Putin bringt russische Vermögenswerte von Auchan, Nestlé und Leroy Merlin unter Staatskontrolle

September 18, 2026 14:10
Putin bringt russische Vermögenswerte von Auchan, Nestlé und Leroy Merlin unter Staatskontrolle
Putin bringt russische Vermögenswerte von Auchan, Nestlé und Leroy Merlin unter Staatskontrolle

Der russische Präsident Wladimir Putin hat die russischen Vermögenswerte der internationalen Konzerne Auchan und Nestlé sowie der früheren Leroy-Merlin-Kette unter staatliche Kontrolle stellen lassen. Grundlage ist ein am 17. September unterzeichnetes Dekret, wonach die betroffenen Unternehmen und weitere Logistikgesellschaften zwangsweise an die russische Aktiengesellschaft „L.E.W. Management“ übertragen werden.

Das Dekret zur Übertragung der Vermögenswerte wurde auf dem russischen Portal für normative Rechtsakte veröffentlicht. Die Angaben wurden zunächst vom russischen Nachrichtendienst Interfax unter Berufung auf den Text der Verordnung verbreitet.

Neben den russischen Aktivitäten von Auchan und Nestlé erhält „L.E.W. Management“ demnach auch die Kontrolle über die Logistikunternehmen FM Logistics, Bati Logistics und die Gesellschaft „Le Monlid“. Letztere betrieb in Russland die frühere Leroy-Merlin-Kette, die inzwischen unter dem Namen „Lemana Pro“ auftritt.

Neue Gesellschaft ohne offengelegte Eigentümer

Nach Angaben aus russischen Unternehmensregistern wurde „L.E.W. Management“ erst im Oktober 2024 in Moskau eingetragen. Als Generaldirektor ist Andrej Krajusсhkin angegeben. Die tatsächlichen wirtschaftlichen Eigentümer der Gesellschaft wurden nicht offengelegt. Den Registerdaten zufolge hatte das Unternehmen vor der Übertragung keine erkennbare kommerzielle Tätigkeit ausgeübt.

Das Dekret ordnet damit die Übernahme der russischen Geschäftsteile mehrerer internationaler Unternehmen durch eine erst wenige Monate zuvor registrierte Gesellschaft an. Angaben zu einer Kaufpreiszahlung oder zu einer Entschädigung der bisherigen Eigentümer enthält die vorliegende Darstellung nicht.

Nestlé mit sechs Produktionsstandorten

Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé ist seit 1994 in Russland tätig. Das Unternehmen verfügt dort über sechs größere Produktionsstandorte in verschiedenen Regionen. Der gemeinsame Umsatz der wichtigsten russischen juristischen Personen von Nestlé belief sich 2021 auf knapp 30 Milliarden Rubel. Für die folgenden Jahre veröffentlichte der Konzern nach Beginn der russischen Vollinvasion in der Ukraine keine entsprechenden Zahlen mehr.

Auchan ist seit 2002 auf dem russischen Markt vertreten. Die französische Handelsgruppe betreibt dort nach den vorliegenden Angaben 230 Filialen in 100 Städten. Die russische Gesellschaft „Auchan“ gehört nahezu vollständig der französischen Sogepar.

Leroy Merlin firmierte zuletzt als Lemana Pro

Die französische Unternehmensgruppe Leroy Merlin war 2004 in den russischen Markt eingetreten. Das Unternehmen hatte sich lange geweigert, Russland zu verlassen. Später wurde die russische Handelskette in „Lemana Pro“ umbenannt. Sie umfasste zuletzt 112 Geschäfte und elf sogenannte Darkstores, also für Online-Bestellungen genutzte Lager- und Verkaufsstandorte.

Im Dezember 2023 wechselten 99,99 Prozent der russischen Gesellschaft „Le Monlid“ an die in den Vereinigten Arabischen Emiraten registrierte Scenari Holding LP. Die französische Adeo-Gruppe behielt formal lediglich 0,007 Prozent der Anteile. Trotz dieser Eigentumsänderung fällt die russische Gesellschaft nun unter die Kontrolle von „L.E.W. Management“.

Moskau kündigte Gegenmaßnahmen an

Die russischen Behörden hatten westlichen Staaten wiederholt mit der Beschlagnahmung von Vermögenswerten westlicher Unternehmen gedroht. Moskau bezeichnete solche Schritte als mögliche „symmetrische Antwort“ auf internationale Sanktionen und das Einfrieren russischer staatlicher Gelder im Ausland.

Bereits im Mai 2024 unterzeichnete Putin ein Dekret, das die Verwendung von US-amerikanischem Eigentum in Russland zur Entschädigung für Schäden durch die Einziehung russischer Vermögenswerte in den Vereinigten Staaten ermöglichen sollte. Der russische Präsident hatte die Nutzung russischer Gelder und die Festsetzung mit Russland verbundener Handelsschiffe zuvor als „Raub“ und „Piraterie“ bezeichnet. Russland werde auf Maßnahmen westlicher Staaten spiegelbildlich reagieren und deren Eigentum übernehmen, erklärte Putin damals.

Im Herbst 2025 beschleunigte die russische Führung vor dem Hintergrund von EU-Entscheidungen über Kredite für die Ukraine, die aus Erträgen eingefrorener russischer Vermögenswerte finanziert werden sollten, zudem das Verfahren zur Verstaatlichung ausländischer Unternehmen in Russland. Die Frist für die Bewertung von Vermögenswerten wurde auf zehn Tage verkürzt. Geschäfte mit beschlagnahmtem Eigentum sollten über die Promswjasbank abgewickelt werden, die auch das russische Verteidigungsministerium betreut.

Das nun veröffentlichte Dekret weitet die staatliche Kontrolle damit auf russische Geschäftsbereiche von Auchan, Nestlé, Leroy Merlin und mehreren Logistikunternehmen aus. Die betroffenen Gesellschaften und ihre Eigentumsverhältnisse bleiben Gegenstand der russischen Verfügungen.

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