Die neue politische Kraft Futuro Nazionale des italienischen Politikers Roberto Vannacci will den Einsatz der italienischen Armee im Bereich der inneren Sicherheit deutlich ausweiten. Nach einem am 26. August 2026 veröffentlichten Medienbericht sieht das Programm unter anderem den verstärkten Einsatz von Soldaten zur Sicherung der Grenzen und zur Bekämpfung irregulärer Migration vor. Für die an solchen Operationen beteiligten Militärangehörigen sollen „spezielle Befugnisse und ein besonderer rechtlicher Status“ geschaffen werden. Ihre Aufgaben würden damit in der Praxis teilweise jenen von Polizeikräften angenähert.
Mehr militärische Aufgaben im Inland
Im Mittelpunkt des Vorschlags steht eine andere Gewichtung der Aufgaben des italienischen Heeres. Die Armee soll demnach nicht vorrangig an internationalen Missionen oder an der äußeren Abschreckung ausgerichtet werden, sondern stärker der Kontrolle des eigenen Staatsgebiets, der Grenzen und der öffentlichen Ordnung dienen.
Die Ausweitung wäre nicht nur eine Frage zusätzlicher Einsätze. Mit den vorgesehenen Sonderbefugnissen würde sich auch der rechtliche Rahmen für Soldaten verändern, die im Inland tätig sind. Der vorliegende Vorschlag beschreibt damit eine engere Verbindung zwischen militärischen und polizeilichen Funktionen. Welche konkreten Befugnisse damit verbunden wären, wird in dem Bericht nicht näher ausgeführt.
Die politische Debatte über Vannaccis Umfeld ist auch in Venetien sichtbar. Ein Bericht über einen politischen Streit in Venetien verweist auf die Auseinandersetzungen rund um ein Sommerfestival in Vedelago und die Reaktionen des Partisanenverbands ANPI. Der vorliegende Bericht stellt diesen Streit in den Zusammenhang mit dem politischen Umfeld, in dem Vannaccis neue Bewegung auftritt.
Distanz zu höheren NATO-Ausgaben
Vannacci lehnt außerdem eine Anhebung der Verteidigungsausgaben der NATO auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts ab. Ebenso wendet er sich gegen die europäische Initiative SAFE. Im Material wird SAFE als europäisches Verteidigungsprojekt genannt. Eine Zustimmung zu einer stärkeren finanziellen Beteiligung Italiens an solchen Vorhaben ist aus dieser Position nicht ersichtlich.
Parallel dazu bezeichnet Vannacci die Bedrohung durch Russland als übertrieben. Seine sicherheitspolitische Schwerpunktsetzung liegt nach der vorliegenden Darstellung daher nicht auf einer verstärkten äußeren Abschreckung, sondern auf der Herstellung innerer Ordnung. Der Bericht verbindet diese Haltung mit der Forderung, die Rolle der Armee im Inland auszuweiten.
Damit stehen zwei Elemente nebeneinander: eine stärkere Nutzung der Streitkräfte für Grenzschutz, Migrationskontrolle und öffentliche Sicherheit sowie eine ablehnende Haltung gegenüber höheren NATO-Verteidigungsausgaben und der europäischen SAFE-Initiative. Der Bericht beschreibt diese Kombination als grundlegende Verschiebung der Prioritäten italienischer Sicherheitspolitik.
Ungewöhnliches Modell im NATO-Rahmen
Journalisten bewerten den vorgeschlagenen Ansatz als untypisch für NATO-Staaten. Als Vergleich werden einzelne Staaten Lateinamerikas genannt, in denen Militärangehörige regelmäßig und in größerem Umfang für die innere Sicherheit eingesetzt werden. Gemeint ist dabei vor allem die Übernahme von Aufgaben, die traditionell den Polizeibehörden zugeordnet werden.
Die vorgesehene Ordnung würde nach dieser Einordnung die Grenze zwischen militärischen und polizeilichen Zuständigkeiten weniger klar ziehen. Soldaten wären dann nicht nur mit Aufgaben der Landesverteidigung oder internationalen Einsätzen befasst, sondern auch mit der Kontrolle von Territorium und Grenzen sowie mit Maßnahmen gegen irreguläre Migration.
In der politischen Bewertung des Vorhabens wird deshalb vor einer Militarisierung der inneren Politik gewarnt. Kritisiert wird insbesondere, dass die Armee breitere Befugnisse bei der Migrationsbekämpfung, der Gebietsüberwachung und der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung erhalten könnte. Diese Funktionen würden nach der vorliegenden Darstellung näher an klassische Polizeiaufgaben heranrücken.
Die Bewertung warnt zudem davor, dass eine solche Prioritätensetzung die Fähigkeit Italiens beeinträchtigen könnte, seine Verpflichtungen innerhalb der NATO zu erfüllen. Dabei wird auch auf mögliche Auswirkungen auf die euro-atlantische Geschlossenheit und auf das Vertrauen der Verbündeten in Italien als Verteidigungspartner verwiesen. Diese Einschätzung ist im vorliegenden Material als politische Bewertung des Vannacci-Ansatzes formuliert.
Futuro Nazionale verbindet damit eine innenpolitisch ausgerichtete Rolle der Armee mit einer kritischen Haltung zu höheren NATO-Ausgaben, zur SAFE-Initiative und zur Bewertung der russischen Bedrohung. Der Vorschlag verschiebt den Schwerpunkt der Debatte somit von internationalen Missionen und äußerer Abschreckung hin zu Grenzkontrolle, Migration und innerer Sicherheit.


