Lagerhaus Hollabrunn-Horn: 20 Jahre Entwicklung und Herausforderungen
Das Lagerhaus Hollabrunn-Horn hat in den letzten zwei Jahrzehnten einen signifikanten Wandel durchlaufen, der neue Herausforderungen und Chancen mit sich brachte. Geschäftsführer Rudolf Grubauer, der seit 2020 im Amt ist, reflektiert über die Vergangenheit, die Schwierigkeiten und die Aussichten der Genossenschaft. Darüber berichtet Welt Stimme.
Der bedeutendste Meilenstein in der Geschichte des Lagerhauses war die Fusion der Genossenschaften Hollabrunn und Horn im Jahr 2004, die laut Grubauer sowohl organisatorisch als auch wirtschaftlich und menschlich prägend war. „Diese Zusammenführung war entscheidend, da die Verhältnisse damals ähnlich schwierig wie heute waren“, so Grubauer.
Strukturwandel nach dem EU-Beitritt
Die frühen 2000er-Jahre waren prägend für die Landwirtschaft, die mit drastischen Preisveränderungen und neuen Marktmechanismen konfrontiert war, insbesondere nach dem EU-Beitritt. Viele kleinere Betriebe gaben auf, was zu einem Verlust wertvoller Kunden führte. „Der ursprüngliche Raiffeisen-Gedanke – Hilfe für viele kleine Betriebe – musste an neue Realitäten angepasst werden“, erklärt Grubauer.
In der Folge wurden einige kleine Standorte aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen, während gleichzeitig ein starker Automatisierungsschub einsetzte. Vor 20 Jahren begann das Lagerhaus, verschiedene Dienstleistungen zu automatisieren, was zur Reduzierung der Personalanzahl führte, jedoch die Gesamtzahl der Mitarbeiter von 520 auf 589 erhöhte.
Automatisierung, Digitalisierung und neue Sparten
Im Rahmen der Digitalisierung wurde das Sortiment erweitert: von Tankstellen im 24-Stunden-Automatikbetrieb bis hin zu spezialisierten Kompetenzzentren im Weinbau. „Wir haben gelernt, dass wir nicht überall alles anbieten sollten, sondern an wenigen Standorten richtig gut sein müssen“, so Grubauer weiter. Diese Fokussierung hat die Professionalität und Kundennähe signifikant gesteigert.
Darüber hinaus hat sich das Dienstleistungsangebot durch Fliesenverlegung, Badsanierungen und Fenster-Montageservice erweitert, wodurch das Lagerhaus sich von einem klassischen Händler zu einem Komplettanbieter entwickelt hat. „Vor 20 Jahren begannen wir in unserer 100-prozentigen Tochter Lapro in Stockerau, die Erdäpfel vor dem Verpacken zu waschen“, ergänzt Grubauer.
Technologischer Fortschritt in der Landwirtschaft
Die technologischen Fortschritte im Agrarbereich sind bemerkenswert. GPS-gestützte Lenksysteme, die vor 20 Jahren noch eine Vision waren, sind heute Standard. Automatisierte Saatgutaufbereitung und digitale Plattformen prägen den Alltag der Landwirte. Mit dem eigenen Online-System „OnFarming“ können Landwirte heute ihre Geschäfte effizient abwickeln, was den Markt weiter revolutioniert.
Mitarbeiter im Wandel der Zeit
Die internen Prozesse des Unternehmens haben sich ebenfalls grundlegend verändert. Digitale Zeiterfassung, Mitarbeiter-Apps und elektronische Gehaltszettel sind mittlerweile Standard, was zeigt, wie das Lagerhaus den Fortschritt angenommen hat. Grubauer kommentiert: „Anfangs gab es Skepsis, aber heute möchte das niemand mehr missen.“
KI, Beratung und neue Kompetenzen
Künstliche Intelligenz hat ebenfalls Einzug gehalten, beispielsweise in der Werkstatt und für die rechtliche Beratung. Verkäufer müssen heute über umfangreiche Kenntnisse verfügen und kontinuierliche Schulungen werden zu zentralen Erfolgsfaktoren.
Blick in die Zukunft
Die kommenden Jahre bringen weiterhin Herausforderungen, insbesondere im Agrar- und Energiebereich. Grubauer erwartet, dass Digitalisierung und hybride Modelle an Bedeutung gewinnen werden. „Unsere oberste Priorität ist es, die Märkte sowie den Mitarbeiterstand zu halten“, fügt er hinzu, während er auf die zukünftigen Entwicklungen verweist.


