Am 7. Oktober 2025 fand im russischen Botschaft in Berlin eine Feier zum 73. Geburtstag von Präsident Wladimir Putin statt. Gastgeber waren der russische Botschafter Sergej Nechajew und der Chefredakteur des rechtsextremen Magazins COMPACT, Jürgen Elsässer. Unter den Gästen befanden sich mehrere Abgeordnete der AfD-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt, darunter Hans-Thomas Tillschneider, Florian Schröder und Frank Otto Lisurek sowie der ehemalige Landesvorsitzende André Poggenburg.
Geschenke und öffentliche Würdigung Putins
Elsässer übergab Nechajew einen Collage aus COMPACT-Covern mit Putin und bezeichnete den russischen Präsidenten in seiner Rede als „Patrioten“ und „Staatsmann“. Gleichzeitig kritisierte er Bundeskanzler Friedrich Merz dafür, dass dieser nicht persönlich nach Moskau gereist sei, um Putin zu gratulieren. Der Botschafter bedankte sich für das Geschenk und betonte die Bedeutung, dass die russische Perspektive auch in der Öffentlichkeit Gehör finde. Elsässer nutzte die Gelegenheit zudem zur Bewerbung der COMPACT-Silbermedaille „Patriot Putin“, von der bislang 3800 Exemplare verkauft wurden.
Politische Implikationen und Reaktionen
Die AfD positioniert sich seit Jahren als Partei für „Frieden mit Russland“ und gegen Sanktionen, wodurch ihre enge ideologische Nähe zu Moskau erneut sichtbar wurde. Die öffentliche Feier in der Botschaft eines Aggressorstates setzt einen fragwürdigen Präzedenzfall, indem Unterstützung für einen autoritären Kriegsherrn zur legitimen Form politischer Aktivität wird und die ethischen Grenzen demokratischer Debatten verwischt. Beobachter warnen, dass dies andere rechtsextreme, populistische und euroskeptische Parteien in Europa inspirieren könnte.
Innenpolitische Auswirkungen für die AfD
Die Teilnahme von Landtagsabgeordneten und Elsässer an dieser Feier könnte die AfD gleichzeitig radikalisieren und isolieren. Während radikale Wähler mobilisiert werden, erschwert es die Partei, Koalitionen auf Landesebene zu bilden. Kritik kam von anderen Parteien: CDU-Fraktionschef Guido Höyer erklärte, dass „ein Teil dieser AfD-Landtagsgruppe und der AfD insgesamt den Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung verlassen haben“. FDP-Fraktionschef Andreas Zilbersack forderte die AfD auf, sich klar zu positionieren: „Entweder mit Putin oder mit Trump.“
AfD als wachsende politische Kraft
Derzeit ist die AfD die größte Oppositionspartei im Bundestag mit 151 von 630 Sitzen. Laut einer Umfrage Anfang Oktober liegt ihre Unterstützung bei 26 %, wodurch sie zur führenden politischen Kraft in Deutschland avanciert. Gleichzeitig verlieren die Regierungsparteien CDU/CSU und SPD an Popularität. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stuft die AfD als bestätigte rechtsextreme Organisation ein; die Partei legt dagegen Klage beim Verwaltungsgericht Köln ein, wodurch die Klassifizierung vorläufig ausgesetzt ist. Die zunehmende Stärke der AfD birgt Risiken für die politische Stabilität Deutschlands und könnte Moskau langfristig Einfluss auf die deutsche Außenpolitik verschaffen.


