Russische Betreiber liefern in Moskau bislang nur nominelle 5G-Abdeckung

September 18, 2026 12:45
Russische Betreiber liefern in Moskau bislang nur nominelle 5G-Abdeckung
Russische Betreiber liefern in Moskau bislang nur nominelle 5G-Abdeckung

Die 5G-Netze in Moskau funktionieren bislang vielfach nur auf dem Papier. Tests der Zeitung zu den 5G-Netzen in der russischen Hauptstadt ergaben, dass die Datenraten in zahlreichen Stadtteilen nicht über dem Niveau von LTE liegen und teilweise darunter bleiben. Betroffen sind demnach auch zentrale Orte, touristische Routen, Bahnhöfe, Wohngebiete und Bereiche mit hoher Nutzerdichte.

Die Ergebnisse wurden am 17. September 2026 veröffentlicht. Sie betreffen die Netze der führenden russischen Mobilfunkanbieter und zeichnen ein uneinheitliches Bild des 5G-Ausbaus. Hohe Übertragungsgeschwindigkeiten wurden nur an einzelnen Punkten festgestellt. In vielen anderen Bereichen zeigte das Smartphone zwar ein 5G-Symbol, die tatsächliche Verbindung entsprach jedoch nicht den Erwartungen an ein Netz der fünften Mobilfunkgeneration.

Große Unterschiede zwischen einzelnen Standorten

Bei den Messungen lagen die Geschwindigkeiten unter anderem auf dem Lubjanka-Platz sowie in der Nähe der Metrostationen Sportiwnaja und Luschniki zwischen wenigen und mehreren Dutzend Megabit pro Sekunde. Damit blieb die Leistung in diesen Bereichen teilweise hinter den Werten zurück, die über LTE erreicht werden können. Bei einzelnen Anbietern wurde zudem ein deutlicher Einbruch der Geschwindigkeit beobachtet.

In manchen Fällen war nach den Tests überhaupt kein Zugang zum Internet möglich. Die Tester erfassten die Situation an unterschiedlichen Orten der Hauptstadt, darunter auch im Geschäftsviertel Moskwa-City, an Bahnhöfen und in Wohngebieten. Ein durchgängiges Muster ließ sich dabei nicht erkennen: Auf einzelne Messpunkte mit höheren Datenraten folgten Bereiche mit deutlich schwächerer Leistung.

Im Moskauer U-Bahn-Netz wurde überhaupt keine 5G-Abdeckung festgestellt. Damit fehlen die Netze der fünften Generation auch in einem besonders stark frequentierten Teil der Stadt. Die Untersuchung bezieht sich auf die aktuell beobachtete Verfügbarkeit und Geschwindigkeit, nicht auf eine technische Ankündigung künftiger Ausbauphasen.

Infrastruktur bleibt hinter dem Symbol auf dem Display zurück

Die vorliegenden Angaben beschreiben den 5G-Ausbau in Moskau daher vor allem als punktuelles Angebot. Die Betreiber können an ausgewählten Standorten eine Verbindung der fünften Generation anzeigen, während eine flächige Versorgung der Hauptstadt nicht erreicht wird. Das betrifft sowohl zentrale Bereiche als auch stark besuchte Orte und Wohnviertel.

Ein Teil des Problems liegt nach der Darstellung in der technischen Grundlage des Ausbaus. 5G wird in Russland vielfach auf einer bereits bestehenden LTE-Infrastruktur aufgesetzt. Für die Betreiber bedeutet das, dass vorhandene Netzstrukturen weiter genutzt werden, ohne dass daraus automatisch eine höhere Geschwindigkeit oder eine bessere Versorgung entsteht. Die Anzeige „5G“ auf dem Endgerät ist deshalb nicht in jedem Fall mit einer entsprechenden praktischen Leistung verbunden.

