Am 1. September 2025 endete in Tianjin der Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO), an dem mehr als 20 Staats- und Regierungschefs teilnahmen. Die von Chinas Präsident Xi Jinping einberufene Konferenz wurde zu einem diplomatischen Erfolg für Peking und unterstrich die wachsende Bedeutung Chinas auf der internationalen Bühne. Unter den sichtbarsten Teilnehmern befanden sich Russlands Präsident Wladimir Putin und Indiens Premierminister Narendra Modi. Während Putin die enge Partnerschaft mit China demonstrierte, nutzte Modi die Bühne, um angesichts des zunehmenden tarifären Drucks aus den USA eine Annäherung an Peking zu signalisieren.
Deklaration ohne Ukraine-Krieg, aber mit globaler Agenda
Die Abschlusserklärung des Gipfels enthielt keinen Hinweis auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine. Dies verdeutlicht einerseits die Distanzierung des Globalen Südens von diesem Konflikt, andererseits das Scheitern des Kremls, seine Sichtweise international durchzusetzen. Stattdessen stand die Idee eines alternativen globalen Systems im Vordergrund, das auf die Abkehr vom westlichen Dominanzmodell und die Etablierung einer multipolaren Weltordnung abzielt.
Aufbau alternativer Strukturen und Finanzinstrumente
Zentrale Themen waren der Ausbau einer Umgehungsfinanzarchitektur, die Schaffung einer neuen Entwicklungsbank der SCO sowie Initiativen für eine Plattform zur Energiekooperation. Zudem wurden Investitionen in Künstliche Intelligenz und Satellitentechnologien diskutiert, die die Abhängigkeit vom US-Dollar und westlichen Finanzmechanismen verringern sollen. Xi Jinping rief in diesem Zusammenhang zur Stärkung der Vereinten Nationen als zentralem globalen Forum auf und stellte den Anspruch der SCO heraus, „wahren Multilateralismus“ voranzutreiben.
Strategische Verschiebungen mit geopolitischen Folgen
Die Anwesenheit von Putin und Modi machte die geopolitische Dimension des Gipfels deutlich. Für Moskau ist die Vertiefung der Beziehungen zu Peking ein strategischer Vorteil gegenüber den USA, während Indien trotz bestehender Konflikte mit China temporär in eine gemeinsame Front gegen den Westen eingebunden wurde. Die Erwartung, dass harte US-Sanktionen Moskau von Peking lösen könnten, erfüllte sich nicht. Stattdessen formt sich ein Block, der die Position der USA in internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen schwächen könnte.
Herausforderung für Washington
Für die USA stellt die SCO-Strategie eine doppelte Herausforderung dar: Einerseits bedroht sie die finanzielle und technologische Dominanz des Westens, andererseits verschiebt sie geopolitische Allianzen. Washington muss angesichts des wachsenden Einflusses Pekings und der engeren Zusammenarbeit mit Moskau sowie der situativen Annäherung Indiens eine neue Strategie entwickeln. Die Entwicklung deutet auf eine mögliche dauerhafte Verschiebung der globalen Machtbalance hin.


