen, dass transparente Kriterien nützlich sind, um Maßnahmen zur Emissionsreduktion zu argumentieren und dem Vorwurf des „Greenwashing“ entgegenzuwirken.

Die Forschungsergebnisse bieten somit einen praktischen Ansatz, um Klimagerechtigkeit in konkrete politische Maßnahmen zu übersetzen und eine gerechte Transformation in eine klimaneutrale Gesellschaft zu ermöglichen.

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