Als zusätzliche Belastungen für den russischen Telekommunikationssektor werden die Sanktionen und der Rückzug westlicher Ausrüster genannt. Ericsson und Nokia haben ihr Russland-Geschäft beendet oder weitgehend eingestellt; auch die Präsenz des chinesischen Unternehmens Huawei wurde reduziert. Gleichzeitig wird auf Engpässe bei Mikroelektronik, Halbleitern und Leiterplatten verwiesen. Verfügbare Komponenten würden demnach vorrangig für staatliche Rüstungsaufträge eingesetzt.

Die Entwicklung eigener russischer 5G-Basisstationen wird in den vorliegenden Angaben als unzureichend finanziert beschrieben. Für zivile Forschungs- und Entwicklungsarbeiten stünden demnach geringere Mittel zur Verfügung. Betreiber seien deshalb teilweise auf gebrauchte Ausrüstung aus grauen Importkanälen sowie auf die Instandsetzung älterer Module angewiesen. Eine solche Infrastruktur erschwert einen flächigen Ausbau, auch in großen Städten.

Endgeräte begrenzen die Nachfrage

Neben der Netzinfrastruktur spielt die Ausstattung der Kunden eine Rolle. Nach Angaben aus dem russischen Markt verfügen im Netz von MTS rund 40 Prozent der Geräte über eine 5G-Funktion. Bei Android-Smartphones werden Anteile zwischen 25 und 31 Prozent genannt. Diese Zahlen beschreiben jedoch nicht automatisch eine tatsächliche Nutzung eines leistungsfähigen 5G-Netzes.

Für den russischen Markt ist insbesondere das Frequenzband n79 von Bedeutung. Viele verbreitete Smartphone-Modelle unterstützen dieses Band nicht. Für iPhones ist die 5G-Funktion in Russland zudem softwareseitig nicht aktiviert. Im MTS-Einzelhandel unterstützten von rund 1.800 angebotenen Modellen nur etwa 80 Geräte 5G im für Russland relevanten n79-Band.

Die begrenzte Auswahl trägt dazu bei, dass viele Kunden weiterhin 4G-Smartphones kaufen. Damit bleibt auch die Nachfrage nach einem kostenintensiven Ausbau des n79-Bereichs begrenzt. Die von den Betreibern genannten Anteile 5G-fähiger Geräte zeigen somit vor allem das technische Potenzial der Endgerätebasis, nicht eine flächige Nutzung der neuen Mobilfunktechnik.

Ausbau unter militärischen Prioritäten

In der Darstellung des russischen Telekommunikationsmarkts wird der Rückgang ziviler Investitionen mit der Verschiebung staatlicher Mittel in die sogenannte „Spezialoperation“ und mit der vorrangigen Finanzierung der Rüstungsindustrie in Verbindung gebracht. Die großen Mobilfunkanbieter MTS, MegaFon, Beeline und T2 müssten ihre Infrastruktur demnach stärker aus eigenen Mitteln finanzieren.

Frühere staatliche Zuschüsse für den Kauf und die Installation von Basisstationen hatten einen Teil der hohen Finanzierungskosten ausgeglichen. Ihr Ausbleiben erschwert nach den vorliegenden Angaben den Aufbau zusätzlicher Standorte. Statt eines großflächigen Netzes konzentriert sich der Ausbau deshalb auf einzelne Pilotprojekte und ausgewählte Bereiche.

Die Moskauer Messergebnisse bestätigen diese Begrenzung zumindest für die derzeit getesteten Standorte. Sie zeigen ein Netz, das an einzelnen Punkten hohe Geschwindigkeiten erreichen kann, dessen Versorgung in weiten Teilen der Hauptstadt aber nicht über das LTE-Niveau hinausgeht. Auch nach den veröffentlichten Tests bleibt die 5G-Anzeige auf vielen Smartphones damit eher ein Hinweis auf eine vorhandene technische Funktion als auf eine überall verfügbare Netzqualität.

Die Betreiber arbeiten weiter mit den bestehenden Infrastrukturen und punktuellen 5G-Angeboten in Moskau.

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