Tiroler Hütten suchen neue Wirtsleute: Herausforderungen im Alpenverein nehmen zu

November 27, 2025 21:13
Tiroler Hütten suchen neue Wirtsleute: Herausforderungen im Alpenverein nehmen zu

Die Suche nach neuen Pächtern für alpine Schutzhütten wird immer drängender: 2025 sind in den Sektionen des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV) insgesamt 17 Hütten zur Pacht ausgeschrieben, darunter sechs in Tirol. Diese Entwicklung spiegelt ein wachsendes Problem wider, da sich viele Hütten nach der letzten Saison erneut ohne Wirtsleute befinden. Darüber berichtet Welt Stimme.

Georg Unterberger, Leiter der Abteilung Hütten und Wege im Alpenverein, erläutert, dass sich das Problem in den letzten Jahren verstärkt hat: „Ein Viertel der neuen Pächter und Pächterinnen hat nach nur einem Jahr wieder gekündigt.“ Diese Situation zwingt den Alpenverein, alternative Lösungen zu finden, um die Schutzhütten weiterhin zugänglich zu machen.

„Wo kein Pächter gefunden wurde, mussten wir Alternativen erarbeiten, oder die Hütte konnte in seltenen Fällen gar nicht erst aufgesperrt werden,“

fügt Unterberger hinzu. Unter den Betroffenen ist auch die Bettelwurf-Hütte im Karwendelgebirge, die drei Jahre lang gepachtet war, jedoch nun nach neuen Pächtern sucht.

Die Anforderungen an Hüttenwirte steigen

Der Alpenverein stellt fest, dass die Anforderungen an Hüttenbewirtschaftung erheblich gestiegen sind. Unterstützung und Engagement sind gefordert, um die Herausforderungen des Hüttenbetriebs zu bewältigen. Darauf weist Georg Unterberger hin:

„Wer heutzutage eine Alpenvereinshütte pachtet, muss ein echter Allrounder sein. Unsere Wirtsleute sind Gastronomen und sollten Kenntnisse in Trinkwasseraufbereitung, Kläranlagen und weiteren technischen Aspekten mitbringen.“

Die Vielseitigkeit, die erwartet wird, übersteigt oft die Vorstellung von Interessierten. Bewerbungen zeigen, dass bei vielen Ausschreibungen weniger als 30 Bewerbungen oft keine qualifizierten Kandidaten hervorbringen.

„Das Aufgabenprofil, das die Wirtsleute übernehmen müssen, wird von vielen unterschätzt,“

merkt Unterberger an. „Ruhetage gibt es auf Alpenvereinshütten in der Regel keine, da diese Hütte eine Schutzfunktion erfüllen müssen.“

Trotz der Herausforderungen empfinden viele die Arbeit als Hüttenwirt als Berufung. Carolin Scharfenstein vom Alpenverein hebt hervor, dass dieser Job nicht leicht zu nehmen ist, auch wenn keine spezielle Ausbildung erforderlich ist. Fähigkeiten in unterschiedlichen Bereichen sind unerlässlich.

Durchschnittliche Pachtdauer von elf Jahren

Insgesamt bleibt die durchschnittliche Pachtdauer der Wirtsleute auf Alpenvereinshütten bei etwa elf Jahren, wobei viele in Tirol und Vorarlberg sogar deutlich länger im Dienst stehen, wie etwa die Pächter der Obstansersee-Hütte, die seit 30 Jahren aktiv sind.

Gesellschaftliche Veränderungen und Lösungsansätze

Der Alpenverein beobachtet, dass die familiäre Weitergabe des Hüttenbetriebs seltener wird. Carolin Scharfenstein erklärt:

„Die jüngste Generation ist nicht mehr so gewillt, den Betrieb der Eltern zu übernehmen. Das ist ein gesellschaftliches Phänomen, das auch den Hüttenbetrieb beeinträchtigt.“

Um dem entgegenzuwirken, engagiert sich der Alpenverein aktiv, durch Schulungen und faire Pachtbedingungen schnellere Anwendungen zu fördern. Ein Augenmerk gilt auch alternativen Betriebsformen, wie teamorientierte Pächte oder die Möglichkeit, die Hütten durch Ehrenamtliche zu bewirtschaften.

„Wenn sich wirklich kein Pächter findet, müsste man als Notlösung eine Bewartung durch Ehrenamtliche oder die Umstellung auf eine Selbstversorgerhütte andenken,“

so Scharfenstein. Diese Maßnahmen sollen helfen, die Schutzhütten als wichtige Rückzugsorte im Gebirge auch in Zukunft zu erhalten.

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