Das aktuelle Industriebarometer von EY offenbart, dass die österreichische Industrie im zweiten Quartal 2025 weiterhin unter Umsatz- und Beschäftigungsrückgängen leidet. Besonders schwer getroffen ist die Autoindustrie, während die Chemie- und Elektronikbranche Wachstum verzeichnet. Trotz der anhaltenden Rezession zeigen erste Stabilisierungstendenzen, dass gezielte Investitionen in Technologie und Nachhaltigkeit entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit der Branche sind. Darüber berichtet Welt Stimme.
Die österreichische Industrie sieht sich weiterhin erheblichen strukturellen Herausforderungen gegenüber, darunter eine schwache globale Nachfrage und steigende Kosten. Laut dem EY Industriebarometer ist der Umsatz im produzierenden Sektor im zweiten Quartal 2025 wieder gesunken – bereits zum neunten Mal in Folge. Besonders betroffen ist die Automobilbranche, die neben massiven Umsatzverlusten auch einen drastischen Rückgang der Beschäftigtenzahlen hinnehmen musste. Auf der anderen Seite konnte die Chemie- und Pharmabranche sowie die Elektrotechnik-/Elektronikindustrie sowohl beim Umsatz als auch bei den Exporten zulegen.
Umsatzrückgang setzt sich fort
Im zweiten Quartal 2025 erzielten die österreichischen Industrieunternehmen einen Gesamtumsatz von 95,3 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 0,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Damit hält die Rezession im produzierenden Sektor bereits das neunte Quartal an. Verglichen mit dem Jahresbeginn (Q1: –0,5 Prozent) nehmen die Rückgänge zwar etwas ab, die fundamentalen Probleme bleiben jedoch bestehen.
„Die Industrie kämpft weiterhin mit schwacher Nachfrage, geopolitischen Unsicherheiten und hohen Kosten. Zugleich zeigt sich, dass die Rückgänge zuletzt weniger stark ausfallen – ein erstes Anzeichen dafür, dass sich die Lage langsam stabilisieren könnte“, erklärt Axel Preiss, Sector Leader Industrials bei EY Österreich.
Arbeitsmarkt unter Druck
Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist besonders besorgniserregend: Die Zahl der Beschäftigten im produzierenden Sektor sank innerhalb eines Jahres um 1,8 Prozent oder rund 19.400 Personen. Am stärksten betroffen ist die Automobilbranche, die im gleichen Zeitraum 9,8 Prozent ihrer Arbeitsplätze verlor, was rund 3.400 Stellen entspricht. Seit 2019 wurden in dieser Branche insgesamt etwa 7.900 Stellen abgebaut, fast die Hälfte davon allein im letzten Jahr.
Im Gegensatz dazu konnte die Chemie- und Pharmabranche im Vergleich zum Vorjahr einen moderaten Beschäftigungszuwachs von 1,1 Prozent verzeichnen.
Einbruch in wichtigen Auslandsmärkten
Der Negativtrend setzt sich auch im Außenhandel fort: Die Exporte beweglicher Güter, einschließlich elektrischem Strom, sanken im zweiten Quartal um drei Prozent auf 46,4 Milliarden Euro. Besonders stark waren die Rückgänge bei den Exporten in die USA (–17 Prozent), die Schweiz (–14 Prozent), China (–12 Prozent) und Deutschland (–2 Prozent). Positiv entwickelten sich die Exporte nach Großbritannien (+24 Prozent), den Niederlanden (+7 Prozent) und Italien (+5 Prozent).
Innerhalb der Branchen gab es jedoch Unterschiede: Während die Chemie- und Pharmabranche ein Exportplus von 12 Prozent erzielte, verzeichnete die Automobilindustrie einen Exportrückgang von 8 Prozent. Auch die Elektrotechnik-/Elektronik- und die Gummi- und Kunststoffbranche konnten moderate Zuwächse verzeichnen.
„Die Schwäche der internationalen Märkte trifft Österreichs exportorientierte Industrie besonders stark. Der Einbruch in den USA ist ein Warnsignal – die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe muss jetzt gezielt gestärkt werden, etwa durch Investitionen in Technologie, Digitalisierung und Nachhaltigkeit“, erklärt Preiss weiter.
Innovative Branchen wachsen
Die Analyse zeigt eine deutliche Branchenteilung: Innovationsgetriebene Industrien wie Chemie/Pharma sowie Elektrotechnik/Elektronik verzeichnen trotz der konjunkturellen Schwächephase stabile oder wachsende Umsätze und Exporte. Diese Sektoren profitieren von der gestiegenen Nachfrage nach nachhaltigen Materialien, Digitalisierung und energieeffizienten Technologien.
Langfristiger Strukturwandel mit Licht und Schatten
Seit 2019 wurden im produzierenden Sektor rund 13.900 neue Arbeitsplätze geschaffen, vor allem in technologieorientierten Bereichen. Die Elektrotechnik/Elektronik wuchs um 14 Prozent, der Maschinenbau um 9 Prozent. Die Automobilindustrie hingegen verlor im gleichen Zeitraum 20 Prozent ihrer Jobs.
„Österreichs Industrie verfügt über starke Kompetenzen und hochqualifizierte Fachkräfte. Entscheidend ist nun, diesen Standortvorteil zu nutzen und Zukunftsbereiche wie grüne Produktion, Robotik und KI-gestützte Fertigung strategisch auszubauen“, schließt Preiss.


