Eine von der AfD geführte Landesregierung könnte das Wirtschaftswachstum in Sachsen-Anhalt nach Einschätzung des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) deutlich bremsen. Das Institut rechnet mit einem Rückgang des jährlichen Wachstums um etwa 0,5 bis 1 Prozentpunkt. Als wesentlichen Grund nennt das IWH eine fremdenfeindliche Rhetorik und Politik, die Arbeitsmigranten abschrecken könnte. Für mehrere Branchen des ostdeutschen Bundeslandes sind ausländische Beschäftigte von zentraler Bedeutung.
Über die Einschätzung des IWH wurde am 25. August 2026 berichtet. Der Direktor des Instituts, Reint Gropp, erklärte, das derzeitige Wirtschaftswachstum in Sachsen-Anhalt werde in erheblichem Maß durch Zuwanderung getragen. Gleichzeitig gehe die Zahl der deutschen Arbeitnehmer wegen der alternden Bevölkerung zurück.
Ausländische Beschäftigte in wichtigen Branchen
Nach den vom IWH angeführten Zahlen ist der Anteil ausländischer Beschäftigter in mehreren Bereichen besonders hoch. In der Lebensmittelindustrie, im Baugewerbe, in der Gastronomie und in der Logistik liegt er demnach zwischen 33 und 40 Prozent. Bei den Ärzten beträgt der Anteil rund 20 Prozent.
Gropp verwies darauf, dass ein Rückgang dieses Beitrags zur Wertschöpfung die regionale Wirtschaft treffen würde. Die Bedeutung ausländischer Arbeitskräfte beschränkt sich damit nicht auf einzelne Unternehmen oder wenige Tätigkeiten. Sie betrifft Branchen, in denen Beschäftigte für Produktion, Dienstleistungen, Versorgung und den laufenden Betrieb benötigt werden.
Das IWH stellt seine Prognose in Zusammenhang mit dem demografischen Wandel in Sachsen-Anhalt. Während die Zahl deutscher Arbeitnehmer sinkt, bleibt die Wirtschaft in verschiedenen Bereichen auf zusätzliche Arbeitskräfte angewiesen. Eine Politik, die Arbeitsmigranten abschreckt, könnte nach Einschätzung des Instituts daher den Zugang zu benötigten Beschäftigten erschweren.
AfD-Politik und wirtschaftliche Anforderungen
Damit entsteht ein Gegensatz zwischen zentralen politischen Forderungen der AfD und den Arbeitskräftebedürfnissen des Landes. Die Partei tritt gegen Arbeitsmigration auf, während die regionale Wirtschaft in der Medizin, im Bau, in der Logistik, in der Industrie und in weiteren Bereichen auf ausländische Beschäftigte angewiesen ist. Das IWH verbindet die mögliche Regierungsübernahme deshalb mit einem geringeren Wachstumstempo.
Die wirtschaftspolitischen Vorstellungen der AfD werden in den vorliegenden Einschätzungen außerdem mit Steuersenkungen, zusätzlichen Sozialausgaben und dem Verzicht auf neue Schulden beschrieben. Zugleich gehören Maßnahmen gegen Migration zu den politischen Forderungen der Partei. Eine Umsetzung dieser Vorhaben würde mehrere finanz- und arbeitsmarktpolitische Ziele gleichzeitig berühren.
Der Hinweis auf mögliche finanzielle Spannungen ist dabei an die von der AfD vertretene Kombination aus geringeren Steuereinnahmen, höheren Sozialausgaben und einer Begrenzung neuer Verschuldung geknüpft. Nach den vorliegenden Angaben könnte dies den Spielraum für öffentliche Investitionen einschränken und die Attraktivität des Landes für Investitionen beeinträchtigen. Eine solche Entwicklung würde die wirtschaftliche Position Sachsen-Anhalts im Vergleich zu wirtschaftlich stärkeren deutschen Ländern zusätzlich belasten.
Das IWH legt den Schwerpunkt seiner Einschätzung jedoch auf den Arbeitsmarkt. Entscheidend sei, dass die Zahl deutscher Beschäftigter aufgrund der Alterung der Bevölkerung zurückgeht, während ausländische Arbeitnehmer bereits heute in mehreren wichtigen Wirtschaftsbereichen einen hohen Anteil stellen. Eine politische Linie, die diese Gruppe verunsichert oder den Zuzug erschwert, würde nach der Prognose des Instituts den bestehenden Personalmangel verschärfen.
Die IWH-Einschätzung zur möglichen AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt bezieht sich auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und auf die Rolle der Migration für den regionalen Arbeitsmarkt. Der erwartete Effekt von 0,5 bis 1 Prozentpunkt weniger Wachstum pro Jahr ist dabei als Prognose für den Fall einer AfD-Regierungsübernahme formuliert.
Sachsen-Anhalt steht damit in der Darstellung des Instituts vor einer politischen und wirtschaftlichen Zielkonstellation: Die AfD verbindet migrationspolitische Restriktionen mit Versprechen bei Steuern und Sozialausgaben, während Unternehmen und öffentliche Einrichtungen in zentralen Bereichen auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen sind. Die weitere Debatte über die wirtschaftliche Ausrichtung des Landes wird diese Fragen miteinander verbinden.


