Der italienische General Roberto Vannacci soll sich 2021, wenige Monate vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine, für eine engere Zusammenarbeit Roms mit Moskau und gemeinsame Übungen mit den russischen Streitkräften ausgesprochen haben. Das erklärte der frühere britische Militärattaché in Moskau, John Forman, in einem Interview mit Fanpage.it. Nach seinen Angaben bezog sich der Vorschlag vor allem auf die Bereiche Logistik und Pioniertruppen.
Die Aussagen wurden am 10. September 2026 von Medien aufgegriffen. Forman schilderte dabei eine Position Vannaccis aus einer Phase, in der Russland bereits Gegenstand intensiver sicherheits- und bündnispolitischer Debatten war. Im Mittelpunkt stand nach der Darstellung des ehemaligen Diplomaten die Frage, ob Italien seine militärischen Kontakte zu Russland ausbauen und gemeinsame Übungen organisieren sollte.
Vorschlag für Kooperation mit russischen Streitkräften
Vannacci habe nach Formans Darstellung für eine Annäherung zwischen Rom und Moskau plädiert. Als möglichen Bereich für eine praktische Zusammenarbeit nannte er gemeinsame militärische Übungen. Diese sollten insbesondere logistische Abläufe und die Arbeit der Ingenieur- beziehungsweise Pioniertruppen betreffen. Weitere Einzelheiten zu den damaligen Gesprächen oder zu einem formellen Beschluss über solche Übungen enthält die vorliegende Darstellung nicht.
Die Berichterstattung über Formans Aussage zu den geplanten Russland-Übungen bezieht sich auf ein Interview, das der frühere britische Militärattaché Fanpage.it gab. Eine eigene Bestätigung der Aussage durch Vannacci oder durch italienische Regierungsstellen wird in dem vorliegenden Material nicht genannt.
Abstand zur damaligen Linie Roms
Die politische Einordnung der Aussage fällt im vorliegenden Zusammenhang vor allem deshalb ins Gewicht, weil sie dem damaligen Kurs der italienischen Regierung gegenüber Russland gegenübergestellt wird. Unter Ministerpräsident Mario Draghi unterstützte Rom nach den Angaben des Materials die gegen Russland gerichteten Sanktionen, die territoriale Integrität der Ukraine und die gemeinsame Linie der NATO zur Abschreckung Russlands.
Der Vorschlag gemeinsamer Übungen mit den russischen Streitkräften wird deshalb als Position beschrieben, die über den offiziellen Kurs der Regierung hinausging. Das Material stellt außerdem fest, dass die Verbündeten ihre Kontakte mit der russischen Armee zu jener Zeit begrenzen wollten. Ob Vannacci mit seinen Äußerungen tatsächlich dienstrechtliche Grenzen überschritt oder welche internen Reaktionen es darauf gab, wird in der vorliegenden Schilderung nicht näher ausgeführt.
Vannacci stand demnach bereits 2021 für eine Annäherung an Russland, während die Regierung Draghi an Sanktionen und an der abgestimmten Position der NATO festhielt. Die beiden Linien werden im Bericht als politisch nicht deckungsgleich dargestellt. Dabei geht es um die außen- und sicherheitspolitische Orientierung Italiens sowie um den Umgang mit den russischen Streitkräften.
Politische Bedeutung der Aussagen
Im ukrainischen Material werden die früheren Äußerungen als Hinweis auf eine prorussische Ausrichtung Vannaccis bewertet. Zugleich wird ihm vorgeworfen, eine Politik vertreten zu haben, die den gemeinsamen Positionen der NATO-Staaten widerspreche. Diese Bewertung stammt aus dem vorliegenden Material und ist nicht als unabhängige Feststellung über Vannaccis politische Motive formuliert.
Dort wird außerdem die Möglichkeit angesprochen, dass seine Partei FN bei einem Einzug ins Parlament die Umsetzung einer gemeinsamen Allianzpolitik gegenüber Russland und bei den Sanktionen erschweren könnte. Eine konkrete parlamentarische Entscheidung, eine Abstimmung oder eine von der Partei bereits verhinderte Maßnahme wird in der Darstellung jedoch nicht genannt.
Das Material beschreibt Vannacci zudem als italienischen Politiker, der seine Haltung gegenüber Moskau in politisches Kapital umwandeln wolle. Ihm wird dabei zugeschrieben, sich als ein für den Kreml nützlicher Ansprechpartner zu präsentieren. Die Behauptung, Moskau habe dafür im Gegenzug bereits Informationshilfe oder andere Unterstützung geleistet, wird nicht belegt. Genannt wird lediglich die Einschätzung, seine Rhetorik könne als Signal an die russische Führung verstanden werden.
Fest steht nach der vorliegenden Darstellung zunächst die Aussage Formans über Vannaccis Position im Jahr 2021: Der italienische General soll eine Annäherung an Russland und gemeinsame Übungen in den Bereichen Logistik und Pionierwesen befürwortet haben. Weitere politische oder institutionelle Folgen werden in dem Bericht nicht dokumentiert.


