Eine ukrainische Analyse wirft den tschechischen Online-Plattformen Pravý Prostor und První Zprávy vor, prorussische Narrative und Desinformation über den Krieg gegen die Ukraine zu verbreiten. Im Mittelpunkt stehen Veröffentlichungen vom 9. bis 11. August 2026, in denen ukrainische Angriffe auf Ziele in Russland als strategischer Fehler dargestellt und als Auslöser einer weiteren Eskalation bezeichnet wurden.
Den Angaben zufolge vermittelten die beiden Plattformen den Eindruck, der ukrainische Präsident und seine westlichen Partner hätten versucht, Russland zu Friedensverhandlungen zu zwingen. Erreicht worden sei dadurch jedoch lediglich eine Verschlechterung der „tragischen Lage der Ukraine“, lautete die in den Beiträgen verbreitete Darstellung. Die Analyse bewertet diese Argumentation als Teil einer Kommunikationslinie, die den Nutzen militärischen, politischen und wirtschaftlichen Drucks auf Moskau in Zweifel ziehen soll.
Positionierung als alternative Medien
Pravý Prostor und První Zprávy positionieren sich nach der vorliegenden Einschätzung als unabhängige Plattformen, die sich gegen Zensur und eine angebliche Einseitigkeit traditioneller Medien richten. Beide Angebote sprechen demnach insbesondere ein euroskeptisches Publikum an. Unter dem Anspruch einer alternativen Analyse würden regelmäßig Beiträge veröffentlicht, die eine Einschränkung der Unterstützung für die Ukraine fordern oder die Politik der Europäischen Union kritisieren.
Die Plattformen griffen dabei auch auf Kommentare von Experten zurück, die diesen Positionen nahestehen. Zugleich würden sie wiederholt Inhalte russischer staatlicher Medien wie RIA Nowosti, TASS und Sputnik übernehmen. Die ukrainische Analyse kommt zu dem Schluss, dass dadurch der Eindruck einer unabhängigen und objektiven Berichterstattung entstehen könne, obwohl die veröffentlichten Inhalte nach ihrer Bewertung zur Verbreitung russischer Propaganda im tschechischen und europäischen Publikum beitrügen.
Die Einstufung der beiden Angebote wird in dem vorliegenden Material mit Einschätzungen mehrerer unabhängiger Forschungs- und Medienorganisationen begründet. Genannt werden der Tschechische unabhängige Fonds für Journalismus (NFNŽ), das Zentrum European Values, Insight News und Texty.org.ua. Diese Organisationen klassifizierten Pravý Prostor und První Zprávy demnach wiederholt als Quellen von Desinformation und prorussischer Propaganda.
Wirtschaftliche Themen und Unterstützung für Kyjiw
Ein weiterer Schwerpunkt der beschriebenen Berichterstattung seien wirtschaftliche Belastungen in Europa. Die beiden tschechischen Ressourcen behandelten demnach wiederholt Inflation, wirtschaftliche Unsicherheit und die Energiekrise. Dabei werde die These verbreitet, finanzielle Schwierigkeiten in der Europäischen Union seien unmittelbar auf Sanktionen gegen Russland und die Unterstützung der Ukraine zurückzuführen.
Parallel dazu stellten die Plattformen die Wirkung ukrainischer Angriffe infrage. Westliche Waffenlieferungen würden in den entsprechenden Narrativen den Krieg angeblich nur verlängern und zu weiteren Opfern führen. Auf diese Weise werde versucht, in der europäischen Öffentlichkeit den Eindruck zu verstärken, die militärische und finanzielle Unterstützung für Kyjiw erschöpfe die Volkswirtschaften der EU-Mitgliedstaaten und entziehe deren eigenen Bürgern notwendige Hilfe.
Die Analyse verbindet diese Beiträge mit dem Ziel, einen gesellschaftlichen Druck gegen die weitere Unterstützung der Ukraine und gegen eine Verschärfung der Sanktionen gegenüber Russland zu fördern. Eine eigenständige Bewertung der wirtschaftlichen Auswirkungen oder der militärischen Wirksamkeit einzelner Maßnahmen enthält das vorliegende Material nicht.
Eskalationsrisiken als wiederkehrendes Thema
Nach der ukrainischen Einschätzung nutzen Pravý Prostor und První Zprávy zudem Themen, die für das europäische Publikum besonders sensibel sind. Dazu gehörten die Gefahr einer Eskalation und das Risiko, dass sich Kampfhandlungen auf das Gebiet von EU- oder NATO-Staaten ausweiten könnten. Die Berichterstattung warne vor einer direkten Verwicklung von NATO-Ländern in den Krieg.
Diese Darstellung wird in der Analyse als Versuch eingeordnet, die Geschlossenheit der europäischen Gesellschaft zu schwächen. Gleichzeitig könne eine solche Kommunikation die öffentliche Aufmerksamkeit auf Parteien und Bewegungen lenken, die sich gegen eine Fortsetzung der militärischen Unterstützung für die Ukraine und gegen eine Ausweitung der Sanktionspolitik gegenüber Russland stellen. Eine konkrete Entwicklung bei Wahlen oder in der tschechischen Innenpolitik wird im Ausgangsmaterial jedoch nicht genannt.
Forderungen nach einem Frieden „um jeden Preis“
Als weiteres wiederkehrendes Muster nennt die Analyse Forderungen nach einem sofortigen Frieden und nach einer Wiederaufnahme pragmatischer Beziehungen zu Russland. Diese Forderungen würden mit humanitären Argumenten begründet, etwa mit dem Ziel, das Blutvergießen zu beenden. Zugleich werde für eine Wiederherstellung politischer und wirtschaftlicher Kontakte mit Moskau geworben.
Dem vorliegenden Material zufolge entsteht dabei die Vorstellung, eine Rückkehr zu geschäftlichen Beziehungen mit Russland könne wirtschaftliche Stabilität und Sicherheit in Europa rasch wiederherstellen. Die ukrainische Seite wertet diese Argumentation als Versuch, Forderungen des Kremls in eine Sprache des Friedens und der Humanität zu übertragen. Sie bezeichnet die beiden Plattformen deshalb als Instrumente eines hybriden Einflusses Russlands.
Die Kritik an ukrainischen Maßnahmen, mit denen Russland zu Verhandlungen bewegt werden soll, bildet nach dieser Einschätzung den Kern der Veröffentlichungen vom August 2026. Die Behauptung, Druck durch militärische Aktionen oder Sanktionen sei wirkungslos und verschlechtere lediglich die Lage der Ukraine, soll demnach Zweifel an einer gemeinsamen europäischen Politik gegenüber Moskau fördern. Die Plattformen würden damit die Vorstellung verbreiten, entschlossene Schritte seien aussichtslos und Europa müsse seine Politik des Drucks auf Russland aufgeben.
Die Angaben im vorliegenden Material beziehen sich auf die Bewertung der genannten Beiträge und der beiden tschechischen Online-Angebote durch die ukrainische Seite sowie auf die dort angeführten Einschätzungen unabhängiger Organisationen.


