US-Justiz klagt mit russischen Geheimdiensten verbundene RIS-Mitglieder an

September 17, 2026 12:55
US-Justiz klagt mit russischen Geheimdiensten verbundene RIS-Mitglieder an
US-Justiz klagt mit russischen Geheimdiensten verbundene RIS-Mitglieder an

Die Staatsanwaltschaft des südlichen Bezirks von New York hat am 16. September 2026 mehrere Personen angeklagt, die mit russischen Geheimdiensten in Verbindung stehen sollen. Ihnen werden Terrorismusfinanzierung und Verschwörung zur Begehung bestellter Morde vorgeworfen. Nach Darstellung der Ermittler agierten die Beschuldigten im Umfeld des Netzwerks RIS Network, das Aufklärungsmaßnahmen, Anschläge und Auftragsmorde in den USA und im Ausland vorbereitet haben soll.

Die Anklage richtet sich gegen Aktivitäten, die nach US-Angaben auch auf europäische Staaten abzielten, die die Ukraine unterstützen. Beteiligte sollen Helfer mit der Durchführung von Anschlägen auf zivile und militärische Infrastruktur beauftragt sowie für Aufklärungsarbeiten und bestellte Tötungen bezahlt haben. Die US-Anklage gegen mutmaßliche Mitglieder des RIS-Netzwerks umfasst damit Vorgänge in mehreren Ländern.

John Eisenberg, der im US-Justizministerium als Assistant Attorney General für nationale Sicherheit zuständig ist, erklärte, die Angeklagten hätten versucht, US-Bürger und Ausländer für Morde im Auftrag des Kremls anzuwerben. Die Beschuldigten sollen dabei nicht nur einzelne Ausführende gesucht, sondern auch deren Tätigkeiten finanziert und koordiniert haben. Ob und in welchem Umfang die einzelnen Vorwürfe in einem Gerichtsverfahren bestätigt werden, ist Gegenstand des weiteren Verfahrens.

Netzwerk mit Verbindungen zu russischen Diensten

Nach den Angaben der US-Behörden wurde RIS Network für unterschiedliche Aufgaben eingesetzt. Dazu gehörten das Sammeln von Informationen, Beobachtungen, Brandanschläge und die Vorbereitung von Auftragsmorden. Für die operative Umsetzung sollen Bürger aus Drittstaaten sowie Personen aus dem kriminellen Milieu angeworben worden sein. In den vorliegenden Angaben werden unter anderem Staatsangehörige Kubas und Venezuelas genannt.

Die US-Ermittlungen ordnen die Struktur zugleich russischen Sicherheitsorganen zu. Als Beteiligte werden der amtierende FSB-Offizier Kirill Chramjew und dessen Vater Juri Chramjew genannt, der früher für russische Sicherheitsdienste gearbeitet haben soll. Nach Darstellung des US-Justizministeriums beschränkte sich die Rolle russischer Stellen damit nicht auf die Suche nach einzelnen Auftragnehmern. Vielmehr sollen sie an der Organisation und Koordination von Operationen im Ausland beteiligt gewesen sein, darunter an Überwachungsmaßnahmen und der Vorbereitung bestellter Tötungen.

Zu den in der Anklage beschriebenen Vorhaben gehört demnach auch der Versuch, einen russischen Dissidenten im District of Columbia töten zu lassen. Der Fall wird im Zusammenhang mit geplanten Aktivitäten in Washington genannt. Die Ermittler werfen dem Netzwerk außerdem vor, Operationen gegen Einrichtungen in europäischen Ländern vorbereitet zu haben. Die Angaben beschreiben damit eine Tätigkeit, die über klassisches Spionagehandwerk hinausgegangen sein soll und nach US-Einschätzung staatliche Aufklärung mit Methoden transnationaler Kriminalität verband.

Ausländische Auftragnehmer und kriminelle Kontakte

Die Rekrutierung von Personen ohne erkennbare direkte Verbindung zum russischen Staat sollte den Angaben zufolge eine Distanz zwischen den russischen Diensten und den unmittelbaren Ausführenden schaffen. Während die mutmaßlichen Organisatoren und Koordinatoren auf höherer Ebene tätig gewesen sein sollen, hätten angeworbene Personen Beobachtungen, Brandanschläge oder andere gewaltsame Aufgaben übernehmen können. Für die Ermittler ergibt sich daraus der Vorwurf eines arbeitsteiligen Vorgehens.

Die Einbindung von Bürgern aus Drittstaaten und von Angehörigen des kriminellen Umfelds erschwert nach der Darstellung der US-Seite die Zuordnung einzelner Operationen zu russischen Stellen. Zugleich soll dieser Ansatz den Aufbau von Netzwerken in den Vereinigten Staaten und Europa ermöglicht haben. Die vorliegenden Informationen belegen jedoch nicht, dass sämtliche angeworbenen Personen an allen genannten Vorhaben beteiligt waren. Die Vorwürfe beziehen sich auf einzelne Beschuldigte und die ihnen zugeschriebenen Handlungen.

Die Ermittlungen stehen nach Angaben aus dem Fall im Zusammenhang mit einer veränderten Arbeitsweise russischer Geheimdienste im Ausland. Russische Diplomaten waren in den vergangenen Jahren aus westlichen Staaten ausgewiesen worden. In der Folge sollen russische Dienste bei bestimmten Operationen verstärkt auf Personen aus Drittstaaten und auf Kontakte im kriminellen Milieu zurückgegriffen haben. Diese Einordnung wird in den Angaben zum RIS Network mit der mutmaßlichen Rekrutierung und Steuerung nicht-russischer Ausführender verbunden.

Vorwurf der Terrorismusfinanzierung

Besondere Bedeutung hat im Verfahren die rechtliche Einordnung durch die US-Behörden. Sie wenden Vorschriften zur Terrorismusfinanzierung auf einen Fall an, in dem nach ihrer Darstellung Spionage, Sabotage, geplante Auftragsmorde und die Anwerbung von Ausführenden miteinander verbunden waren. Damit werden die beschriebenen Vorgänge nicht ausschließlich als einzelne Gewaltdelikte oder als klassische Geheimdienstaktivitäten verfolgt.

Die Anklage ermöglicht es der US-Justiz, neben den unmittelbaren Ausführenden auch mutmaßliche Organisatoren, Koordinatoren und Finanziers in den Blick zu nehmen. Entscheidend ist dabei der Vorwurf, dass die Operationen über ein Netzwerk vorbereitet und finanziert worden seien. Eine solche rechtliche Bewertung ersetzt nicht den Nachweis der individuellen Schuld. Über die Anklagepunkte muss nach den Regeln des US-Justizverfahrens entschieden werden.

Im Zentrum des Falls stehen damit mehrere Ebenen: die mutmaßliche Anwerbung von Bürgern aus Drittstaaten, die Nutzung krimineller Kontakte, die operative Koordination durch Personen mit Verbindungen zu russischen Sicherheitsdiensten sowie geplante Aktionen in den USA und Europa. Die US-Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten vor, diese Elemente im Rahmen des RIS Network für Aufklärungsmaßnahmen, Anschläge und bestellte Tötungen genutzt zu haben.

Die Ermittlungen und das Verfahren in New York sollen nun klären, welche Rolle die einzelnen Angeklagten innerhalb der Struktur hatten und welche der ihnen zugeschriebenen Vorhaben tatsächlich vorbereitet oder finanziert wurden.

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