Wirtschaftsstandort Wiener Neustadt: WKO und SWV ziehen Bilanz und identifizieren Herausforderungen

Oktober 8, 2025 16:32
Wirtschaftsstandort Wiener Neustadt: WKO und SWV ziehen Bilanz und identifizieren Herausforderungen

Darüber berichtet Welt Stimme.

WIENER NEUSTADT. Die Stadt und der Bezirk Wiener Neustadt festigen ihre Bedeutung als zentrale Wirtschaftsstandorte in Niederösterreich. In der laufenden Serie „So tickt NÖ“ wird die wirtschaftliche Lage untersucht, wobei Andrea List-Margreiter von der Wirtschaftskammer und Thomas Schaden vom Sozialen Wirtschaftsverband NÖ (SWV) ihre Einschätzungen mitgeteilt haben.

Guter Wirtschaftsstandort

Andrea List-Margreiter, Bezirksstellenleiterin der Wirtschaftskammer, äußert sich optimistisch: „Wiener Neustadt und der Bezirk sind im niederösterreichischen Vergleich gut aufgestellt.“ Die Region profitiert von ihrer zentralen Lage, hervorragenden Verkehrsanbindungen sowie einer produktiven Verknüpfung von Wirtschaft, Forschung und Bildung. Besonders betont wird die Nähe zur Fachhochschule Wiener Neustadt, die vielversprechende Kooperationsmöglichkeiten bietet. Zudem verfügt die Region über eine ausgewogene Branchenstruktur von High-Tech bis zu Handel und Dienstleistungen.

Thomas Schaden, Präsident des SWV NÖ und Unternehmer, fügt hinzu: „Wiener Neustadt zeigt einen starken Mix aus kleinen und mittleren Unternehmen sowie Industriebetrieben, was sowohl eine hervorragende Wirtschaftsstruktur als auch eine leistungsfähige Infrastruktur zur Folge hat.“ Im Jahr 2024 wurden in Wiener Neustadt 630 Unternehmensgründungen registriert, was die Region zu den fünf besten in Niederösterreich zählt. Mit etwa 12.000 Mitgliedern in der Wirtschaftskammer ist Wiener Neustadt einer der unternehmerstärksten Bezirke. Die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen erforderten Maßnahmen zur Unterstützung vor allem kleiner und mittlerer Unternehmen.

Eine stärkere Vernetzung mit Aus- und Weiterbildung sowie Entlastungen bei Bürokratie und Steuerfragen werden als notwendig erachtet, um das Potenzial dieser Betriebe voll auszuschöpfen.

Herausforderungen

Die Unternehmen in Wiener Neustadt stehen vor mehreren Herausforderungen. Andrea List-Margreiter benennt die wichtigsten: „Der Arbeitskräftemangel ist gravierend. Der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften, sowohl in technischen als auch in handwerklichen Berufen, ist hoch.“ Ein weiteres Problem stellen die hohen Energiepreise dar, die insbesondere energieintensive Betriebe belasten. Übermäßige Bürokratie und langwierige Genehmigungsverfahren hemmen zudem Innovation und Flexibilität. Internationale Unsicherheiten, insbesondere globale Krisen, wirken sich ebenfalls auf exportorientierte Unternehmen aus.

Die WKNÖ setzt sich intensiv für verbesserte Rahmenbedingungen ein, um praxisnahe Lösungen für die Unternehmen zu finden. Thomas Schaden betont die Notwendigkeit einer Deckelung der Energiepreise, da die bestehenden Fördermaßnahmen nur energieintensive Industriebetriebe entlasten. „Wir fordern auch für kleine und mittlere Unternehmen Entlastungen, denn sie sind von den hohen Energiepreisen ebenso stark betroffen,“ sagt er.

Nachnutzung erleichtern

Im Hinblick auf die Nachnutzung brachliegender Industrieareale wird eine zielgerichtete Strategie angestrebt. Andrea List-Margreiter erklärt: „Die Wirtschaftskammer NÖ setzt sich aktiv für Rahmenbedingungen ein, die eine Wiederverwertung solcher Flächen fördern und gleichzeitig praktikable Lösungen für Betriebe sicherstellen.“ Sie erwähnt, dass in Einzelfällen die Nachnutzung bestehender Flächen sinnvoller sein kann als Neubauten, um ökologische Probleme wie Bodenversiegelung zu bekämpfen.

Auch Thomas Schaden fordert eine sinnvolle Nutzung verfügbarer Flächen, um den Bedarf an wirtschaftlichem Raum zu decken. „Die öffentliche Hand muss hier koordinieren, damit frei gewordene Areale optimal genutzt werden.“ In vielen Fällen seien lokale Unternehmen auf die Infrastruktur angewiesen.

Sinnvolle Nutzung

Beide Gesprächspartner sind sich einig, dass die Folgenutzung leerstehender Industrieflächen großen Einfluss auf regionale wirtschaftliche Impulse haben kann. Andrea List-Margreiter sieht Ansiedlungen von Betrieben, Start-ups oder Bildungs- und Forschungseinrichtungen als besonders relevant an, um bestehende Infrastrukturen optimal zu nutzen und Arbeitsplätze zu schaffen. Auch Mischnutzungen können zur Vermeidung von Bodenversiegelung beitragen.

Darüber hinaus sieht Thomas Schaden Potenziale für die Nutzung solcher Areale als Zentren für Neugründungen oder zusätzliche Produktionsstätten. „Das könnten außerdem Zusammenarbeiten zwischen innovativen Unternehmen und Forschungseinrichtungenumfassen,“ ergänzt er.

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