Mikrofone erkennen das Summen von Drohnen und revolutionieren die Luftraumüberwachung. Forschende des Joanneum Research in Graz arbeiten an innovativen akustischen Systemen zur Überwachung des Luftraums, die keine eigenen Signale aussenden. Die Technologie nutzt künstliche Intelligenz, um Geräuschmuster zu analysieren und unbemannte Flugobjekte zuverlässig zu identifizieren. Darüber berichtet Welt Stimme.
GRAZ/STEIERMARK. Angesichts der vermehrten Sichtungen unbekannter Drohnen über Europa wird die Früherkennung dieser Geräte immer wichtiger. Während Radar- oder optische Systeme aktiv Signale aussenden oder Sichtkontakt erfordern, arbeiten die akustischen Sensoren von Joanneum Research passiv und unauffällig. „Das macht sie besonders wertvoll in sicherheitskritischen Szenarien“, erklärt Projektleiter Martin Blass.
Im Fokus steht die Entwicklung von 3D-Mikrofonarrays in Halbkugelform, die Geräusche aus verschiedenen Richtungen erfassen und über Laufzeitunterschiede präzise die Position einer Drohne bestimmen. Durch KI-gestützte Analyse lernt das System, Drohnentypen anhand ihrer akustischen Signaturen zu unterscheiden – selbst bei starkem Hintergrundlärm. Forschungsgruppenleiter Franz Graf erläutert: „Mithilfe von Mikrofonarrays werden Schallquellen aus unterschiedlichen Richtungen aufgenommen, und aus den Laufzeitunterschieden der Signale lässt sich die Position einer Drohne bestimmen.“
Überwachung des Luftraums
Im Dezember 2025 startet das neue Forschungsprojekt UAS-CheckPoint, das die Technologie weiterentwickeln soll. Ziel ist der Aufbau energieautarker Sensorknoten, die Audio-, Video- und GNSS-Daten kombinieren und als „Checkpoints“ auf Gebäuden, Masten oder Fahrzeugen installiert werden. Dies ermöglicht eine multisensorische Überwachung des Luftraums.
Das System bietet zahlreiche Vorteile: Es erlaubt eine weiträumige und robuste Überwachung, funktioniert unabhängig von zentraler Infrastruktur und bleibt auch bei Ausfällen von Strom oder Kommunikation aktiv. Zudem sind die Sensoren klein, passiv und kaum zu orten.
„Wir verbinden physikalisches Verständnis mit datengetriebener Intelligenz“, betont Blass. „So schaffen wir Systeme, die nicht nur hören, sondern auch verstehen, was sie hören.“ Angesichts der jüngsten Zwischenfälle im europäischen Luftraum sehen die Forschenden darin eine Möglichkeit, diesen gezielt zu schützen.


