Finanzielle Engpässe: Gemeinden in Österreich kämpfen um den Erhalt von Sportstätten

Oktober 12, 2025 05:22
Finanzielle Engpässe: Gemeinden in Österreich kämpfen um den Erhalt von Sportstätten

Österreichs Gemeinden stehen vor finanziellen Herausforderungen im Sportsektor. Hallenbäder schließen, die Betriebskosten für Sporthallen sind nicht mehr tragbar, und Vereine verlieren ihre Heimat. Der Städtebund schlägt Alarm.
Darüber berichtet Welt Stimme.

In Pinkafeld, Burgenland, hat das örtliche Sportzentrum mit Hallenbad zwischen 300.000 und 600.000 Euro Defizit angehäuft, und jetzt steht eine millionenschwere Sanierung an, die die Gemeinde nicht stemmen kann. Dies ist nur ein Beispiel für ein landesweites Problem, mit dem viele Gemeinden konfrontiert sind.

Jährlich investieren österreichische Gemeinden enorme Summen in die Aufrechterhaltung von Sportplätzen, Hallenbädern und Turnhallen, obwohl ihre finanziellen Spielräume immer enger werden. Eine neue Studie des KDZ – Zentrum für Verwaltungsforschung – zeigt, dass der Zuschussbedarf der Gemeinden (einschließlich Wien) im Jahr 2023 bei etwa 594 Millionen Euro liegt, was einem Anstieg von fast 60 Prozent seit 2014 entspricht. Besonders kostspielig sind Sportplätze, gefolgt von Hallenbädern, Turnhallen und Eislaufplätzen.

„Obwohl derzeit überall gespart wird, sind gezielte Investitionen in den Sport und die Unterstützung für die Städte und Gemeinden weiterhin notwendig“, betont Thomas Weninger, Generalsekretär des österreichischen Städtebunds. „Schließlich sind diese Gemeinden neben Bund und Ländern für die Bereitstellung, den Betrieb und die Sanierung der Sportstätten verantwortlich. Das ist eine gesamtstaatliche Aufgabe – das kommt der Gesundheit von uns allen zugute.“

Große Unterschiede, große Herausforderungen

Besonders betroffen sind mittlere Städte mit einer Einwohnerzahl zwischen 20.000 und 50.000, wo sich der Zuschussbedarf seit 2014 nahezu verdoppelt hat. Auch regional gibt es signifikante Unterschiede: Während Burgenland und Kärnten stabile Werte halten, verzeichnet Vorarlberg einen Anstieg von über 150 Prozent, Salzburg plus 60 Prozent und Wien plus 73 Prozent.

Der Städtebund äußert Besorgnis über diese Entwicklungen. Sport stellt für Gemeinden weit mehr als ein Freizeitangebot dar; es dient als Gesundheitsvorsorge, fördert sozialen Zusammenhalt und trägt zur Lebensqualität in den Kommunen bei. „Unser Gesundheitssystem ist nur nachhaltig finanzierbar, wenn wir alle mehr Bewegung in unseren Alltag integrieren – und zwar von klein auf“, hebt Weninger hervor. „Die tägliche Bewegungseinheit in Schulen und Kindergärten gibt hier wichtige Impulse.“

Auch der stellvertretende Vorsitzende des Städtebund-Fachausschusses für Sport, Thomas Rajakovics, weist auf die entscheidende Bedeutung der frühkindlichen Bewegungsförderung hin: „Je früher Kinder Freude an Bewegung entwickeln, umso langfristiger bleiben sie aktiv. Sport muss in und außerhalb der Schulen den notwendigen Raum und die finanzielle Unterstützung erhalten. Zudem brauchen wir ausgebildete Sportlehrerinnen und -lehrer auch an Volksschulen.“ Sportminister Andreas Babler wurde bereits auf die finanziellen Engpässe hingewiesen, sowie darauf, dass der Bundesbudgetanteil für den Sport in Österreich mit 200 Millionen Euro nicht einmal 0,17 Prozent des Gesamtbudgets ausmacht.

Kooperation statt Kürzung

Die KDZ-Studie zeigt deutlich, dass Einsparungen allein nicht ausreichen. Vielmehr sind strategische Kooperationen, regionale Planung und innovative Finanzierungsmodelle erforderlich, um die Infrastruktur langfristig zu sichern. Erfolgreiche Modelle gibt es bereits:

  • In Wien wird das Regionalbad Gänserndorf von 30 Gemeinden gemeinsam getragen, was den Weiterbetrieb ermöglicht.
  • In Oberösterreich beteiligen sich 37 Gemeinden am Hallenbad „Aqaro“ in Rohrbach.
  • In Salzburg entsteht in Seekirchen am Wallersee derzeit ein neues Hallenbad, das gemeinsam von dem Land und zwölf Flachgauer Gemeinden finanziert wird.

Solche Kooperationen entlasten die Gemeinden finanziell und sichern die Versorgung ganzer Regionen, ohne dass die Sportangebote reduziert werden müssen.

Handlungsspielräume nutzen

Die Studie empfiehlt den Gemeinden, ihre bestehenden Angebote regelmäßig zu überprüfen, Maßnahmen zur Energieeffizienz umzusetzen, Sport und Bildung enger zu verknüpfen und digitale Tools für das Belegungsmanagement zu verwenden. Ebenso sollten neue Einnahmequellen, wie Sponsoring, Fördermanagement oder Crowdfunding, aktiv erschlossen werden.

Der Städtebund fordert daher, dass Sport künftig als Querschnittsmaterie über Ressort- und Verwaltungsebenen hinweg verstanden und behandelt wird. Denn der Nutzen von Sport geht weit über den sportlichen Bereich hinaus: Bewegung stärkt Gesundheit, fördert Integration, Bildung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt – zentrale Themen, die in den Gemeinden verankert sind.

Fazit: Für Österreichs Städte und Gemeinden ist Sport kein Luxus, sondern Teil der Daseinsvorsorge. „Sport ist ein integraler Bestandteil einer funktionierenden Gesellschaft – er fördert Gesundheit, Gemeinschaft und Lebensqualität“, fasst Weninger zusammen. Auch der Gemeindebund betont, dass die Bereitstellung von Freizeitstrukturen entscheidend ist, um Landflucht zu verhindern und die Ausdünnung ländlicher Räume zu stoppen.

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