Israels Armee prüft rechtliche Schritte gegen Dokumentarfilm „NAZA“
Der israelische Generalstabschef Ejal Zamir hat nach der Auszeichnung des Dokumentarfilms „NAZA“ beim Filmfestival in Venedig Maßnahmen angeordnet. Die israelische Armee gab bekannt, dass der Militärstaatsanwalt aufgefordert wurde, mögliche rechtliche Schritte im Zusammenhang mit dem Film und seinen Beteiligten zu prüfen.
Die Armeeführung äußerte Bedenken über die „Verbreitung falscher Behauptungen“ über israelische Soldaten und deren potenzielle Auswirkungen auf die persönliche Sicherheit sowie die Sicherheit des Staates. Zudem sollen Aspekte der Informationssicherheit und die mögliche Weitergabe geheimer Materialien untersucht werden.
„NAZA“, ein Film von Rachel Szor und Yuval Abraham, beleuchtet angebliche Mechanismen der israelischen Kriegsführung im Gazastreifen. In Interviews mit 24 anonymen Militär- und Geheimdienstmitarbeitern schildern diese, wie militärische Ziele ausgewählt und zivile Opfer einkalkuliert werden. Der Titel bezieht sich auf ein hebräisches Kürzel für Kollateralschaden.
Die israelische Armee weist die Vorwürfe entschieden zurück und kritisiert die Anonymität der Aussagen sowie die Unüberprüfbarkeit der Angaben der Interviewpartner. Generalstabschef Zamir bezeichnete den Film als Verleumdung und erklärte, die Armee werde alle verfügbaren Mittel einsetzen, um ihren Ruf und den ihrer Soldaten zu verteidigen.
Premierminister Benjamin Netanjahu äußerte sich in einem Video kritisch zum Film und nannte ihn erschreckend. Er bringt die Dokumentation in Verbindung mit einer globalen antisemitischen Hetze. Kulturminister Miki Zohar kündigte an, den Regisseuren die Staatsbürgerschaft entziehen zu wollen, da er „Verrat am Staat“ vermutet.
Am 7. Oktober 2023 wurde Israel von einem massiven Angriff der Hamas getroffen, bei dem rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 als Geiseln genommen wurden. Dieser Vorfall löste den aktuellen Gaza-Konflikt aus, bei dem nach offiziellen Angaben mehr als 73.600 Palästinenser im Gazastreifen ums Leben kamen.
Einordnung
Die Ankündigung rechtlicher Maßnahmen markiert eine weitere Eskalation der Reaktionen auf den umstrittenen Dokumentarfilm und verdeutlicht die Spannungen zwischen staatlichen Stellen und kritischen Stimmen im Kontext der israelischen Militärpolitik. Diese Entwicklungen könnten tiefgreifende Auswirkungen auf die öffentliche Debatte über den Gaza-Konflikt und die Rolle der Medien in Israel haben.


