Der Austausch alter Heizungen zählt zu den größten Klimaschutzhebeln. Das zeigt eine Pilotstudie der Wirtschaftskammer Steiermark. Vor allem Pelletsheizungen und Wärmepumpen verursachen über ihren Lebenszyklus hinweg deutlich weniger CO₂ als fossile Systeme.
Darüber berichtet Welt Stimme.
STEIERMARK. Eine aktuelle Pilotstudie der Landesinnung der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker, präsentiert von der Wirtschaftskammer Steiermark, stellt fest: Pelletsheizungen und Wärmepumpen sind in der CO₂-Bilanz um ein Vielfaches umweltfreundlicher als fossile Heizsysteme. Aus der Untersuchung geht hervor, dass durch den Austausch alter Ölheizungen bis zu 91 Prozent der Treibhausgasemissionen eingespart werden können.
Die Studie analysierte den vollständigen Lebenszyklus einer Heizungsanlage nach dem „Cradle-to-Grave“-Ansatz, beginnend mit der Rohstoffgewinnung bis hin zu Herstellung, Einbau, Nutzung, Demontage und Entsorgung. Grundlage für die Analyse war ein typisches Einfamilienhaus aus 1980 mit einer Wohnfläche von 150 Quadratmetern und vier Bewohnerinnen und Bewohnern. Untersucht wurde dabei der Ersatz eines bestehenden Ölkessels.
Betrieb als entscheidender Hebel
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die ausschlaggebende Rolle der Nutzungsphase für die CO₂-Emissionen. Im Vergleich zum jahrzehntelangen Betrieb sind Herstellung und Entsorgung der Heizanlagen relativ unerheblich. Studienautor Andreas Gumpetsberger stellte fest, dass der oft angeführte „ökologische Rucksack“ neuer Heizungen die Gesamtauswirkungen kaum beeinflusste. Der größte Effekt liege im laufenden Betrieb: Die Ersetzung einer alten Ölheizung zeichnet sich als einer der wirkungsvollsten Maßnahmen zum Klimaschutz im privaten Sektor ab.
Pellets heben sich ab
Die Studie zeigt deutliche Unterschiede: Der Betrieb einer alten Ölheizung verursacht über 20 Jahre hinweg etwa 216 Tonnen CO₂-Äquivalente. Im Gegensatz dazu reduziert eine moderne Pelletsheizung die Emissionen um 91,1 Prozent. Luft-Wasser-Wärmepumpen erzielen je nach Vorlauftemperatur eine Emissionsreduktion von etwa 78 bis 84 Prozent basierend auf dem österreichischen Strommix. Fernwärme bietet Einsparungen zwischen 56,8 und 77,5 Prozent. Der Austausch gegen einen modernen Öl-Brennwertkessel führt hingegen nur zu einer Reduktion von etwa 14 Prozent.
Um die Einsparungen greifbar zu machen, veranschaulichte Gumpetsberger, dass eine Reduktion um 91,1 Prozent, also um 197 Tonnen, den Emissionen einer Pkw-Fahrt von 68.404 Kilometern pro Jahr oder 48.754 Langstreckenflugkilometern entspricht.
Laut Gumpetsberger bringt der Heizungstausch mehrere Vorteile mit sich: „Erstens schaffen Hausbesitzer damit langfristige Kostensicherheit und machen sich unabhängig von volatilen fossilen Preisen.“ Zudem handle es sich um einen „enormen ökologischen Hebel“ mit einmaligem Aufwand. Auch Anton Berger, Landes- und Bundesinnungsmeister der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker, sieht dies so: „Ökologie und Ökonomie gehen einher“. Installateure seien Wichtig für eine umweltfreundliche Energieversorgung.
Klimaschutz und regionale Wertschöpfung
Über die ökologischen Aspekte hinaus weist die Studie auf wichtige volkswirtschaftliche Dimensionen hin. Der Umstieg auf erneuerbare Heizsysteme stärkt die regionale Wertschöpfung und verringert die Abhängigkeit von Energieimporten. Im Jahr 2024 mussten in Österreich rund 600.000 Tonnen des verwendeten Heizöls importiert werden. Allein in der Steiermark sind etwa 45.000 Ölheizungen aus der Zeit vor 2000 technisch überholt und somit potenziell austauschbar.
Im Rahmen der Pressekonferenz reiht sich Gabriele Lechner, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Steiermark, die Ergebnisse in die Nachhaltigkeitsstrategie der Kammer ein. Eine unter steirischen Unternehmen durchgeführte Umfrage habe gezeigt, dass 84 Prozent nachhaltiges Wirtschaften als entscheidenden Wettbewerbsfaktor erachten. Die vorliegende Studie ist eines der ersten Pilotprojekte zur konkreten Umsetzung dieser Strategie.


