Die Tiroler Wirtschaft zeigt im Winter 2025/26 eine deutliche Erholungstendenz gegenüber dem Winter 2024/25. Fast alle kurzfristigen Indikatoren deuten auf eine Bodenbildung und einen beginnenden moderaten Aufschwung hin, auch wenn strukturellen Herausforderungen (Investitionsschwäche, Kostendruck) bestehen bleiben. Darüber berichtet Welt Stimme.
INNSBRUCK. Die Tiroler Wirtschaft macht Fortschritte, während der allgemeine Pessimismus abnimmt, bleibt die Skepsis jedoch dominant. Für das laufende Jahr wird ein reales Wirtschaftswachstum von etwa 1,5 Prozent prognostiziert. Die Entwicklung ist jedoch ungleichmäßig: Einige Sektoren verzeichnen Fortschritte, während andere weiterhin unter Druck stehen. Die Volkswirtschaft wird als „divergierende Erholung“ beschrieben. Die Präsidentin der Wirtschaftskammer (WK), Barbara Thaler, kommentiert die Lage: „Die Situation ist besser, aber sie ist noch nicht gut.“
„Wir starten mit ein wenig mehr Optimismus in das Jahr 2026. Unter der Prämisse einer stabilen geopolitischen Lage wird sich der Erholungsprozess in Tirol festigen. Ein reales BRP-Wachstum von 1,5 % für das Jahr 2026 ist unter diesen Bedingungen ein realistisches Szenario. Um dieses Potenzial auszuschöpfen, bedarf es jedoch flankierender Maßnahmen zum Bürokratieabbau und zur Senkung der Abgabenlast auf den Faktor Arbeit“, betont die WK-Präsidentin.
Große Unterschiede zwischen den Branchen
Der Tourismus führt beim Geschäftsklima an. Trotz der allgemeinen Teuerung verzeichnet die Branche eine stabile Nachfrage im gehobenen Segment. Auch die Industrie zeigt erste Anzeichen einer Erholung mit einem Anstieg des Geschäftsklimas um 57 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Normalisierte Lieferketten und stabilere Energiepreise wirken sich positiv aus, obwohl hohe Arbeitskosten die internationale Wettbewerbsfähigkeit weiter belasten. Der Bereich Information und Consulting zeigt sich ebenfalls robust, unterstützt durch die steigende Nachfrage nach Beratungsleistungen und die fortschreitende Digitalisierung. Erste positive Impulse kommen auch aus dem Handel, was auf eine langsame Erholung des privaten Konsums hindeutet. Hingegen stehen das Gewerbe, der Verkehrssektor und vor allem die Bauwirtschaft weiterhin unter Druck. Obwohl auch die Bauwirtschaft einen Anstieg um 32 Prozentpunkte erzielt hat, bleibt sie die einzige Branche mit negativem Geschäftsklima. „Der breite Branchenmix sorgt dafür, dass Tirol insgesamt stabil bleibt, auch wenn einzelne Sektoren weiterhin große Herausforderungen zu bewältigen haben“, so Thaler.
Auftragslage gut, Erwartungen vorsichtig
Die aktuelle Auftragslage präsentiert sich gemischt. Tourismus und Information & Consulting führen mit plus 30 beziehungsweise plus 27 Prozent. Die Industrie verzeichnet einen Anstieg von plus 15 Prozent, während die Bauwirtschaft mit minus zwei Prozent leicht im negativen Bereich bleibt. Die Auftragserwartungen für die kommenden sechs Monate sind jedoch insgesamt zurückhaltend. In vielen klassischen Branchen liegen die Erwartungen deutlich unter der aktuellen Lage. Nur technologie- und wissensbasierte Dienstleistungen sowie der Verkehrsbereich zeigen eine positive Entwicklung. „Viele Betriebe haben derzeit gut gefüllte Auftragsbücher, blicken aber angesichts globaler Unsicherheiten zurückhaltend in die Zukunft“, erklärt Thaler.
Hohe Kosten als größte Belastung
Als größte Belastungsfaktoren nennen 78 Prozent der Unternehmen die hohen Arbeitskosten. Bürokratische Hürden und regulatorische Anforderungen belasten 66 Prozent, gefolgt von Steuern und Abgaben mit 63 Prozent sowie Energiekosten mit 51 Prozent. Der Mangel an Arbeits- und Fachkräften bleibt mit 48 Prozent ein zentrales Problem. Lieferkettenprobleme spielen mit nur fünf Prozent kaum noch eine Rolle.
„Die Tiroler Betriebe kämpfen vor allem mit hohen Standortkosten und administrativen Hürden. Bürokratieabbau und eine Senkung der Abgabenlast sind entscheidend, damit die Erholung nachhaltig wird“, betont Thaler. Moderate Lohn- und Gehaltsabschlüsse stimmen vorsichtig optimistisch, gleichzeitig bleibt die Reduktion der Lohnnebenkosten ein zentrales Anliegen.
Ausblick auf 2026
Für 2026 hat sich die Stimmung unter den Tiroler Leitbetrieben im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbessert. Der Anteil der Pessimistinnen und Pessimisten sinkt von über 40 auf rund 25 Prozent, während der Anteil der Optimistinnen und Optimisten auf 17 Prozent steigt – der höchste Wert seit Beginn der Energiekrise. Dennoch überwiegt weiterhin die Skepsis. Sofern geopolitische Verwerfungen ausbleiben, rechnet die Wirtschaftskammer Tirol auch für 2026 mit einem echten Wirtschaftswachstum von rund 1,5 Prozent. „Die Ausgangslage hat sich deutlich verbessert. Nun gilt es, diese Aufhellung durch gezielte Maßnahmen zu festigen und in eine nachhaltige Aufwärtsbewegung zu überführen“, schließt Thaler ab.


