Erinnerung an Flüchtlingsdrama: Gedenken an 71 Tote in Burgenland
Die Flüchtlingskrise von 2015 hat in Österreich tiefgreifende Spuren hinterlassen. Anlässlich des 10-jährigen Jahrestages des grauenvollen Vorfalls, bei dem 71 Migranten in einem Kühllaster erstickt sind, wurde am 10. August eine Kunstinstallation mit dem Titel „Memory Box 71“ im Burggarten der Friedensburg Schlaining aufgestellt. Diese Initiative erinnert an die tragischen Schicksale der Männer, Frauen und Kinder, die auf ihrem Weg nach Mitteleuropa ihr Leben verloren.
Die ersten Anzeichen des Ansturms von illegal eingereisten Migranten traten bereits im Frühjahr 2015 auf. Um auf die Situation zu reagieren, wurden im Burgenland Flüchtlingsversorgungsstellen eingerichtet. Am 27. August besuchten der damalige Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und seine Amtskollegin aus Niederösterreich diese Einrichtungen, als die erschreckende Nachricht über den gefundenen Kühllaster auf der A4 bei Parndorf eintraf.
„Wir haben die Dimension erahnt, aber die Größenordnung noch nicht gewusst“, äußerte Doskozil. Die Vorstellung, dass 71 Menschen in einem so engen Raum zusammengepfercht waren, sei erschreckend. In der Folge musste er nach der Entdeckung des Lastwagens umgehend eine Pressekonferenz in Eisenstadt einberufen, um die Öffentlichkeit zu informieren.
Nach dem Auffinden des Kühllasters war auch der Ort, an dem die Leichen geborgen wurden, von einem „Geruch des Todes“ geprägt, was das gesamte Ereignis noch traumatischer gestaltete. In den darauffolgenden Tagen kam es zu einem starken Anstieg der Flüchtlingszahlen, wobei täglich zwischen 5.000 und 20.000 Migranten über Nickelsdorf nach Österreich kamen. „Das hat niemand kontrollieren oder zurückweisen können“, erklärte Doskozil und betonte, dass es lediglich um den Weitertransport nach Deutschland ging.
Nach rund sieben Wochen an der Grenze gab es einen Rückgang der Migrantenzahlen, was weniger mit der Schließung der Balkan-Route als mit der Entleerung der Lagerplätze in Österreich zu tun hatte. „Politisch ist seitdem nichts passiert. Das System ist das gleiche, es hat sich nichts geändert“, kritisierte Doskozil die fehlenden Fortschritte im Umgang mit der Migration.
In der aktuellen politischen Debatte wird das Thema Abschiebungen von straffälligen Migranten erörtert. Doskozil befürwortet die Abschiebung verurteilter Straftäter nach Syrien und Afghanistan und bezeichnet die aktuelle Lage als „gesetzliche Bankrotterklärung“. Er fordert eine reelle Diskussion über die Auswirkungen der Migration auf die Gesellschaft und kritisiert, dass derzeit „jeder reingelassen wird, der rein will“.
Aus seiner Sicht wären Asylverfahrenszentren außerhalb der EU eine sinnvolle Lösung, um das Schleppen von Migranten zu reduzieren. „Die einzig praktikable Lösung, um Schleppungen in den Griff zu bekommen, wäre die Einrichtung von Asylzentren in Drittstaaten“, argumentierte er während eines Interviews.
Die heute für die Flüchtlingspolitik verantwortlichen politischen Entscheidungsträger sind aufgerufen, die Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen, um die Sicherheit und die Werte Europas zu wahren. Die Flüchtlingskrise von 2015 bleibt ein mahnendes Beispiel dafür, wie wichtig eine koordinierte und menschliche Flüchtlingspolitik ist.


