Russland intensiviert GPS-Störungen an NATO-Grenzen

August 25, 2025 17:30
Russland intensiviert GPS-Störungen an NATO-Grenzen
Russland intensiviert GPS-Störungen an NATO-Grenzen

Am 24. August 2025 veröffentlichte der ukrainische Dienst von Radio Swoboda unter Berufung auf das Institute for the Study of War (ISW) eine Analyse, wonach der Kreml seine hybriden Operationen deutlich verschärft. Diese umfassen die Störung von GPS-Signalen und die Unterbrechung der Kommunikation in NATO-Staaten an der russischen Grenze.

Zunehmende Störungen im Ostseeraum

Mehrere europäische Länder entlang der Westgrenze Russlands und rund um die Ostsee – darunter die baltischen Staaten, Finnland, Polen und Schweden – berichten seit Monaten von einer Zunahme an GPS-Störungen und Signalverfälschungen. Parallel dazu wird ein Ausbau russischer Anlagen für elektronische Kriegsführung (EW) in Grenzregionen festgestellt. Laut Bloomberg haben Litauen, Lettland, Estland und Finnland bereits im Juni 2025 den Internationalen Fernmeldeunion (ITU) über diese Entwicklungen informiert und auf wachsende Probleme in der Luftfahrt sowie in kritischen Infrastrukturen hingewiesen.

Litauen meldete Ende Juli einen sprunghaften Anstieg von GPS-Störungen – 22 Mal mehr Vorfälle als im Vorjahr. In Estland waren 85 Prozent der Flüge von Signalproblemen betroffen. Auch Schweden und Polen schlossen sich den Warnungen an und wandten sich Anfang Juli an die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO).

Risiken für Luft- und Seeverkehr

Nach Einschätzung von Experten stellen die russischen Maßnahmen eine ernsthafte Gefahr für die zivile Luftfahrt dar. Gestörte GPS-Signale können zu Desorientierung im Flugverkehr führen, insbesondere in Regionen mit hohem Verkehrsaufkommen wie über der Ostsee oder an der polnischen Grenze. Ein solcher Ausfall erhöht das Risiko schwerer Zwischenfälle. Ähnliche Bedrohungen bestehen für die Schifffahrt, da gestörte Navigation zu Kollisionen, Havarien oder sogar Umweltkatastrophen führen könnte. Auch im Straßenverkehr, in der Landwirtschaft und in der Logistik beeinträchtigen Störungen das tägliche Leben.

Hybridstrategie gegen NATO-Staaten

Das ISW weist darauf hin, dass Russland Erkenntnisse und Technologien, die im Krieg gegen die Ukraine entwickelt wurden, nun systematisch gegen NATO-Staaten einsetzt. Bereits im März 2024 soll ein britisches Militärflugzeug mit dem damaligen Verteidigungsminister Grant Shapps durch russische Störaktionen gefährdet worden sein. Die Störungen dienen nach Einschätzung von Analysten nicht nur der operativen Beeinträchtigung, sondern auch als strategisches Druckmittel. Sie erlauben Moskau, Reaktionen des Bündnisses zu „testen“, ohne in einen offenen militärischen Konflikt einzutreten.

Forderung nach entschlossenem Vorgehen

Experten fordern, dass NATO-Staaten klare Schwellenwerte definieren, ab wann GPS-Störungen als gezielte Aggression gewertet werden müssen. Dazu gehören koordinierte Gegenmaßnahmen, wie die Stationierung eigener EW-Systeme an den Grenzen. Zudem könnten gezielte Sanktionen gegen russische Verantwortliche und Unternehmen, die an der Entwicklung und dem Einsatz von Störtechnologien beteiligt sind, Druck auf den Kreml erhöhen. Das ISW betont in seinem aktuellen Lagebericht, dass die internationale Gemeinschaft entschlossener handeln müsse, um die Risiken für zivile Sicherheit und internationale Stabilität einzudämmen.

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