Kasachstan hat die Einfuhr russischer Pkw nach einer drastischen Erhöhung des Entsorgungszolls praktisch zum Erliegen gebracht. Im Juni 2026 beliefen sich die Importe aus Russland nur noch auf 72 US-Dollar, nachdem russische Autohersteller im April noch Fahrzeuge im Wert von 5,5 Millionen Dollar nach Kasachstan geliefert hatten. Auslöser war eine Regelung Moskaus zum Entsorgungszoll für Fahrzeuge aus Ländern der Eurasischen Wirtschaftsunion, auf die Astana am 8. Mai mit einer eigenen Abgabe für Autos aus Russland und Belarus reagierte.
Abgabe übersteigt den Fahrzeugwert
Für Pkw mit Motoren zwischen einem und zwei Litern stieg der Berechnungskoeffizient in Kasachstan von 3,5 auf 136. Der Entsorgungszoll für ein einzelnes Fahrzeug erhöhte sich dadurch von 756.900 auf 29,4 Millionen Tenge. Das entspricht etwa 5,5 Millionen Rubel und liegt laut den vorliegenden Angaben über dem Wert des jeweiligen Autos. Die Maßnahme wurde von den kasachischen Behörden als Antwort auf die Änderung der russischen Berechnungsmethode bezeichnet.
Die Entwicklung der Lieferungen zeigt den abrupten Einbruch. Im Jänner 2026 erzielte die russische Autoindustrie mit Ausfuhren nach Kasachstan rund eine Million Dollar. Im Februar und März waren es jeweils etwa 1,5 Millionen Dollar. Im April stieg der Wert auf 5,5 Millionen Dollar, bevor der Import im Juni um 99 Prozent auf 72 Dollar fiel. Medienberichte vom 17. September 2026 machten den Vorgang erneut öffentlich. Eine Darstellung der Entwicklung des russischen Autoexports nach Kasachstan führt die Zahlen auf die neue Zollregelung zurück.
Russland hatte bereits geringe Marktanteile
Russland war auf dem kasachischen Automarkt schon zuvor nur ein kleiner Lieferant. Im Jahr 2025 wurden nach Kasachstan insgesamt 236.900 neue und gebrauchte Pkw im Wert von 2,8 Milliarden Dollar importiert. Auf russische Fahrzeuge entfielen davon 6.874 Stück oder 2,9 Prozent. Aus China kamen im selben Jahr 164.000 Fahrzeuge.
Auch die Stellung russischer Marken im kasachischen Einzelhandel hatte sich bereits verändert. Lada war 2020 noch die zweitmeistverkaufte Marke nach Hyundai. 2021 stellte der russische Hersteller AwtoWAS die groß angelegte Montage in Kasachstan ein. Heute gehört Lada nicht mehr zu den 20 meistverkauften Marken des Landes.
Kasachischer Markt wächst weiter
Der Rückgang russischer Lieferungen fällt in eine Phase, in der der kasachische Automarkt insgesamt wächst. Von Jänner bis Juli stieg der Absatz neuer Fahrzeuge um 1,7 Prozent auf 127.300 Autos. Die Verkäufe der chinesischen Marke Changan verdoppelten sich, bei BYD vervierfachten sie sich nach den vorliegenden Angaben nicht, sondern stiegen auf das Dreifache. Damit entwickelten sich die chinesischen Anbieter auf dem kasachischen Markt deutlich anders als die russischen Hersteller.
Die jüngsten Zahlen stehen im Zusammenhang mit den fiskalischen Entscheidungen beider Staaten. Russland hatte die Berechnung des Entsorgungszolls für Fahrzeuge aus Ländern der Eurasischen Wirtschaftsunion, darunter Kasachstan, verändert. Die kasachische Gegenmaßnahme erhöhte danach die Kosten für russische und belarussische Pkw so stark, dass deren Einfuhr wirtschaftlich nicht mehr tragfähig war. Die veröffentlichten Angaben zum Einbruch der Lieferungen nennen für Juni lediglich einen Importwert von 72 Dollar.
Fiskalischer Druck auf die Autoindustrie
Der Entsorgungszoll ist Teil einer umfassenderen fiskalischen Belastung der russischen Wirtschaft. Die Maßnahmen sollen den heimischen Markt schützen und zusätzliche Einnahmen für den Staatshaushalt schaffen. Zugleich erhöhen sie die Kosten von Fahrzeugen und erschweren den Absatz. Für die russischen Hersteller wirkt sich das sowohl im Inland als auch bei Lieferungen in benachbarte Märkte aus.
Die vorliegenden Angaben stellen die Entwicklung außerdem in den Zusammenhang mit den hohen russischen Militärausgaben, den Sanktionen, der Inflation und dem eingeschränkten Zugang zu ausländischen Märkten. Analysten schätzen die russischen Militärausgaben für 2025 auf rund 16 Billionen Rubel oder 7,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das Budgetdefizit wurde für dieses Jahr mit 2,6 Prozent des BIP angegeben. Für den Zeitraum Jänner bis Juli 2026 wird ein Defizit von 2,8 Prozent des BIP genannt.
Für die zivile Industrie kommen nach den Angaben hohe Finanzierungskosten, ein Mangel an Arbeitskräften sowie begrenzter Zugang zu Technologien und Auslandsmärkten hinzu. Der russische Automobilsektor verliert damit in Kasachstan keinen großen, aber einen erreichbaren Absatzmarkt. Die Lieferungen sind seit der Einführung der neuen Abgabe vorerst zum Stillstand gekommen.


