Flüchtlingsdrama in Parndorf: zehn Jahre nach dem Tod von 71 Menschen

August 5, 2025 09:05
Flüchtlingsdrama in Parndorf: zehn Jahre nach dem Tod von 71 Menschen

71 Flüchtlinge in Lkw tod aufgefunden – Urteil gegen Schlepper

Eine schreckliche Entdeckung machte die Polizei, als sie einen Lastwagen öffnete, in dem 71 Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien, dem Irak und dem Iran verstorben waren. Der grausame Fund geschah auf ungarischem Staatsgebiet, wo die Flüchtlinge bereits am Vortag gestorben waren. Bei Eintreffen der Polizei trat bereits Verwesungsflüssigkeit aus dem Fahrzeug aus.

Unter den Opfern befanden sich 59 Männer, acht Frauen und vier Kinder, darunter drei Familien. Die burgenländische Justiz stellte fest, dass die Menschen nicht länger als drei Stunden in dem hermetisch geschlossenen Kühl-Lkw überleben konnten. Tage vergingen, bis die Leichen geborgen wurden, und Monate bis zur vollständigen Identifizierung; eine Person bleibt bis heute unbekannt.

Die rechtlichen Schritte fanden in Ungarn statt, da die Flüchtlinge mit großer Wahrscheinlichkeit bereits in diesem Land ums Leben gekommen waren. Die ungarischen Behörden übernahmen deshalb die Ermittlungen. Die Flüchtlinge waren an der ungarisch-serbischen Grenze von Schleppern aufgenommen und in den Lastwagen gepfercht worden. Zuständig für das Verfahren war die Staatsanwaltschaft Kecskemét, da der Lkw dort gestartet sein dürfte.

Im Juni 2018 wurden die vier Hauptverdächtigen zunächst zu jeweils 25 Jahren Haft verurteilt. Ein Jahr später wurden die Strafen im Berufungsverfahren auf lebenslang erhöht. Zudem erhielten zehn weitere Angeklagte Freiheitsstrafen zwischen vier und acht Jahren. Das Gericht betonte in seiner Urteilsbegründung, dass den Angeklagten bewusst war, dass die Menschen im geschlossenen Lkw ersticken könnten und dass der Laderaum von innen nicht zu öffnen war. Der Tod der Flüchtlinge sei eingetreten, weil den Schleppern ihr eigenes Untertauchen wichtiger gewesen sei als das Leben der 71 Menschen.

Der Fall sorgte sowohl national als auch international für große Betroffenheit und hatte weitreichende politische Konsequenzen. Nur wenige Tage nach Bekanntwerden der Tragödie begann eine massive Flüchtlingswelle, bei der Zehntausende über den Balkan und Österreich in Richtung Deutschland reisten.

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